Peter der Große Alexjewitsch und seine Zeit. Buch 1

Vom Erlöschen der Rurikischen Dynastie bis zur Thronbesteigung Peters I. 1598 -1689
Autor: Binder, Wilhelm Dr. (1810-1876) deutscher, Erscheinungsjahr: 1844
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Russland, Peter der Große, Sittenbild Russlands der Zeit Peters, Karl XII., August II. Strelitzen, Kosaken
Nach den vorzüglichsten Quellen bearbeitet von Dr. Wilhelm Binder, Verfasser des Werkes: „Fürst Clemens Metternich und sein Zeitalter.“

Einleitung.

Von Julius Cäsar zählt die Geschichte achthundert Jahre bis auf Karl den Großen, und von diesem ebenfalls wieder achthundert Jahre bis auf Peter I. von Russland. Cäsar lebte bereits im Mittel- und Höhenpunkte griechisch - romanischer Kultur; sein Geist fand alle Mittel schon vorhanden; alle Hebel, womit seine Tatkraft die Herrschaft über die zivilisierte Welt in Rom zu konzentrieren wusste, lagen schon bereit zur Anwendung. Hier begegneten sich Bildung und Energie zur Unterwerfung teils entkräfteter, teils barbarischer, jedenfalls vereinzelter Nationen und Reiche. Es war somit nicht sehr schwierig, das Gebäude einer romanischen Universalmonarchie, dessen Grundlagen schon so fest standen, mit Schlusssteinen zu versehen.

Einen schon ungleich mühsameren Stand hatte Karl der Große für sein germanisches Weltreich. Ihm war ein Kampf gegen kräftige Völkerschaften von gleichem Stamme beschieden; er bedurfte einer fremden Religion, die sich auf seines Schwertes Knauf lehnte, um die vaterländischen Götter zu verdrängen; er hatte die Kultur unterworfener Rassen nötig, um seine und seiner Volker rohe Kraft zu leiten und eine, aus Altem und Neuem zusammengesetzte, Staatseinrichtung zu erschaffen. Dagegen begünstigte ihn, das Oberhaupt eines großen und kräftigen Volkes, die seit der Volkerwanderung und dem Sturze des Römerreiches aller Orten noch fortdauernde Verwirrung, die Erschlaffung des Südens und die Barbarei des germanischen Nordens. Im Herzen Europas wurzelnd, von den Römern die Gesittung, von den Deutschen die Kraft borgend, musste sein eiserner Wille den Zweck der Weltherrschaft erreichen, die indessen au den Großen des neugestifteten Reiches gierige Teilnehmer und an dem Haupte der christlichen Kirche einen standhaften Rivalen fand. Von jeher haben die Deutschen immer mehr den Titel von einer Sache, als die Sache selbst gehabt. [Auszug]
    Vorwort
    Einleitung
Feodor I. Iwanowitsch der letzte Czar aus der Rurikischen Dynastie † 1598. — Boris Godunow unterbricht durch die Ermordung Dimitris, des unmündigen Bruders von Feodor, die natürliche Erbfolge und besteigt den moskowitischen Thron. — Ein falscher Dimitri zeigt sich in der Person des Mönchs Otrepiew. — Boris Godunow macht seinem Leben durch Gift ein Ende. — Sein Sohn Feodor II. zum Czaren erwählt 1605. — Dieser wird noch im gleichen Jahre von dem falschen Dimitri verdrängt, der als Dimitri VI. Iwanowitsch den Thron besteigt. — Dimitris Vermählung mit Marina Mnischek. — Es bildet sich unter dem Fürsten Schuiskoi eine Verschwörung gegen den Betrüger, worin dieser getötet wird. — Schuiskoi erhält unter dem Namen Wasilei V. die Krone. — Ein zweiter falscher Dimitri tritt auf. — Der „Dieb von Tuschino.“ — Wasilei sucht bei den Schweden Hilfe, kann aber wegen der Intrigen Königs Sigismund III. von Polen seine Stellung nicht mehr behaupten und wird 1610 der Krone verlustig erklärt, welche Sigismunds Sohn, Wladislaw, erhält. — Neue Umtriebe und Untergang des „Diebs von Tuschino.“ — Wladislaw erscheint nicht in Russland. — Kläglicher Zustand des Reichs. — Prokopius Läpunow sucht sein Vaterland zu retten. — Ein neuer Kronprätendent in der Person Karls IX. von Schweden. — Ein vierter falscher Dimitri. — Die Polen aus Russland vertrieben. — Posharski und Trubezkoi verwalten das Reich bis zur Wahl eines neuen Herrschers gemeinschaftlich. — Michaël Feodorowitsch Romanow zum Czaren erwählt 1613. — Sein Krönungseid. — Krieg mit Schweden. — Die Russen bei Bronnizy geschlagen. — Friede zu Stolbowa zwischen Russland und Schweden durch Englands und Hollands Vermittelung. — Sieg über die in die Ukraine eingedrungen Kosacken. — Marina wird nebst ihrem Sohne und dem Generale Zaruczy hingerichtet. — Michaëls glückliche Unternehmungen gegen die Polen. — Der Metropolit Philaret, Vater des Czaren, wird aus der polnischen Gefangenschaft befreit und übt einen wohltätigen Einfluss auf die Regierung des russischen Reiches.— Zweckmäßige Einrichtungen im Innern. — Neuer Krieg mit Polen. — Friede von Wjäsma. — Verbesserungen im Kriegs- und Unterrichtswesen. — Eudoxia Streschnew, die Gemahlin des Czaren. — Michaël Rowanow † 1645. — Ihm folgt sein Sohn Alexei Michailowitsch. — Alexeis Persönlichkeit. — Aufstand zu Moskau 1648. Weitere Ausbreitung und Dämpfung desselben. — Ein neuer Betrüger, der sich für einen Sohn des Czaren Wasilei ausgab, findet zu Moskau ein klägliches Ende. — Alexei unterstützt die kleinrussischen Kosaken und gerät darüber in Krieg mit Polen. — Krieg mit Schweden, 1656, ohne Erfolg für Russland. — Waffenstillstand zu Weliesar zwischen Russland und Schweden. — Friede von Kardis 1661. — Fortsetzung des Kriegs mit Polen. — Münzverschlechterung. — Empörung in Moskau, die bald wieder unterdrückt wird. — Waffenstillstand zu Andrussow zwischen Russland und Polen durch das Bündnis der saporogischen Kosaken mit der Pforte veranlasst.— Aufstand und Hinrichtung des Kosakenhetmans Stenko Rasin. — Russlands und Polens Bündnis gegen die Türken.— Verbesserungen im Innern des Reiches.— Alexei † 1676. — Sein Sohn Feodor III. folgt in der Regierung. — Er vermeidet einen Krieg mit Schweden. — Unterwerfung der aufrührerischen Kosaken. — Friede zwischen Polen und der Pforte. — Sieg der Russen über die Türken bei Tshigirin und zwanzigjähriger Waffenstillstand 1681. — Adel und Ämter werden in Russland von nun an bloß dem Verdienste verliehen. — Neue Vermessung der Grundstücke, Verschönerung der Hauptstadt und Verbesserung des Schulwesens. — Feodor III. † 1682. — Seine beiden Brüder, Iwan und Peter, werden unter Vormundschaft der Czarin Witwe, Natalie Naryschkin, zu gemeinschaftlichen Nachfolgern in der Regierung erwählt. — Fürchterlicher Aufstand der Strelitzen, durch Feodors Tochter Sophia erregt. — Wunderbare Rettung Peters und seiner Mutter. — Iwan und Peter zu Czaren gekrönt. — Sophia, die faktische Regentin Russlands. — Erneuerter Friedensvertrag mit Schweden 1684. — Friede zwischen Russland und Polen 1686. — Iwans Vermählung mit der Fürstin Soltikoff. — Neuer Aufstand der Strelitzen. — Spaltungen in der griechischen Kirche. — Feldzug gegen die Türken. — Peter in Preobrashenskoje; seine Beschäftigungen daselbst. — Neue Unternehmungen Sophias gegen Peter, die mit dem Sturze der erstem endigen. — Peter besteigt den Thron (7. September 1689), den Iwan nur noch scheinbar mit ihm teilt. — Geographischer, politischer, intellektueller und sozialer Zustand des Russischen Reichs in jener Epoche.

.

.

.