Sittengeschichte des deutschen Studententums

Studentenleben, Sitten, Gewohnheiten und Bräuche
Autor: Bauer, Max (1861-1932) Publizist und Journalist, Erscheinungsjahr: 1926
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Sittengeschichte, Kulturgeschichte, Sozialgeschichte, Studentenleben, Bildung, Sitten und Gebräuche, Mittelalter, Schulen,
Motto: Das deutsche Studentenleben war eine wichtige beachtenswerte Zeiterscheinung, auf welche die Nachwelt einst blicken wird wie auf ein zweites Mittelalter, dessen Ritterlichkeit es ebenso zu bewahren sucht, wie dessen Rohheiten. Wir haben es versinken gesehen, und nun sammelt man in Büchern, was von seinen Sitten, Gewohnheiten und üblichen Bräuchen übrig blieb, zur Kunde für die spätere Nachwelt.

      Ludwig Bechstein, Fahrten eines Musikanten, 1836/1837.

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Die Vorzeit hatte keine Ahnung von der Psyche des Kindes. Ihr Vorhandensein war eine Entdeckung der großen Pädagogen des achtzehnten Jahrhunderts. Wie man bis dahin dem Kinde die Kleidung der Erwachsenen gegeben, so schob sich auch keine trennende Schranke zwischen ihm und den Sitten und Unsitten der Großen. Noch war die Schule kein vermittelndes Element geworden, denn sehr spät erst setzte sich der allgemeine Schulbesuch der Knaben durch. Der der Mädchen noch viel später.

Die Schule von einst unterschied sich von der heutigen nicht wesentlich. Sie war im Grunde genommen dieselbe Drillanstalt wie es die jetzigen Bildungskasernen sind, nur waren die Lehrgegenstände und der Ton, der in ihnen herrschte, grundverschieden von heute.

In der Sucht, Mustermenschen erziehen zu wollen, wurde dem Kinde damals noch viel rücksichtsloser als heute die Jugend vergällt. Man begehrte geradezu Unmögliches.

Adam Potken, Kaplan in Xanten, las um 1470 — 1480 mit elf- und zwölfjährigen Knaben Vergils Aeneide und Ciceros Reden. Johann Eck, geboren 1486, machte von seinem neunten bis zwölften Jahr im Hause seines Oheims, eines Pfarrers, und in der Schule einen umfassenden Kursus in den lateinischen Klassikern durch. Dreizehnjährig bezog er die Universität Heidelberg. In seinem fünfzehnten Jahre wurde er in Tübingen Magister.

Solch geistige Frühreife steht nicht vereinzelt da. Der Mathematiker und Astronom Johannes Müller aus Königsberg in Franken ließ sich als Knabe von dreizehn Jahren in Leipzig immatrikulieren und erwarb in seinem sechzehnten Lebensjahre in Wien das artistische Baccalaureat. Johann Reuchlin und Geiler von Kaisersberg wurden sechzehnjährig Hochschüler. Johann Spießheimer genannt Crispinianus hielt als Jüngling von achtzehn Jahren an der Wiener Universität Vorlesungen über lateinische Klassiker. Drei Jahre später wurde er Lehrer der Philosophie, der Beredsamkeit und der freien Künste, und im Alter von 27 Jahren Rektor der Universität in Wien. . . .

                                Inhaltsverzeichnis

. . . Charakteristik der Schüler von einst — Adelige als Schüler. Schülerexzesse. Pennalismus in niederen Schulen — Lehrerrohheit. Lehrer bei Dirnen — Zustand der Schulräume — Wie Stadtschulen aussahen — Bursen für Arm und Reich — Famuli. Die Mahlzeiten in den Bursen — Hochmut der Lehrenden und Lernenden — Studentenscherze. Studentenfeste — Tanz und andere Vergnügen. Pariser Bursen — Parisfahrten. Bursentyrannen — Wohlleben in Bursen. Der Trunk — Teufelinne Weib. Zeloten und Heuchler — Fahrende Schüler. Vagantenpoesie — Goliarden. Vagantenerotik — Der beste Liebhaber — der Student — Trinklieder der Fahrenden. Liebeslieder — Bettelpoesie —Vagantenelend. Fahrende Kleriker — Verbrecherische Fahrende. Der Student als Tausendkünstler — Im Venusberg. Studierte Bettler — Luther als Bettelsänger. Sein Vagantenleben — Der Bettelstudent — Wohltätigkeit und Ungeziefer. Schützen und Bacchanten. Der Pauper — Manuale scholarium. Geistliche Tracht — Unzüchtige Kleidung. Räuberärmel, liederliche Wesen — Pluderhosen. Modeneuerungen — Der Hosenteufel. Leichtfertige Gemüter — Hoffahrtsteufel. Ausgepolsterte Bäuche — Das Gymnasium in Gera — Schulordnung in Gera — Befreiung vom Bursenzwang. Sittenverfall — Das goldene Zeitalter. Freizügigkeit — Studentendirnen. Wittenberg — Unzucht und Mutwille — Der wilde Wallenstein als Student — Ein vorbildlicher Professor — Skandale in Lehrerfamilien — Der Student auf dem Rabenstein. Tübingen — Prof. Robert v. Mohl — Ausschreitungen in Tübingen — Roheiten. Wilderer. Teufelspakt — Diebstahl und andere Verbrechen — Unfug in Marburg und Jena — Studentenfleiß. Akademische Frauenzimmer — Studentenreue — Raufereien, Fechten — Hieb und Stoß. Duellmandate — Wien, Prag, Ingolstadt —Tanzen. Verführung durch Dirnen — Prostitution und Bordelle — Dirnen in Leipzig, in Wittenberg, in Gießen — Generalstellung und wüstes Gesicht. Geschlechtskrankheiten — Jenenser Dirnen. Dirnen in Gießen — Bordelle in Wetzlar. Königliche Anstalten. Der Eltern Schuld — Bordelle. Gelegenheitsdirnen. Käsekorb — Dorfgänge. Glücksspiele. Akademische Behörden — Milde Urteile. Im Karzer — Vorrechte des Adels — Adel und Bürger. Professorenbursche — Akademische Bürger. Philister — Deposition —Depositionsgebühren — Das Depositionsverfahren — Depositionslieder — Ritus depositionis — Deposition — Schorismus — Pennalismus, Pennalschmaus — Schoristen — Tagewerk des Schoristen — Schoristen als Verbrecher — Kampf gegen den Pennalismus — Pennalismus. Heiratslust der Studenten — Studentenehepaare — Verlobungen und Hurenbrüche. Frau Studentin — Brautschaften. Wohlverhaltungsverträge — Väterliche Instruktion — Bürstenbinder. Der studentische Trunk. Der Saufteufel — Zechschulden. Saufteufel — Höllenkinder — Rohheit. Trinkgelage. Blüten der Sauferei — Orgien — Saufliedlein. Vom Komment. Das Zechrecht — Volkmann-Leander — Darf die „Jungfrau" trinken? Bruderschaftstrinken — Brüderschaft mit der „Jungfrau". Trinkarten — Nasse Willkommengrüße. St. Ulrich S. — Von der Zerbrechlichkeit der Jungfrauenschaft. Jungfräuliche Defension — Zech- und Sauf-Disputation — Ein Kommersbrauch. O Tannenbaum — Der Salamander. Trunk und Professoren — Hofnarr und Hochschullehrer. Professoren als Gastwirte — Melanchthons Brauprivilegium. Professoren als Schankwirte — Der Nebenerwerb die Hauptsache. Universitäts-Schmause — Lichterfest und Lichterschmaus — Aufwand bei Universitätsschmäusen — Professoren als Gäste bei den Schmausen. Autoren-Honorare für die Professoren — Stören der Hochzeiten und des Gottesdienstes — Königsberger Exzesse — Französerei. Geschraubtheit — Geschraubtheit — Uneheliche Geburten in Universitätsstädten. Ein Studentenroman nach dem Leben — Akademische Jungfrauen — Heimliche Trauung. Uneheliche Kinder — Kuppler. Universitätsliebchen. Verführerinnen? — Studentenkind. Kindesmord — Gymnasiasten. Akademische Bürger — Christliche Ermahnungen. Christian Thomasius — Domenpfad der Tugend — Niedergang der Wissenschaften — Unzucht in Bild und Wort — Katechismen. J. A. Comenius — Ehrabschneiden — Schüler als Schauspieler — Lateinische Stücke — Terenz und Plautus in den Schulen — Schüler als Dirnendarsteller. Obszöne Komödien von Lehrern — Freudenhausszenen in Schuldramen — Voigts „Ägyptischer Joseph" — Joseph und Frau Potipheir — Schuldramen vom „Laster des Ehebruchs" und ähnliches Hans Pfriem oder Meister Kecks — Sexuelle Aufklärung durch Schuldramen. Studentenkomödien — Gnotenkampf — Cornelius relegatus — Comoedia vom Studentenleben — Amantes amentes. Dramatisierte Sexualitäten — Zwischenspiele — Weise. Biblische Dramen — Singspiele — Reuters „Harlekins Hochzeit" — Der Schulteufel — Musik — Frühere Studenten als Bühnenkünstler. Magister Veiten — Der erste Wienerische Hanswurst — Bandenführer Carl. Schauspielerinnen — Komödiantinnen. Renommierliebchen — Studenten und Dichtkunst. Grobianus — Pertransibat clericus — Studentenlieder — Saufliedlein — Runda — Geharnischte Venus — Poesie im Studentenlied — Ich lobe mir das Burschenleben — Ch. W. Kindleben — Christian Weise — Liedersammlungen — Jungfer-Gesänge — Tabak. Soldaten und Studenten — Fidibus. Tabak und Kaffee — Ständchen. Klassische Studentenlieder. Landesvater — Pasquille. Stammbücher — Wilhelm Hauff — Stammbuchpoesie — Stammbuchhumor — Stammbuch und Liebe — Die Schönen im Stammbuch — Burschenleben im Stammbuch — Gesellenstammbuch. Gescheiterte Studenten — Kindleben. Gescheiterte Studenten — Christian Reuter, Magister Laukhard, Jos. Ant. Christ — Studenten als Moralisten. Universitäten im 18. Jahrhundert. Göttingen — Erlangen — Rebmann. Gottsched. — Leipzig, Halle. Degen als Wahrzeichen — Studententypen — Der geckenhafte Student. Der Rüpel nach der Mode — Halle a. Saale — Filia hospitalis. Wäscherinnen — Alte Verführerinnen. Studentenliebchen — Jena. Cicisbeat — Bezahlte Liebhaber — ,,Der verliebte Student" — „Die Charmante". Der Renommist — Scharmanten. Hospitium — Absaufen der Geliebten. J. F. W. Zachariä. Goethe als Student in Leipzig — Leipzig und die Studenten. Friedrich Wilhelm III. gegen die Studenten — Quellennachweise — Bilderverzeichnis — Inhaltsverzeichnis
000 Der raufende Student

000 Der raufende Student

001 Das Kollegienhaus in Helmstedt im 17. Jahrhundert (1)

001 Das Kollegienhaus in Helmstedt im 17. Jahrhundert (1)

001 Das Kollegienhaus in Helmstedt im 17. Jahrhundert

001 Das Kollegienhaus in Helmstedt im 17. Jahrhundert

002 Aus dem Studentenleben (1)

002 Aus dem Studentenleben (1)

002 Aus dem Studentenleben (2)

002 Aus dem Studentenleben (2)

002 Aus dem Studentenleben (3)

002 Aus dem Studentenleben (3)

003 Der Schulmeister

003 Der Schulmeister

004 Lehrer mit dem Schulgehilfen, den die umgekehrte Rute kennzeichnet

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004 Unterricht im Singen, Lesen und Rechnen in einer Stadtschule mit einer Züchtigungsszene

004 Unterricht im Singen, Lesen und Rechnen in einer Stadtschule mit einer Züchtigungsszene

005 Herrscherin Rute. Albertus Magnus lehrt

005 Herrscherin Rute. Albertus Magnus lehrt

005 Herrscherin Rute. Das Standessymbol des LehrersJPG

005 Herrscherin Rute. Das Standessymbol des LehrersJPG

005 Herrscherin Rute. Lehrer mit drei StudentenJPG

005 Herrscherin Rute. Lehrer mit drei StudentenJPG

006 Kaiser Maximilian, der letzte Ritter, beim Unterricht mit seinen Prügelknaben

006 Kaiser Maximilian, der letzte Ritter, beim Unterricht mit seinen Prügelknaben

007 Vorlesung. Auch der Professor hält seinen Rohrstock bereit

007 Vorlesung. Auch der Professor hält seinen Rohrstock bereit

008 Eine Promotion im 16. Jahrhundert

008 Eine Promotion im 16. Jahrhundert

009 Der Lebemann

009 Der Lebemann

009 Die Verführerin

009 Die Verführerin