Hein Hannemann

Eine Geschichte von der Waterkant
Autor: W. v. d. Mühle (Sophie Kloerss) (1866-1927), Erscheinungsjahr: 1923

Neuaufgelegt: 2006
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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hein Hannemann, Rostock, Kinder- und Jugendbuch, Waterkant, Warnemünde, Warnow, Rostocker Heide, Bad Doberan, Bützow, Rüpel, Sturmflut
Mit Bildern von Karl Mühlmeister.
Die Neuauflage dieses Buches entstand dank einer Initiative der Mitglieder des Fördervereins der Stadtbibliothek Wismar.
Inhaltsverzeichnis
  1. Hein und seine Kumpane.
    1. - 2 -
    2. - 3 -
    3. - 4 -
  2. Der König von Bützow.
    1. - 2 -
    2. - 3 -
    3. - 4 -
  3. Von viel kaltem Wasser.
  4. Großer Speicherkampf.
  5. Schwere Angst.
  6. Hurra! Warnemünde!
  7. Heidefahrt.
  8. Doberaner Markt und Gespenster.
  9. Verirrt im Winterwald.
  10. Ein merkwürdiger Mann.
  11. Die See, die wilde See.
  12. Ein feines Garn.
  13. Sturmflut.
  14. Gerettet!
Hein Hannemann – ein Rostocker Jung - erobert schon auf den ersten Seiten dieser liebenswerten Geschichte das Herz eines jeden Lesers. Der kleine blonde Junge mit dem immer vorlauten Mundwerk zählt erst fünf Jahre, nichtsdestotrotz ist er in der ganzen Stadt bekannt wie ein bunter Hund. Rüpel – Heins Spielkamerad auf vier Pfoten wird zu Heins treuem Begleiter durch seine Kinder- und Jugendjahre und vervollständigt das Gespann, dass Hein mit seinen besten Freunden Fritz Merovius und Jochen Möller bildet. Zu viert erleben sie lustige, spannende, gruslige aber auch gefährliche Abenteuer… Der Stadthafen, der Strom der Unterwarnow, der Breitling, Straßen und Plätze Rostocks, der Hannemannsche Speicher, das alte beschauliche Bützow, die erhabene Rostocker Heide, Rövershagen, der Herbstmarkt zu Doberan, Elmenhorst, der Pfingstmarkt zu Rostock, der Fischer- und Lotsenort Warnemünde, die Ostsee und nicht zuletzt die Sturmflut von 1891 geben die Kulisse für dieses farbenprächtig erzählte Kinder- und Jugendbuch.

Über das Buch Hein Hannemann von Prof. Dr. Müller, Vors. des Bibliotheks-Vereins - Wismar:

„Was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen“ empfahl uns Goethe. Die Mitglieder des Bibliotheksvereins - Fördervereins der Stadtbibliothek Wismar sind sich sicher, dass zu dem zu erwerbenden Erbe unserer Väter auch deren bevorzugte Jugendbücher gehören sollten - solche, die spannend sind, auf unaufdringliche Weise Wissen vermitteln, menschliche Wärme ausstrahlen und ohne Gewalt auskommen.
Wir freuen uns deshalb, dass der Godewind Verlag unsere Idee aufgegriffen hat, derartige Bücher neu aufzulegen und damit die Angebotspalette lesenswerter Jugendliteratur zu verbreitern.

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Hein Hannemann – der Tom Sawyer aus Rostock
Wiederbelebung einer Identifikationsfigur des Nordens


Sophie Kloerß veröffentlichte 1923 unter Pseudonym den Roman „Hein Hannemann“. Nach über 80 Jahren Vergessenheit ist der Roman wieder zu haben.

In einer Stadt wie Rostock, in deren Bücherwelt man sich kaum retten kann von Geschichte der Stadt, Hanse, Hafen, Schiffe, Universität, Museen, würde man eigentlich nicht erwarten, dass es größere Lücken hinsichtlich von Identifikations-Figuren gibt. Dennoch ist der kleine Hein Hannemann, dessen Abenteuer in und um Rostock auf fast 300 Seiten wunderbar beschrieben wurden, heute fast niemandem ein Begriff.

Die Geschichte

Hein Hannemann ist zum Beginn der Geschichte, die am Ende des 19. Jahrhunderts spielt, fünf Jahre alt und erfährt eine Art Wiedergeburt bei der Rettung aus dem Wasser durch den Angler und Steuermann Krischan. Hein sprang überhaupt erst mutig ins Wasser, um einem Hund das Leben zu retten. Durch die unaufdringliche Art des Schreibens sind hier bereits die ersten Sympathiepunkte an den wilden kleinen Hein verteilt.

Namensgeber für den Hund wird Bodenmeister August, denn er ruft ihn „Rüpel“. Es ist in dem Moment offen, ob damit Hein oder der Hund gemeint war, denn wo immer beide sind, ist Chaos. Vier brave ältere Geschwister können ihm nicht Vorbild sein. Er hat seinen eigenen Kopf und bringt sich und seine Kreativität vor allem in die „Umgestaltung“ des Speichers ein, was weder der kaufmännische Chef August noch Heins gutbürgerlicher Vater, der Kaufmann, gutheißen. Zwischen den Vorräten der Kolonialwaren stromert Hein am liebsten an der Seite von Cousin Jochen Möller und Professorensohn Fritz Merovius, deren Kumpanei zwischen Säcken und Kisten von Rosinen, Kaffee und Zucker durch Rüpel perfektioniert wird.

Innerhalb wie außerhalb der Hafenstraßen nahe der Rostocker Schickmannstraße schafft es die Autorin, filmreife Szenen zu kreieren, so etwa die Eis-Rettung von Jochen, der beim Schlittschuhlaufen auf der zugefrorenen Warnow beinahe ertrank. Ebenfalls mitfühlend geschildert wird die ehrliche Reue von Hein nach einer Dummheit, die zum Aufruhr um den verlorenen Koffer eines reichen russischen Kaufmannes führt.
Die Kapitel des Buches umfassen viele Geschichten, die gut als in sich geschlossene kleine Abenteuer lesbar sind. Der Leser begleitet Hein Hannemann durch die ersten Schuljahre, wobei er – wie eine männliche Pipi Langstrumpf – ständig Dummheiten im Kopf hat, was die Freundschaft zu seinen Kameraden ab und an auf die Probe stellt und zu Unfällen und spannend erzählten Gefahrensituationen führt.

Von langen jugendlichen Streifzügen wird berichtet, die heutige Generationen freiwillig nur mit dem Auto vollbringen würden. Abenteuer in allen Himmelsrichtungen sind mitzuerleben. Vom Norden beim Segeln auf dem zugefrorenen Eis der Ostsee, im Osten beim Herumirren im verschneiten Wald der Rostocker Heide, im Süden bei verdutzten, aber zu Aprilscherzen gut aufgelegten Bützowern, und im Westen beim langen Weg zum Herbstmarkt in Doberan, wobei die unterwegs erspähten Pflaumen auf keinen Fall so einsam am Baum hängen bleiben können.
Hein will, anders als seine Geschwister und Eltern es hoffen, nicht studieren, sondern Seemann werden. Das Gymnasium der Großen Stadtschule besucht er mit zunehmend gemischtem Erfolg, aber die Bücher wollen sich nicht zu seinen Freunden erklären. Der Junge will werden wie sein Warnemünder Großvater, der Lotsenkapitän. Hein hört liebend gern zu, wenn sich am Alten Strom die Seebären unterhalten, er träumt vom Nordmeer, Löwen und fernen Ländern; er will die Welt friedlich in ihrer Vielfalt kennenlernen. Somit muss nicht deutlicher beschrieben werden, warum dieses Buch zu jeder Zeit gut für Kinder ist.
Die Hauptthemen sind Abenteuer, Späße, Streiche, aber auch freundschaftlicher Zusammenhalt, soziales Gefüge der Straßen, das aufeinander Achten, anderen Menschen Gefallen tun und Verpflichtungen beim Helfen daheim. Mit jedem kommenden Jahr versichert Hein stärker als zuvor, im folgenden Jahr vernünftig zu werden. Bis zum vorletzten Schuljahr schafft es die Vernunft auch nicht, Hein einzuholen. Kein Erwachsener, kein Lehrer, kein Buch lässt ihn besser das Leben und den Ernst darin begreifen wie eine vom Vater genehmigte Schifffahrt nach Norwegen, wo er nur knapp dem Ertrinken entgeht. Ernst und Spaß haben also im Buch ein gutes Gleichgewicht bekommen, wodurch das Werk mehr ist als nur ein Kinderbuch.

Sozialkritische Ansätze erkennt man, und zwar ohne plumpen Oberlehrer-Zeigefinger! Eindeutige Aussagen gibt es bei Gesprächen mit Landstreichern und wandernden Handwerkern z. B. gegen Gewalt und Alkoholismus. In vielen Aussprüchen der älteren Generation liest man zudem von damals verinnerlichten christlichen Werten, die ebenfalls ohne Pathos oder missionarisches Drängen vorgetragen werden. Auch die in den letzten Jahren reichlich Beachtung findende Demographie wird thematisiert:
Was ist die Hauptstadt von Mecklenburg? – Hamburg !

Was gerade nicht als Scherz gemeint ist und Anfang der 1990er durch die katastrophalen demographischen Entwicklungen, der vor allem jungen und weiblichen Ausblutung unseres Bundeslandes, weiter voranschreitet, hat leider Tradition. Der scherzhafte Spruch ist mehr als 100 Jahre alt und findet sich auch im Roman „Hein Hannemann“, wo viele Figuren vom Glück träumen, in die Ferne zu können.

Für Hein geht der Wunsch in Erfüllung, Seemann zu werden. Ähnlich wie bei Friedrich Spielhagens berühmten Roman, steigert sich die Handlung und Naturbeschreibung zum Höhepunkt der historischen „Sturmflut“ vom November 1872.

Sophie Kloerß allerdings betont hierbei den Zusammenhalt der Menschen, selbstverständlich über die Grenzen hinweg.

Die Autorin

Sophie Kloerß, geb. Kessler (5. Jan. 1866 in Wandsbek – 31. 1. 1927 in Hamburg) ist heute fast vollkommen vergessen. Nur wenige Fakten lassen sich in verschiedenen Lexika zusammen tragen. Sie heiratete offenbar den Doberaner Lehrer Heinrich Kloerß, der um die Jahrhundertwende auch in Berlin und Schwerin tätig war. Man kann Sophie Kloerß vielleicht nachsagen, reichlich „weichen“ Stoff zu den so genannten Kränzchen-Literatur-Bänden der Backfisch-Ära im beginnenden 20. Jahrhundert beigetragen zu haben. Vielleicht hat sie sich auch in einigen Werken national zu sehr vor den damaligen Heimatliteratur-Karren spannen lassen. Im Jahre 1923 jedoch gelang ihr mit „Hein Hannemann“ ein großes, für Jung und Alt unterhaltsames, ernstzunehmendes Buch. Die Berichte über ausländische Hilfe und Gastfreundschaft im Buch sprechen Bände, und so war die Figur des allzu sehr auf Ausgleich und friedlichen Umgang bedachte, an der weiten Welt interessierte Hein Hannemann wohl nichts, was die nach 1923 kommenden dunklen Gestalten für sich vereinnahmen konnten.

Vielleicht ist es ein kleiner Treppenwitz der Literaturgeschichte für die melancholischen, ruhigen, an Selbstbewusstsein oft zu wenig beschenkten Mecklenburger, dass es einer Hamburgerin bedurfte, eine so schöne, wilde, nun wiederentdeckte Identifikationsfigur für Rostock zu schaffen.

Liebe Leser, bitte erzählen Sie uns gern Ihre Erlebnisse. Vielleicht können Sie sich an das alte Buch „Hein Hannemann“ in Ihrem Haushalt erinnern?

Vielleicht können Sie uns mehr zum Buch und der Autorin Sophie Kloerß berichten!

Bitte schreiben Sie dem Autor dieses Artikels unter
carsten.schmidt@lexikus.de
Cover der Neuauflage

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Steilküste bei Nienhagen

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Hein und Rüpel

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Auf der Warnemünder Mole

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Rettung in Sicht!

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