Wanderungen an der Nord- und Ostsee

Ostsee
Autor: Cornelius, Wilhelm (?) Kobbe, Theodor von (1798-1845) deutscher Jurist, Menschenrechtler und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1841
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Ostsee, Ostseeküste, Seebadeorte, Kurorte, Badeorte, Landschaften, Küstenbewohner, Elbing, Königsberg, Lübeck, Danzig, Stralsund, Kolberg, Wanderungen, Seebadeanstalten,
Einleitung.

Wohl Niemand wird in Abrede stellen können, dass bei der vorliegenden Einteilung unseres deutschen Vaterlandes in zehn malerische und romantische Sektionen, offenbar dem die schwierigste Aufgabe zugefallen sei, der die sparsam und in weiten Zwischenräumen von Gottes Hand ausgesäten malerischen und romantischen Schönheiten der weiten Ostseeküste in den engen Rahmen von sieben bis acht Druckbogen zusammenfassen soll. Und wenn ich nun dennoch aus aufrichtiger Liebe zum Meeres- und Heimatstrande keck die Hand an dieses schwierige Wagnis lege, so sei es mir erlaubt, mit wenigen Worten großen Erwartungen, wie sie durch frühere reichhaltigere und mannigfaltigere Sektionen dieses Werkes erweckt sein möchten, bescheiden vorzubeugen.
Der Charakter der deutschen Ostseeküste, deren Grenzen, beiläufig gesagt, schwer zu bestimmen sein möchten, ist im Allgemeinen weder malerisch, noch romantisch. Meist flach und eintönig, kalt und rau, kahl und sandig, hält dies Land keinen Vergleich aus mit dem warmen und farbenreichen Süden unseres Vaterlandes. Es kann sich weder im Reichtum an Naturschönheiten, noch an großen historischen Erinnerungen mit dem Rhein, mit Schwaben, mit Thüringen oder mit dem Harze messen. Eine Quadratmeile ist dort reicher, als hier eine ganze Provinz. Arm, wie alle flachen Länder, an originellen poetischen Sagen der Vorzeit, beginnt auch die Geschichte hier erst mit dem zweiten Jahrtausend, mit der Einführung des Christentums; und die Geschichte wird erst zuverlässig mit dem Emporblühen der Städte, mit der Gründung der Hansa. Was diese Gegend Großes, aber auch einzig Großes, zugleich Niederbeugendes und göttlich Aufrichtendes besitzt, ist das Meer. Im Meer und hart am Meer liegen die wenigen malerischen Naturschönheiten des Landes. Im Meere liegt Rügen, das liebliche Eiland, mit seiner reizend rätselhaften heidnischen Vorzeit. Meist nur auf dem Meer und hart am Meer, zumal in den einst mächtigen und von Königen gefürchteten Städten, geschah, was Großes und Ruhmwürdiges aus der Vorzeit dieses Landes auf die Nachwelt gekommen ist. Das Meer, das ewige Anschauen, das Bekämpfen und Bemeistern dieses majestätischen und wunderreichen Elementes ist es, was hauptsächlich den in Gottergebenheit mutigen , ruhigen, offen und frei gesinnten Charakter der Küstenbewohner durch alle Jahrhunderte bildete. Und dieses Volk der Küstenbewohner, das unter seiner rauen Schale einen so gesunden Kern in sich trägt, ist es hauptsächlich, was das Reisen, zumal die Wanderung, an dieser weiten Büste lohnt und interessant macht. Daher erwarte der Leser mehr eine Schilderung des originell und scharf ausgeprägten, wenn auch durch Kultur noch weniger polierten Menschenschlags, als eine topographischstatistische Beschreibung des meist alltäglichen Landes; mehr eine Profilzeichnung, als ein ausgemaltes Bild; mehr einen Abriss der hellen lebendigen Gegenwart, als der dunklen abgestorbenen Vergangenheit. Nur mit dem flüchtig skizzierenden Crayon des Landschaftsmalers und nicht mit dem ausführenden, verschönernden und deckenden Pinsel kann und will ich mich befassen. Der Heimat mit ganzer Seele zugetan, bin ich niemals blind gewesen für die Vorzüge anderer Gegenden Deutschlands, und ich werde niemals von Pommern im Superlative reden, wenn der Positiv vollkommen genügt. Das weite, hier tausendfach gespaltene Feld der Geschichte nach Gebühr würdigend, werde und muss ich mich des engen Raumes wegen auf das beschränken, was sich mit dem Charakteristischen des Volks, mit dem Malerischen und Romantischen des Landes in ungezwungene Verbindung bringen lässt, und wird sich bei Städten wie Königsberg, Lübeck, Danzig, Stralsund und Kolberg gewiss Gelegenheit genug zu interessanten historischen Rückblicken finden. Schweigen, weniger sagen als man weiß, ist ohnehin schwieriger als Wortmacherei, und dieser Tugend des Schweigens muss ich mich hier befleißigen.

Möchte sich doch, zum Lohn für mich, nur ein schwacher Abglanz jener Fröhlichkeit und Jugendfrische in diesen Blättern spiegeln, die bisher auf gar mannigfaltigen Wanderungen mir immer treue Gefährten waren!

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Danzig

Danzig

Königliches Schloss zu Königsberg

Königliches Schloss zu Königsberg

Der Heilige Damm bei Bad Doberan

Der Heilige Damm bei Bad Doberan

Die Langgasse in Danzig

Die Langgasse in Danzig

Greifswald

Greifswald

Kleine Stubbenkammer auf Rügen

Kleine Stubbenkammer auf Rügen

Kloster Oliva bei Danzig

Kloster Oliva bei Danzig

Schloss Puttbus auf Rügen

Schloss Puttbus auf Rügen

Stralsund vor der Alten Fähre

Stralsund vor der Alten Fähre