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Die Entwicklung der deutsch-russischen Handelsbeziehungen

Mit einem Vorwort von M. Busemann, Syndikus des deutsch-russischen Vereins zur Pflege und Förderung der gegenseitigen Handelsbeziehungen, e. V.
Autor: Lehrfreund, Ludwig Dr. (1893-1954 ) Rechtsanwalt, Unternehmer und Publizist, Erscheinungsjahr: 1921

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hanse, Hansa, Handelsbeziehungen, Deutschland, Russland, Deutsche, Russen, Literatur, Verleger, Industrie, Produktivkräfte, Handel, Volkswirtschaft
Jede gediegene Arbeit, die zur Erforschung und zur Kenntnis der kulturellen und der wirtschaftlichen Verhältnisse Russlands beiträgt, ist mit Dank aufzunehmen. Es fehlt an solchen Werken. Mit Recht wurde schon vor dem Kriege darüber geklagt, dass trotz der innigen und weitverzweigten wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden benachbarten Reichen Land und Leute und Leben Russlands selbst den tiefer gebildeten Deutschen im allgemeinen fremd waren.

Immerhin muss jedoch auch anerkannt werden, dass namentlich seit dem Beginn des Jahrhunderts in Deutschland viel zur Aufklärung über Russland und zur inneren Annäherung an die Russen geschehen ist. Die gute russische Literatur ist von deutschen Verlegern in tadellosen Übersetzungen dem deutschen Volke nahegebracht worden. Es wurden Studienreisen nach Russland veranstaltet, ich nenne insbesondere die im Jahre 1912 unter der Führung von Professor Sering unternommene Studienreise der „Vereinigung für staatswissenschaftliche Fortbildung“. Zahlreiche deutsche Gelehrte ersten Ranges nahmen teil an Kongressen in Russland, so an dem VI. Internationalen Geologen-Kongress in St. Petersburg 1896, an dem Medizinischen Kongress in Moskau im Jahre 1896, ferner an dem Internationalen Geographen-Kongress in St. Petersburg 1902.

Deutschland beteiligte sich an verschiedenen Ausstellungen in Russland, Ich erwähne die Ausstellung „Detski Mir" (Kinderwelt) in St. Petersburg im Jahre 1903, die mit Unterstützung des Reiches, des Preußischen Kultusministeriums und des Deutsch-Russischen Vereines beschickt wurde, Russische Hausindustrieerzeugnisse fanden in ihrer einzig schönen Eigenart durch Ausstellungen in deutschen Warenhäusern, namentlich in Berlin und in München, Eingang in deutsche Häuser. Dem Moskauer Theater wurde Gelegenheit zu Gastspielen auf ersten deutschen Bühnen gegeben.

Vor allem verdient hervorgehoben zu werden, dass in den letzten 25 Jahren eine beträchtliche Anzahl von bedeutsamen Werken über Russland in Deutschland erschienen ist. Genannt seien ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

v. SchuIze-Gävernitz, G., Volkswirtschaftliche Studien aus Russland, Leipzig 1899.

Die Produktivkräfte Russlands. Zusammengestellt im Kaiserl. Russischen Finanzministerium von W. J. Kowalewski. Deutsche autorisierte Ausgabe von E. Davidson, Leipzig 1898.

Russlands Industrie und Handel, Von W. K. (Auszug aus dem „Encyklopädischen Wörterbuch" von Efron und Brockhaus). Aus dem Russischen von L. Davidson. Leipzig 1901.

Hettner, A., Das Europäische Russland, Leipzig und Berlin 1905.

Wittschewsky, Russlands Handels-, Industrie- und Zollpolitik, Berlin 1905.

Goebel, O., Volkswirtschaft des westbaikalischen Sibirien, Berlin 1910.

Goebel, O., Volkswirtschaft des ostbaikalischen Sibirien ums Jahr 1909. Berlin 1910.

Ischchanian, B„ Die ausländischen Elemente in der russischen Volkswirtschaft. Berlin 1912.

Russlands Kultur und Volkswirtschaft, herausg. von M. Sering, Berlin und Leipzig 1913.

v. Boustedt, A. und Trietsch, D., Das Russische Reich in Europa und Asien, 2. Auflage. Berlin, Leipzig, Hamburg 1913.

Hoetzsch, O., Russland. Eine Einführung auf Grund seiner Geschichte vom japanischen Krieg bis zum Weltkrieg. 2. Auflage, Beriin 1917.

Hinzu kommen wertvolle Veröffentlichungen der Sachverständigen bei den deutschen Konsulaten. Endlich sind auch die Veröffentlichungen des Deutsch-Russischen Vereines zur Pflege und Förderung der gegenseitigen Handelsbeziehungen, sowie die Tätigkeit der Deutschen Gesellschaft zum Studium Osteuropas anzuführen.

Der Krieg hat es mit sich gebracht, dass durch die Gefangenen beide Völker sich bekannter geworden sind. Die über ganz Deutschland beschäftigten russischen Gefangenen und ebenso die deutschen Gefangenen in Russland haben im persönlichen Verkehr mit den Arbeitgebern und den Arbeitsgenossen, der sich im Laufe der Zeit naturgemäß vielfach ziemlich eng gestaltete, Aufklärung gegeben und empfangen.

Auch der Verfasser des vorliegenden Werkes, Dr. Ludwig Lehrfreund, hat erst in mehrjähriger Kriegsgefangenschaft, während der er, durch glückliche Umstände begünstigt, in schwedisch-russischen Import-Gesellschaften tätig war und weite Reisen durch den Ural und Sibirien unternahm, Russland kennen und lieben gelernt.

Seine Arbeit hat das Verdienst, dass sie in knapper, übersichtlicher Gestaltung leichten Überblick über die Entwicklung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Russland, über ihre vertraglichen Regelungen und deren Wirkungen unter besonderer Hervorhebung des großen Nutzens, der nicht nur für Deutschland, sondern gleicherweise für Russland aus der wirtschaftlichen Vereinigung erwuchs, darbietet. An einer solchen Arbeit, die nicht nur für den Forscher bestimmt ist, sondern jedem, der an dem Handel zwischen Deutschland und Russland beteiligt ist, gute Dienste leistet, fehlte es, meines Wissens, bisher in der deutsch-russischen Literatur.

Der Verfasser zeigt den Beginn der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland im frühen Mittelalter, den Tauschverkehr der Hanseaten-Russlandfahrer mit Nowgorod, das schon Jahrhunderte hindurch bis gegen 1500 der Mittelpunkt des deutsch-russischen Handels war, wobei besonders deutsche Tuche, Metallwaren und Salz umgesetzt wurden. Im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts kam die Schwäche Deutschlands auch im Handel mit Russland zum Ausdruck. Mit dem Erstarken Preußens konnte dann der Grund zu neuem Aufbau der wirtschaftlichen Beziehungen zum Osten gelegt werden, beginnend mit einem im Jahre 1689 abgeschlossenen Handelsverträge zwischen Brandenburg und Russland.

Die Westeuropa zugeneigte Politik Peters des Großen und die geniale Wirtschaftspolitik des großen Preußenkönigs sind auch dem Güteraustausch beider Länder sehr förderlich gewesen. Besonders gelangte der Handel über die Landgrenze dank der Anlage von Landstraßen und Kanälen zu hoher Blüte.

In den ersten Jahrzehnten des 19, Jahrhunderts konnten Friedenswerke in Europa nicht gedeihen. Doch mit der Bildung der wirtschaftlichen Einheit Deutschlands, wenigstens nach außen hin, im Zollverein 1834, kommt auch der deutsch-russische Handel wieder zur Entfaltung. Allerdings nicht in stetiger Entwicklung, sondern in starken Kurven, entsprechend den fast ununterbrochenen handelspolitischen Verhandlungen und den ihnen folgenden Revisionen der Zolltarife.

Die Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und Russland vom Übergange zur Schutzzollpolitik in Russland 1877, mit der Erhebung der Zölle in Gold statt wie bisher in Silber, und in Deutschland 1879 bis zum Zollkrieg 1893 und dessen Überwindung durch den deutsch-russischen Handels- und Schifffahrts-Vertrag vom 10. Februar 1894 konnte sich, wie der Verfasser in übersichtlichen Zahlenreihen vorführt, in diesem 13 Jahre langen latenten Zollkriege nicht entwickeln. Immerhin sind aber Ein- und Ausfuhr auf gleicher Höhe geblieben. Einen starken Aufschwung erfuhr dann der Handel mit der Geltung des Handelsvertrages von 1894, mit dem Zusatzvertrag von 1904, wie der Verfasser in umfange reichen Auszügen aus russischen und deutschen Quellen im einzelnen darlegt.

So gibt Lehrfreund in anschaulicher Darstellung den historischen Nachweis, wie innig beide Länder wirtschaftlich aufeinander angewiesen sind, und er stärkt dadurch unser Vertrauen auf einen Wiederaufbau des deutsch-russischen Handels.

In dem ausführlichen Schlusskapitel „Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen nach dem Weltkriege" gibt der Verfasser zunächst eine objektive Darstellung der Bedeutung der Brest-Litowsker Verträge mit der Ukraine vom 9. Februar 1918 und mit Russland vom 3. März 1918.

In Bezug auf den bekannten Artikel 292 des Friedensvertrages von Versailles („Deutschland erkennt an, dass alle mit Russland oder irgendeinem Staate oder irgendeiner Regierung, deren Gebiet früher einen Teil Russlands bildete, sowie mit Rumänien vor dem 1. August 1914 oder seit diesem Tage bis zum Inkrafttreten des gegenwärtigen Vertrages geschlossenen Verträge über Einkommen oder Abmachungen aufgehoben sind und bleiben") wird mit Recht hervorgehoben, dass die Rechtmäßigkeit dieser Bestimmung nicht anerkannt werden kann, da Russland an den Friedensverhandlungen nicht teilgenommen hat.

Lehrfreund kommt nach einem Hinweis auf den Zusammenbruch der von Koltschak, Denikin, Judenitsch, Wrangel unternommenen Versuche, die Sowjetregierung mit Waffengewalt zu stürzen, zu dem Schluss, dass „man dem russischen Volke nur helfen könne, indem man es aus seiner Isolierung reißt und in wirtschaftliche Beziehungen zu ihm tritt. Je reger sich diese gestalten werden, desto kleiner wird der Nimbus des russischen Bolschewismus im Ausland und desto größer das Bewusstsein seiner Unzulänglichkeit im Inland." Das ist zweifellos richtig. Inzwischen scheint schon die Erkenntnis, dass Produktion, Industrie und Handel, kurz, das gesamte Wirtschaftsleben nur bei freier Entfaltung der Kräfte des Einzelnen gedeihen kann, in Russland durchzudringen, Lenin hat auf dem Anfang März 1921 in Moskau abgehaltenen X. Kongress der Kommunistischen Partei unter fast allgemeiner Zustimmung die auf dem Gebiete der Wirtschaft begangenen Fehler öffentlich zugegeben und dabei erklärt, „man werde nicht umhinkönnen, der Forderung nach freiem Handel und freier Wirtschaft entgegenzukommen." Auch in der bolschewistischen Presse begegnet man neuerdings Äußerungen, welche die Unhaltbarkeit der gegenwärtigen wirtschaftlichen Zustände offen zugeben und auf die Freigabe des Außenhandels als unerlässlich notwendig hinarbeiten.

Die Nationalisierung des Handels ist zweifellos zusammengebrochen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass der Einzelhandel in Russland wieder einsetzen wird, und gleichzeitig wird auch die Produktion wieder Lust zum Schaffen bekommen.

Dass Deutschland bei der Neugestaltung der wirtschaftlichen Beziehungen Russlands zum Ausland ausgeschlossen wird, ist zwar nicht zu befürchten, indes weist der Verfasser des vorliegenden Werkes mit Recht darauf hin, dass seitens der wettbewerbenden Länder große Anstrengungen gemacht werden, uns zu verdrängen. Es ist, nachdem die Sowjetregierung die Nationalisierung des Handels allem Anschein nach aufgeben will, dankbar zu begrüßen, dass die deutsche Regierung, hoffentlich mit Erfolg, bemüht ist, die Zulassung von Vertretern des Handels und der Industrie Deutschlands in Russland vertraglich durchzusetzen. Sobald nur erst der deutsche Kaufmann, dessen Arbeit vor dem Kriege Deutschland seinen wirtschafte liehen Aufschwung im Ausland zu danken hatte, wieder nach Russland gehen, dort alte Beziehungen wieder aufnehmen, neue anknüpfen und ungehindert arbeiten kann, ist keine Gefahr mehr, dass Deutschland vom russischen Markte ferngehalten wird.

                              M. Busemann.

Vorwort
Einleitung
Der Hansisch-Nowgoroder Handelsverkehr
Niedergang des deutsch-russischen Handels im 16. und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts
Der Handelsverkehr Brandenburg-Preußens mit Russland bis zum Ende des 18. Jahrhunderts
Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen von 1800 — 1870
Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen von 1870 — 1893
Der deutsch-russische Handels- und Schifffahrtsvertrag vom 10. Februar 1894
Der Zusatzvertrag von 1904 zum deutsch-russischen Handelsvertrage von 1894
Die deutsch-russischen Handelsbeziehungen nach dem Weltkrieg
Literaturangaben

Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Die Plünderung Wisbys

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Braunschweig Stadtansicht

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Bremen Marktplatz

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Greifswald Stadtansicht

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Goslar Stadtansicht

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Elbing Stadtansicht

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Berlin und Kölln

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Lüneburg Stadtansicht

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Magdeburg Stadtansicht

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Rostock Stadtansicht

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Stettin, das Alte Schloss

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Stralsund Stadtansicht

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Wismar, Stadtansicht

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Hamburg, Blick auf die Unterelbe

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Hamburg, Flet in der Altstadt

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Bremen - Freihafen

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Danzig - Frauengasse

Danzig - Frauengasse

Hamburg - Deichstraßenfleet

Hamburg - Deichstraßenfleet

Ulm 1493

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Ulm 1643

Ulm 1643

Ulm, am ehemaligen Frauengraben

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Ulm, Die alte Bauenmühle

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Ulm im 16. Jahrhundert

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Ulm, Münster

Ulm, Münster

Ulm, Münsterplatz

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Hamburg - Leitergasse

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