Der Lehrer als Henkersknecht

Die Lehrer in Basel besaßen einen wahrhaft henkerischen Erfindungsgeist. Sie begnügten sich nicht mit den gewöhnlichen Formen der Prügelstrafe, sie plagten ihre Schüler mit „Schrauben, Pochen, Balgen, mit Schlägen, Hüpfen, Rupfen".

In einer 1540 erschienenen Schrift heißt es: „Wenn der Herr Schulmeister das Henkeramt verwaltet, muss der arme Sünder, will er nicht bis aufs Blut gestrichen sein, sich selbst bücken und bereit halten. Andere Schulmeister halten, um das Strafamt bequemer zu verwalten, und jede Widersetzlichkeit unmöglich zu machen, eine förmliche ,Verbrecherleiter' bereit, in die die Kinder kriechen und Kopf und Beine hindurchstecken müssen. Da kriegt nun der Schulmeister seine Henkersrute aus einem Eimer voll Wasser, hauet, peitschet und trummelt dem armen Schelm auf posteriori herumb, dass er schreiet, dass man's übers dritte Haus hören möchte, hört auch nicht auf, bis dass dicke Schwülen auflaufen und das Blut an den Beinen herunterläuft" 20).
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Bei solch unerhörten, gewohnheitsmäßig betriebenen Rohheiten nimmt es nicht Wunder, dass einer dieser Dippolde, der Lehrer des Humanisten Johannes Butzbach, wegen seiner Grausamkeit davongejagt, in Miltenberg Henkersknecht wurde 21).

Wenn eine kursächsische Verordnung vom Jahre 1766 den Lehrern gebot, die Kinder ,,weder mit Stöcken noch Fäusten, sondern lediglich mit Worten oder Flatieren und wo es nötig mit Ruten zu streichen", so drohten noch 1771 die Stadtväter von Winterthur dem Stadtpräzeptor Reinhart, ihn vor den Rat zu stellen, sofern er sich weigere, den Schüler Knuß öffentlich mit eigener Hand zu züchtigen" 22).

20) Tholuck, August, Das akademische Leben des 17. Jahrhunderts mit besonderer Beziehung auf die protestantisch-theologischen Fakultäten. Berlin 1853 — 1854, 1. Bernd, S. 188.

21) K. J. Löschke, Die religiöse Bildung der Jugend und der sittliche Zustand der Schulen im 16. Jahrhundert. Breslau 1846, S. 238.

22) B. Heil, Die deutschen Städte und Bürger im Mittelalter, 2. Aufl., Leipzig 1906, S. 144.

Dieses Kapitel ist Teil des Buches Sittengeschichte des deutschen Studententums
Miltenberg, Marktplatz

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Scharfrichter bei der Vorbereitung

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Oekolampad, Johannes (1482-1531) evangelischer Theologe, Humanist, Reformator in Basel

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