J. H. Rausse, der Reformator der Wasserheilkunde.

J. H. Rausse ist der Schriftstellername, unter welchem H. Francke den Freunden der Wasserheilkunde und der belletristischen Literatur bekannt geworden ist
Autor: Kapp, Ernst (1808-1896) Pädagoge, Geograph und Philosoph, Erscheinungsjahr: 1850
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Rausse, Francke, Wasserheilkunde, Baden, Kuren, Gesundheit
Rausse war ein seltener, ausgezeichneter Mensch. Als solcher hatte er — das Kennzeichen wirklicher Tüchtigkeit: — viele Feinde und viele Freunde. Jene hassten ihn tödlich, diese liebten ihn wie einen Abgott. Jedenfalls war er bedeutend genug, dass seine Freunde kurze biographische Mitteilungen über ihn erwarten mussten. Man wusste, dass ich im Besitz ziemlich vollständiger, vielleicht der vollständigsten Materialien zu einer Biographie war; daher erhielt ich aus der Nähe und Ferne mündliche und schriftliche Aufforderungen, das mir Bekannte zusammenzustellen. Ich versprach eine ausführliche Schrift über Rausses Leben und Wirken drucken zu lassen. Meine Auswanderung nach Texas nahm indessen wegen der vielen nötigen Vorbereitungen meine Zeit dermaßen in Anspruch, dass ich mich auf das rein Biographische beschränken, und alles die Reform der Wasserheilkunde und die innere Entwicklung dieser Wissenschaft Betreffende weglassen musste. Besser dies Wenige als gar nichts!

Ich habe meinem Freunde Hermann Jacobi in Bremen das Manuskript übergeben und ihn gebeten, die Herausgabe zu übernehmen. Die Mängel der kleinen Schrift fallen der tumultuarischen Abfassung derselben zur Last und werden bei dem Leser in billiger Rücksichtnahme auf diesen Umstand Entschuldigung finden. Muss ich doch selbst diese wenigen Zeilen am Bord des Schiffes schreiben, das mich einer neuen Welt entgegen tragen wird. — Ich habe um so weniger Anstand genommen, die Schrift in dieser Gestalt erscheinen zu lassen, als sich über Rausses Tod sehr gehässige Nachrichten verbreitet haben, deren Widerlegung ich für eine heilige Freundespflicht halte. Die Mediziner triumphieren über den frühen Tod Rausses. Wem gereicht ein solcher Triumph zur Ehre, wem zur Unehre?

Am Bord der Francisca, den 4. Oktober, 1849.
Dr. Ernst Kapp.


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Fragen wir, wo die Nationen groß und stark wurden, so antworten wir: am Meere! Wo liegen alle Sammelplätze menschlicher Kunst, Wissenschaft und Industrie, die reichen und blühenden Handelsstädte? An Strömen und ihren Mündungen! Die Städte selbst wieder, wo sind sie am belebtesten, wo drängt sich ihr Verkehr zusammen? An ihrer Wasserseite! Wonach späht des Kolonisten Auge im Urwald und in der Steppe zuerst? Nach der Quelle, die ihn und seine Tiere tränken soll! Was endlich gibt Frische, Gesundheit und Kraft jedem Siechen? Der Brunnen! Das Wasser also, das Wasser ist der Ursprungs- und Lebensquell für alles Geschaffene und Werdende. Darum Respekt vor dem Wasser, aber auch Gerechtigkeit und Anerkennung den Wohltätern der Menschheit, welche das Wasser für das Leben aller Einzelnen in diejenigen Ehren einsetzen, welche ihm die Menschheit von ihrem Anbeginn an im Allgemeinen immer schon erwiesen und es dadurch zum Spiegel ihrer Geschichte gemacht hat! Man führe Deutschland voll und ganz auf den Ozean und es wird gesunden von seinem sozialen Siechtum und wird hochgebietend dastehen unter den Nationen der Erde! Der Einzelne unterwerfe seinen müden und kranken Leib einer durchgreifenden Wasserkur und er gewinnt, was ihn unbesieglich macht. Aber unbezwingbar ist nur wahrhaft der durch und durch Gesunde. Gibt’s doch im Leben so viel Feinde zu bekämpfen, so manchem Angriff zu begegnen! Hier ist's die dumpfe Aktenstube, dort ein Heer von eingebildeten Bedürfnissen, bald sind's Ärger, Gram und Kummer, bald Neid und Ehrgeiz; hier möchte hämische Verleumdung, dort stolzierende Anmaßung den Weg verrennen! Der Gesunde aber und wer gesund bleiben will und es danach anfängt, der schmettert all' dies Gesindel von Sorgen und Qualen des täglichen Lebens zu Boden und schreitet im sichern Triumphzug eines herzensreinen und geistesnüchternen, in sich weisheitsvolles Maß haltenden Daseins über alle jene Larven und Leichen ruhig und siegreich hinweg!

Die Wasserheilkunde, diese anfangs verachtete, jetzt aber schon kräftig und kühn auftretende Lehre, ist bereits so auflösend in die dogmatischen Verhärtungen des alten orthodoxen Arzneitums eingedrungen, dass der Gräfenberg Jahr ein Jahr aus unter seinen Gästen eine namhafte Anzahl von promovierten Ärzten zählt. Prießnitz ist eine ewige Wahrheit und kann, wie alle große Wahrheiten nun einmal nicht mehr wegdisputiert werden. Prießnitz steht als Begründer seiner Heillehre, wie jeder Erste, einzig da. Der Unterschied seiner Lehre und der Medizin ist der, dass diese kaum zu erhalten vermag, wo jene auf nichts Geringeres als auf physische Niedergeburt ausgeht.

Soweit Vincenz Prießnitz. Sein Tun jedoch ist ein ganz unmittelbares, instinktives. Als solches würde seine Erhaltung und Weiterbildung dem Zufall, der Willkür preisgegeben bleiben, wenn nicht andere durch Lehre und Schrift es in das Bewusstsein der Zeit verarbeiteten und mit der Aufstellung des Begriffs der neuen Erscheinung auch die Möglichkeit und Gewissheit ihrer vollständigen Aneignung gäben, und es so zu einem dauernden, höchst bedeutungsvollen Entwicklungs- und Lebensstoff für die Menschheit zu machen. Was mir fremd und feindlich ist, dass wird dadurch, dass ich es begreife, mein eigen und durch diese Überwindung meinen Zwecken dienstbar und untertan.

Der Einzige, welcher bis jetzt mit dem Begriff die Sache sich unterworfen, und den „Geist der Gräfenberger Wasserkur“ richtig aufgefasst und dargestellt hat, der Erste, welchem aus dem Begriff der Sache die unumstößliche Gewissheit hervorgegangen ist, dass die physische Wiedergeburt der Menschheit die alleinige und unerlässliche Bedingung zu ihrer geistigen Wiedergeburt ist, ist H. F. Francke, bekannter unter seinem Schriftstellernamen J. H. Rausse, ein Mann der Wahrheit, ein Mann ohne Menschenfurcht und Menschenhass, einer der genialsten Denker unserer Zeit, der Nichts will, was er nicht weiß, der Nichts wissen mag, was er nicht zu wollen das Recht und die Befugnis hat, ein Mensch, der sich nur in so weit wahrhaft Mensch fühlt und weiß, als er wahre Menschen um und vor sich hat.

*) Aus einem Aufsatz des Verfassers im Telegraphen für Deutschland 1847 No. 118, betitelt: „I. H. Rausse und die wissenschaftliche Begründung der Hydriatik.“
Francke, Heinriche Friedrich , Pseudonym: J. H. Rausse (1805-1848) deutscher Hydropath (Experte für Wasserheilkunde) Heilpraktiker und Fachschriftsteller

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Kapp, Ernst (1808-1896) Pädagoge, Geograph und Philosoph

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