Die Hanse und England

Ein hansisch-englischer Seekrieg im 15. Jahrhundert
Autor: Stein, Walther (1864-1920), Erscheinungsjahr: 1905
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hanse, Hansa, Städtebund, Handelsbündnis, Kaufleute, Mittelalter, Ostsee, Nordsee, Handelsmonopol, Handelsherrschaft, Rostock, Lübeck, Hamburg, Stralsund, Wismar, Bremen, Köln, Magdeburg, Braunschweig, Seekrieg, Seemacht, Kaperer
                            Vorwort

Unser Verein versammelt sich alljährlich in unmittelbarem Anschluss an das Pfingstfest. Es ist ein Brauch, den er mit nicht wenigen anderen Gesellschaften und Vereinigungen teilt. Die Tage, in denen die Frühlingspracht ihren Höhepunkt erreicht, laden ein zu solchem Beginnen. Aber unser Verein hat noch einen tieferen Grund, diese Übung zu pflegen. Bei den hansischen Vorfahren war die Pfingstzeit beliebt, wenn es galt, Tagfahrten anzusetzen und abzuhalten. Es ist natürlich, dass wir uns ihnen angeschlossen haben. Indem wir rasch und bequem die See- oder Landstadt, die uns jeweilig ausnimmt, erreichen, haben mir immer noch Zeit und Antrieb genug, der alten Ratssendeboten zu gedenken, die erst nach tage- und wochenlangen mühe- und nicht selten gefahrvollen Fahrten am Tagungsorte zu gemeinsamer Arbeit zusammentreten konnten.

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Hat so das Pfingstfest wie für die Altvordern so für unseren hansischen Geschichtsverein eine besondere Bedeutung gewonnen, so liegt es nahe, an dieses Fest auch die Neuerung anzuknüpfen, die mit diesem Feste ins Leben tritt. Nicht wenige andere geschichtliche Vereine geben Neujahrsblätter heraus und haben dadurch das Band unter ihren Mitgliedern fester geknüpft und ihre Bestrebungen weiteren Kreisen nahe gebracht. Unser Verein beschreitet diesen Weg, indem er sich zum ersten Mole mit einem „Pfingstblatte“ an seine Mitglieder und an die Außenwelt wendet. In seinem Wesen soll das neue Unternehmen sich von den älteren ähnlicher Art nicht unterscheiden. Es soll wissenschaftlich ausgereifte, aber zugleich anziehende, einem weiteren Leserkreise zugängliche, im besten Sinne volkstümliche Darstellungen in regelmäßiger Folge in die Öffentlichkeit bringen. Der Vorstand hofft, dadurch der hansischen Geschichte neue Freunde zu gewinnen und Liebe und Eifer der alten neu zu beleben. Dass die Stellung unseres Volkes zur See in hohem Grade bedeutungsvoll ist für die Gestaltung seiner Geschicke, darüber kann ernstlich ein Zweifel nicht bestehen, ebenso wenig darüber, dass geschichtliche Erkenntnis geeignet ist, das Verständnis für diese Tatsache zu vertiefen und zu verallgemeinern. In der Geschichte der Beziehungen unseres Volkes zum Meere steht aber die Geschichte der Hanse breit im Vordergrund. Sie zur allgemein deutschen Seegeschichte zu erweitern kann allein das letzte, hohe Ziel unseres Vereines sein. Als einen der Wege, die zu diesem Ziele führen, wünscht der Vorstand die „Pfingstblätter“ betrachtet zu sehen. Möchte sein Wunsch in Erfüllung gehen und möchten diese Blätter sich in den Kreisen des Vereins und darüber hinaus bald Freunde gewinnen.

Pfingstblätter des Hansischen Geschichtsvereins. Blatt I.

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Unter dem Eindruck des neuen lebhaften Aufschwunges des deutschen Handels hat das Interesse der Gelehrten wie der Gebildeten überhaupt sich wieder der Geschichte des älteren deutschen Handels zugewandt. Es konnte nicht verborgen bleiben, dass die lange Periode der deutschen Geschichte vom 16. bis gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts auf dem Gebiete des Handelslebens eine Zeit des Niederganges, des Tiefstandes und langsamer, mühevoller Wiederausrichtung bedeutete. Was vorherging, was in den letzten Jahrhunderten des Mittelalters und noch im Zeitalter der Reformation von den Deutschen geleistet wurde im internationalen Handelsverkehr, erscheint um so bedeutender, als im Deutschen Reiche schon damals eine starke Zentralgewalt nicht mehr vorhanden war und darum auch der deutsche Handel damals bereits auf die Vorteile verzichten musste, welche der Rückhalt an einer kräftigen, zentralisierten und auf das Gemeinwohl bedachten Staatsgewalt dem auf den ausländischen Handel gerichteten Unternehmertum gewähren kann.

Aber man war weit davon entfernt, sich durch das Fehlen einer starken Reichsregierung, welche die Interessen der Deutschen im Auslande zu schützen vermocht hätte, entmutigen zu lassen. Man suchte Ersatz zu schaffen für das, was das Reich infolge der Erlahmung der Königsgewalt nicht bot, und fand diesen Ersatz auf dem Wege der Organisation. Derjenige Stand, dessen Aufgabe die Pflege des Handels mit dem Auslande geworden war: die Städte, organisierte sich. Das geschah an der Stelle, wo die Handelsbeziehungen zum Auslande besonders mannigfaltig und regelmäßig waren, wo Seeschifffahrt und überseeischer Handel einander treiben und fordern konnten, wo endlich natürliche und historische Bedingungen die Bildung einer Assoziation in größerem Umfange ermöglichten. In Norddeutschland, im Gebiete der großen Ströme der niederdeutschen Tiefebene, schlossen die deutschen Städte von Köln, Roermond und Nimwegen bis nach Reval und bis zur russischen Grenze sich zusammen zur Deutschen Hanse.

Der Zweck dieser Vereinigung war nach seiner wirtschaftlichen Seite die Pflege des Handels mit dem Auslande, nach seiner politischen die Vertretung der Handelsinteressen durch die Gesamtheit der zu ihr gehörigen Städte. Diese Vereinigung der Städte übernahm also die Pflichten, deren Erfüllung in anderen Ländern der obersten Staatsgewalt und dem Königtum oblag. Sie übernahm sie tatsächlich, in tatsächlicher Selbständigkeit neben dem Königtum, und übte sie auch rechtlich als eine autonome und unabhängige Macht. In ihren Handelsverträgen mit fremden Staaten, durch welche die Handelsbeziehungen zwischen hansischen und fremdländischen Untertanen geregelt wurden, erschienen das Deutsche Reich und der deutsche König weder als Vertragschließende noch als Garanten noch in irgendeiner Art von rechtlicher Beziehung zu der Gültigkeit oder Ungültigkeit des jeweiligen Vertragsinhalts.

Die Vorteile dieser Assoziation hat auch im Mittelalter schwerlich jemand ernstlich in Zweifel gezogen. Die deutschen Städte empfanden, was begreiflich war, bei manchen Gelegenheiten den Zwang der Organisation als drückend und lästig, vorübergehend auch als schädlich für eine einzelne Stadt. Im allgemeinen überwog aber die Meinung, dass die ganze Organisation ein kluges Werk der Väter sei, und dass man sie bewahren müsse, weil man sie nicht entbehren könne. Nicht wenige Städte, die früher abseits geblieben, sind der Hanse beigetreten wegen der Offenkundigen Vorteile, die sie ihren Mitgliedern gewährte.

Noch einleuchtender erschien der Nutzen dieser Assoziation den Ausländern. Denn diese verspürten die Wirkung der hansischen Vereinigung in dem ganzen weiten Bereiche des Arbeitsfeldes der hansischen Kaufleute und Schiffer, an allen von dem großen Verkehr berührten Küsten des nördlichen und westlichen Europas. Wo der Ausländer, vor allem in der Ostsee und der Nordsee, zusammentraf mit den Hansen, fand er in ihnen nicht allein Angehörige einer einzelnen Stadt, sondern der großen hansischen Gemeinschaft, welche auch für den einzelnen eintrat. In allen für den Handelsverkehr wichtigen Ländern Nordeuropas besaß die Hanse ihre Niederlassungen, falls sie nicht, wie in Schweden wegen der sehr starken Beimischung deutscher Elemente in der Bevölkerung der Seestädte, vornehmlich in der der schwedischen Hauptstadt, den Fernhandel bis gegen das Ende des Mittelalters fast ohne auswärtige Konkurrenz vermittelte. Diese Niederlassungen boten Stütz- und Mittelpunkte für den Handel und die Fahrten der hansischen Kaufleute und Schiffer, und weil diese Niederlassungen nicht nur den Handel zwischen ihnen selbst und den deutschen Heimatstädten vermittelten, sondern auch untereinander in steter Verkehrsverbindung standen, traf der ausländische Kaufmann und Schiffer in dem weiten Handelsgebiet der Hanse sozusagen auf Schritt und Tritt auf einen Widerstand, wie ihn ein festes Handelssystem jedem, der außerhalb desselben steht, entgegenzusetzen pflegt. So begreift sich die Eifersucht und die Erbitterung der fremdländischen Kaufmannschaften, die oft genug gegenüber den Hansen zutage traten.

Auf der anderen Seite erweckten die Vorteile dieses hansischen Handelssystems mit seiner ausschließenden Tendenz bei den Ausländern auch den Wunsch, wenigstens an ihm teilzunehmen, solange sie es nicht zersprengen konnten. Es klingt befremdend, wenn zum Jahre 1379 berichtet wird, dass die englischen Kaufleute bei Verhandlungen in London die Gesandten der Hanse überraschten mit dem Antrage, die Engländer in den Bund und die Freiheit der Hanse aufzunehmen. So wenig der Gedanke dem Wesen der Hanse entsprach, so aussichtslos die Erfüllung dieses Wunsches war, er erklärte sich eben aus dem Bestreben, der für den Draußenstehenden empfindlichen Unbequemlichkeit des Druckes einer organisierten Gemeinschaft sich zu entledigen durch den Eintritt in dieselbe. Einer ähnlichen Erwägung entsprang eine spätere Äußerung der holländischen Städte. Auch diese haben niemals der deutschen Hanse angehört. Sie standen seit dem zweiten Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts in einem sich rasch verschärfenden Gegensatz zu den Hansestädten. Mit Neid blickten sie auf die Vorteile, welche die Privilegien der Hanse im Auslande deren Kaufleuten gewährten. Im Jahre 1476 wurde daher in Leiden, der auf dem Gebiete der Tuchindustrie damals führenden Stadt in Holland und Seeland, der Wunsch ausgesprochen, man möge beim Könige von England dieselben Freiheiten zu erwirken suchen, welche die Hansen in England besaßen.

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Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Greifswald Stadtansicht

Greifswald Stadtansicht

Bremen Marktplatz

Bremen Marktplatz

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Bremen - Freihafen

Bremen - Freihafen

Elbing Stadtansicht

Elbing Stadtansicht

Braunschweig Stadtansicht

Braunschweig Stadtansicht

Berlin und Kölln

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Kaiser Otto I. und Gemahlin

Kaiser Otto I. und Gemahlin

Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Wismar, Stadtansicht

Danzig - Frauengasse

Danzig - Frauengasse