Rutenbedarf in Klöstern

Aber die Gefahr, durch den Rohrstock Sünden zu wecken, was vielleicht diesem oder jenem nicht unbekannt geblieben war, da er es als Knabe am eigenen Leibe erfahren hatte, hielt aber keinen dieser frommen, selbst heiligen Zuchtmeister davon ab, die Rute als das Allheilmittel bei der Kindererziehung anzusehen und kräftig zu gebrauchen.

Der berühmte Notker von St. Gallen wurde von seinen Schülern „Das Pfefferkorn“ genannt, weil er so eifrig und schmerzhaft mit seinem Stock ihr Hinterteil biss.
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In manchen Klöstern war der Rutenbedarf so groß, dass sie sich von ihren Zinsbauern Ruten und Peitschen zur Züchtigung ihrer Schüler liefern ließen 6).

Wer sein Kind lieb hat, der hält es unter der Ruten! hatte Geltung als A und O aller Kindererziehung bis in die allerjüngste Zeit hinein. Berthold von Regensburg, der unsterbliche Volksprediger, hält es für ratsam, allzeit ein Rütlein zur Hand zu haben. Er empfiehlt „für die Zeit, als es (das Kind) erste böse Worte spricht, so sollt ihr ein kleines Rütelein nehmen . . . . und als (wenn es) eine Unzucht oder ein böses Wort spricht, so sollt ihr ihm ein Smitzelin tun an der bloßen Haut. Ihr sollt es aber aufs bloße Haupt nicht schlagen mit der Hand, denn ihr möchtet es wohl zu einem Toren machen" 7).

Oswald von Wolkenstein, der letzte Minnesinger, wundert sich, dass ein Mann sein Kind ohne Rute ziehen will. Hans Sachs ermahnt die Eltern, ihre Kinder mit der Rute im Schach zu halten. Wenn Geiler von Kaisersberg und Cyriacus Spangenberg nur vor Bestrafung im ersten Zorn warnen, geht Johannes Fischart — manchmal seinem Zeitalter stark voraus — noch einen Schritt weiter, indem er erklärt, dass Loben und Schelten viel weiter führen, „als alles Rasen, Treten, Stoßen und Stürmen mag verfahen".

6) Scheuer, S. 7 f.

7) Hans Bosch, Kinderleben in der deutschen Vergangenheit. Leipzig 1900, S. 102.

Dieses Kapitel ist Teil des Buches Sittengeschichte des deutschen Studententums
004 Lehrer mit dem Schulgehilfen, den die umgekehrte Rute kennzeichnet

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004 Unterricht im Singen, Lesen und Rechnen in einer Stadtschule mit einer Züchtigungsszene

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