Hamburgische Geschichten und Denkwürdigkeiten

zum Teil nach ungedruckten Quellen erzählt
Autor: Beneke, Otto Adalbert Dr. (1812-1891) Hamburger Archivar, Historiker und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hamburg, Otto Beneke, Geschichten, Denkwürdigkeiten, Hexen
Inhaltsverzeichnis
  1. Lübeck, Bremen, Hamburg? (1307)
  2. Spital, Kirche und Vorstadt St. Georg
    1. St. Georgs Spital und Kirche. (Gegründet um 1195.)
    2. Die Vorstadt St. Georg vor 200 Jahren
  3. Ein Rats-Secretarius der Vorzeit. (1376.)
  4. Heino Brand, die bürgerlichen Unruhen und der Recess vom Jahre 1410
  5. Des Domdechanten Bann. (1465 und 1482.)
  6. Die Pfingsthöge der Familie von Spreckelsen (1505)
  7. Vom Doctor Veit (1521)
  8. Bernd Besekes Glück und Unglück (Um 1525-1536)
    1. Wer Bernd Beseke gewesen ist
    2. Wie Bernd Beseke platterdings nicht zum Ratsstuhle gelangen kann
    3. Wie Bernd Beseke auch nicht Amtmann werden kann
    4. Wie Bernd Beseke die Braunschweiger nicht schädigen und in Hamburg keinen Ratsherrn zum Turnieren finden kann
    5. Wie Bernd Beseke Castellan zu Neuwerk wird, und wie es alldort aussah
    6. Bernd Besekes Händel auf Neuwerk
    7. Bernds Verbrechen
    8. Bernd wird verhaftet
    9. Bernd vor Gericht
    10. Bernds und der Knechte Hinrichtung
  9. Ein Kriegsgericht im Eichholz (1491)
  10. Hamburgisches Kriegswesen im Jahre 1563
  11. Martin Roevers Händel (1567)
  12. Wie ein Prokurator seine Schulden tilgt (1597)
  13. Hexen-Geschichten
    1. Abelke Bleken (1583)
    2. Eine junge Hexe (1611)
    3. Von alten Hexen (1641-1643)
  14. Gaukler-Geschichten
    1. Der Seiltänzer (1608)
    2. Simson Herkules Harzmann (Um 1650)
    3. Der Feuerkönig (1678)
    4. Der Weinsprüher (1679)
  15. Allerlei Malefiz-Geschichten
    1. Karrengefangene (1609-1624)
    2. Rathaus-Diebe (1616-1621)
    3. Malefizweiber (1619)
    4. Die letzte Justiz auf dem Grasbrook (1624)
    5. Diebsgeschichten (1662-1679)
  16. Soldaten-Geschichten
    1. Des Faustrechts Nachklang (1647)
    2. Des Kommandanten Strafmetoden (1659-1672)
    3. Abschieds-Feierlichkeiten (1676)
  17. Naturwunder
    1. Wunderrosen (1643)
    2. Wunderkorn (1664)
    3. Wunderfisch (1662)
    4. Wunderkinder (1660-1676)
    5. Cometen (1664-1680)
  18. Zwei Schwärmer (1659 und 1666)
    1. Hermann von Huden (1659)
    2. Jürgen Frese (1666)
  19. Pastoren-Geschichten
    1. Magister Wieses Suspension (1638)
    2. Eine anzügliche Predigt (1647)
    3. Pastor Corsinius (1659)
Vorwort.

Eine hie und da gewünschte Fortsetzung der vor zwei Jahren erschienenen Hamburgischen Geschichten und Sagen, in völlig gleicher Weise, vermag ich nicht zu bieten. Nach ihrer Auswahl und Anordnung die Hauptmomente der älteren vaterstädtischen Geschichte umfassend, stellen sich dieselben als ein bereits ziemlich gerundetes Bild der Vergangenheit dar, für dessen Seitenstück es an den besten Gegenständen der Erzählung fehlen würde. Daneben ist auch einer der Bestandteile jenes Buches, der ohnehin nicht sehr reiche Sagenkreis, mindestens so weit meine Kunde reicht, fast gänzlich erschöpft. Die etwa noch vorhandenen (mit einzelnen Gebräuchen, Einrichtungen und Gebäuden verknüpften) sagenhaften Überlieferungen sind für die selbstständige Wiedererzählung teils zu unerheblich, teils, aus grobem Missverständnis der Tatsachen hervorgegangen, ohne allen historischen oder poetischen Wert, teils endlich, als ersichtlich dichterische Schöpfungen neueren Datums, ohne volkstümliche Ursprünglichkeit und Geltung.

In der gegenwärtigen Sammlung ist deshalb das Gebiet der Sage gänzlich verlassen und dafür durchgängig der historische Boden gewählt. Die innere Geschichte unseres Gemeinwesens enthält eine Menge solcher Ereignisse und Zustände, welche nicht nur an sich einen hinlänglichen Grad allgemeiner Bedeutsamkeit besitzen, sondern auch, durch das Gepräge einer gewissen Eigentümlichkeit, unsere Stadt in bemerkenswerter Weise bezeichnen; Ereignisse und Zustände, welche sehr wohl in den Rahmen eines Zeit- oder Sittenbildes passen, und es daher aus äußeren wie inneren Gründen verdienen als Hamburgische Geschichten und Denkwürdigkeiten erzählt zu werden.

In einer der Beurteilungen des obengedachten Buches war dessen Verfasser der Rat gegeben, bei einer künftigen ähnlichen Sammlung das topographische, das kultur- und sittengeschichtliche Gebiet noch mehr ins Auge zu fassen. Dass ich diesem gewiss richtigen Fingerzeige gern gefolgt bin, wird der vorliegende Band dartun, dessen Inhalt großenteils diesen Gattungen der geschichtlichen Denkwürdigkeiten oder denkwürdigen Geschichten angehört, wohin auch einige Gaukler-, Malefiz- und Spukgeschichten zu rechnen sein werden.

Daneben habe ich das biographische Element tunlichst berücksichtigt, und manche weniger bekannte oder vergessene Persönlichkeit des alten Hamburg in Charakterzügen oder Lebensbildern darzustellen versucht.

Das dem Buche angehängte Inhalts-Verzeichnis; gibt zugleich eine gedrängte Übersicht der vorzüglichsten Quellen, aus welchen ich geschöpft habe. Vielfache Ausbeute gewährten die jetzt in den Hintergrund getretenen gedruckten Werke der älteren Autoren über Hamburgische Topographie, Geschichte, Verfassung und innere Einrichtungen. Dennoch habe ich den größten Teil des Stoffes entweder unmittelbar aus deren Rüstkammern oder aus noch völlig unbenutzten handschriftlichen u. a. Materialien genommen, unter welchen ich mit dankbarer Anerkennung die mir zur Einsicht verstatteten Akten und Sammlungen unseres Stadtarchivs hervorhebe. Durch diese ungedruckten Quellen bin ich in den Stand gesetzt worden, den Freunden unserer Geschichte manche Einzelheiten wie Gesamtbilder vorzuführen, welche ihnen vielleicht mehr oder minder neu sein dürften.

Möge denn auch diese Sammlung verschollener Kunden der Vorzeit bei den Genossen der Gegenwart eine solche Teilnahme finden, wie sie hervorgeht aus der lebendigen warmen Liebe zu unserer alten ehrenreichen Vaterstadt.

Hamburg, am 28. November 1855.

Dr. Otto Beneke.