Der Weltkrieg und die Judenfrage

Autor: Kreppel, Jonas (1874; † 21. Juli 1940 im Konzentrationslager Buchenwald) österreichisch-jüdischer Schriftsteller, Redakteur und politischer Publizist, Erscheinungsjahr: 1915

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Der Weltkrieg und die Judenfrage - Die Leiden der russischen Juden - Was kostet das Elend der russischen Juden? - Ausländische Interventionen - Die Judenfrage in Russisch-Polen - Zangwill's Illusionen - Pogrome während des Krieges - Die Palästina-Frage - Das zionistische Problem - Der Jargon - Jüdischer Patriotismus in Österreich-Ungarn und Deutschland - Das innere jüdische Leben - Der Weltkrieg vor Gottes Richtstuhl
Glaubensstark und voller Weihe
Ist des Juden Kaisertreue.

Der Krieg gegen Russland ist für die
Juden ein „heiliger Krieg".

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Dem Andenken der tapferen jüdischen Helden,
welche auf dem Felde der Ehre ihr Leben
für Kaiser und Vaterland geopfert haben, gewidmet.

                        Der Weltkrieg und die Judenfrage.

Volle fünf Monate tobt bereits der so lange vorausgesagte und befürchtete, immer noch hinausgeschobene, aber doch zum Ausbruch gelangte europäische Krieg. Österreich-Ungarn und Deutschland haben den selben trotz aller Friedensliebe, trotz aller bis zu den äußersten Grenzen gehenden Geduld, aufnehmen müssen, um sich gegen die russisch-serbischen Quertreibereien, französischem Chauvinismus, belgischer Heuchelei und englisch-japanischer Habsucht zu verteidigen. Volle fünf Monate tobt bereits dieser gewaltige Kampf, in welchem die Heere der verbündeten Zentralmächte Wunder der Tapferkeit und des Heldenmutes leisten. Noch immer ist das endgültige Resultat dieses gewaltigen Ringens, in welchem die meisten Völker Europas, Asiens und Afrikas beteiligt sind und in welchem ca. 20 Millionen Soldaten ihre Waffen kreuzen, ebenso wie die Folgen dieses Weltkrieges, unabsehbar und unübersehbar.

Eines jedoch ist sicher; wie immer das Resultat dieses Krieges ausfallen sollte, wird dasselbe ganz gewaltige Umwälzungen im politischen, ökonomischen und geistigen Leben der Völker zur Folge haben und die wichtigsten Probleme der modernen Welt werden Lösungen, Umwälzungen, Neugestaltungen und Neugruppierungen erfahren.

In der großen Reihe dieser Probleme darf die sog. Judenfrage wohl nicht in allerletzter Linie gestellt werden. Die Judenfrage ist ja bekanntlich ein Problem, welches von jeder Umwälzung, von jeder politischen, geistigen und sozialen Strömung berührt und beeinflusst wird und sehr treffend erklärte ein bekannter Schriftsteller, es genüge, einen beliebigen Band eines Konversations-Lexikons aufzuschlagen, ein beliebiges Schlagwort zu wählen und demselben die Worte „und die Juden" hinzufügen, um ein entsprechendes Thema nicht bloß für einen Aufsatz, sondern zuweilen auch für ein ganzes Buch zu finden.

Wenn nun fast zwischen jedem wichtigen Worte, Begriffe oder Erscheinung des Lebens und der Judenfrage ein causalnexus sich konstruieren lässt, um so eher ist der Zusammenhang derselben mit dem gegenwärtigen Weltkriege unwillkürlich gegeben. Der Weltkrieg und die Judenfrage greifen tief ineinander. Das Resultat des ersteren wird auch entscheidend für das Schicksal der letzteren sein.

Und um es gleich zu sagen: die Juden der ganzen Welt sind daran interessiert, dass das gegenwärtige blutige Ringen mit dem Siege Österreich-Ungarns und Deutschlands endige. Ohne dass zwischen den Juden und den europäischen Zentralmächten jemals irgendwelcher Allianzvertrag abgeschlossen worden wäre, ist doch für die Juden der „casus foederis" gegeben und die Judenschaft aller Länder wünscht den Sieg ihrer natürlichen Verbündeten herbei.

Von den zwölf Millionen Juden, die gegenwärtig gezählt werden, nehmen ca. zehn Millionen im gegenwärtigen Weltkriege direkten Anteil. Ohne Übertreibung lässt sich sagen, dass ca. dreiviertel Million jüdischer Soldaten in den Armeen der kriegführenden Staaten kämpfen.

Jedoch nicht dieser Umstand allein kommt hier in Betracht. Nicht darum handelt es sich, wie viel jüdische Leichen die Schlachtfelder bedecken, wie viel jüdische Witwen und Waisen zurückbleiben, wie viel jüdisches Familienglück zerstört und vernichtet, wie viel gesunde, kräftige Juden verkrüppelt werden. Es handelt sich um eine viel bedeutendere Sache, um ein viel tieferes und weitgehenderes Problem, es handelt sich um die Zukunft der Juden.

Für die Juden Österreich-Ungarns und Deutschlands kommt hierbei noch ein ganz spezieller Umstand in Betracht. Die beiden europäischen Zentralmächte zählen nach Russland die meisten jüdischen Bürger unter allen europäischen Staaten. In diesen beiden Kaiserreichen ist auch die Emanzipation der Juden in der weitgehendsten Bedeutung dieses Wortes zur Durchführung gelangt. Der Kampf gegen das finstere, barbarische Russland muss für jeden Juden geradezu als „heiliger Krieg" angesehen werden. Im Vergleich mit dem Los ihrer Brüder im Zarenreiche können die Juden Österreich-Ungarns und Deutschlands erst recht deutlich die eigene Position wertschätzen. Der Sieg Österreich-Ungarns und Deutschlands über Russland bedeutet für die Juden ganz speziell den Sieg des Lichtes über die Finsternis, der Humanität über mittelalterlicher Barbarei. den höchsten Triumph von Freiheit und Gerechtigkeit.

1-010 Bosnische Soldaten der österreichisch-ungarischen Armee auf der Rast

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1-011 Feldartillerie der serbischen Armee während des Aufmarschs

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1-012 Maschinengewehr-Abteilung der österreichisch-ungarischen Armee zum Angriff bereit

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1-016 Beispiele der ungeheuren Wirkung eines einzigen Geschosses der 42 cm Haubitze auf das Panzerfort Loncin der Festung Lüttich

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1-017 Zerstörte Drahtverhaue und Barrikaden vor dem Fort Loncin der Festung Lüttich

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1-018 Die eroberten belgischen Festungsgeschütze der Zitadelle von Lüttich

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1-019 Durch die deutschen Geschosse gesprengte und in die Luft geworfene Decken und Panzertürme des Forts Loncin der Festung Lüttich

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1-020 Die Umwallung eines Forts von Lüttich nach der Einnahme

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1-022 Aus dem zerstörten Teil der Stadt Löwen

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Wk1 Deute Infantrie im Kampf mit einem britischen Panzer

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Wk1 Deutsche Artillerie

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Wk1 Das Wunder von Montauban

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