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Bevorzugte Stellung der Hansen im Handelsleben Englands

Nicht allein in dem britischen Inselreich konnte die vorteilhafte und bevorzugte Stellung der Hansen im Handelsleben auffallen. Auch in dem norwegischen Stapelplatz Bergen oder in Stockholm oder in Nowgorod war es im 15. Jahrhundert für die westeuropäischen Händler und Schiffer schwer oder gar unmöglich, gegen die Hansen aufzukommen. Allerdings erschien gerade in England die Rechtslage für die Hansen außerordentlich günstig. Einheimische und Fremde mochten die Hansen um die Privilegien beneiden, welche die englischen Könige ihnen verliehen hatten. Die Bevorzugung der Hansen kam hauptsächlich bei den Zöllen zum Ausdruck. Bei den gewöhnlichen Hafenzöllen, der Kustume, bezahlten die Hansen 3 Pfennige vom Pfund Sterling, wo die anderen Fremden und sogar die Engländer selbst 5 Pfennige entrichten mussten. Diese Begünstigung in Verbindung mit der Freiheit zum Verkehr im Innern des Landes und mit den einheimischen Gewerbetreibenden lässt den Wert und die Bedeutung begreifen, welche die Hanse ihren Verkehrsbeziehungen zu England beimaß.

Nicht weniger verständlich war es, dass die Gewährung so ansehnlicher Rechte an die Hanse auch dem englischen Handel einen Anspruch zu gewähren schien auf Berücksichtigung seiner Interessen im Gebiete der Hanse. Die Engländer bemühten sich, in den Ostseeländern festen Fuß zu fassen. Ihre Absichten waren vornehmlich gerichtet auf das Ordensland Preußen und die Stadt Danzig, die seit den ersten Jahrzehnten des 15. Jahrhunderts die anderen preußischen Handelsstädte zu überflügeln begann. Hier fanden die Engländer einen unmittelbaren Anschluss an den mächtigen Verkehr, der aus dem weiten polnischen Hinterlande die Weichsel abwärts zur Küste hinabströmte. Unter allen Seestädten der Ostsee wurde Danzig bald der größte Ausfuhrhafen für Getreide und Holz. Die Nordseeländer, die Niederlande und England, waren besonders in Teuerungszeiten auf die Danziger Getreidezufuhr angewiesen. In Hungerjahren wie 1438 ließ der Mayor von London Getreide aus Danzig kommen. Wenn in Danzig die Getreideausfuhr verboten wird, heißt es ein Menschenalter später, erschallt das Geschrei davon mit der abfließenden Flut in Seeland. Von Danzig kam das meiste und beste Schiffsbaumaterial für die Nordseeländer, vielleicht mehr als die Tannenbestände des Oberrheins den Rhein hinab, die böhmischen Wälder die Elbe abwärts und das südliche Norwegen zusammengenommen liefern konnten. Für England war Preußen die wichtigste Bezugsquelle für Bogenholz, die berühmte und gefürchtete Waffe der englischen Schützen. Neben Asche, Teer und Pech standen in Danzig auch die wertvolleren Produkte der unermesslichen polnisch-russischen Ebene, Wachs und Pelzwerk, in großer Fülle zur Ausfuhr bereit.


Die Engländer unternahmen den Versuch, sich in Preußen und Danzig festzusetzen. Bei der Ordensregierung fanden sie manche Förderung, mehr als bei den preußischen Städten selbst. Die Hochmeister des deutschen Ordens hielten auch im 15. Jahrhundert fest an den alten Beziehungen zu den Regentenhäusern des Westens, teils aus politischen Gründen, teils wegen der Besitzungen des Ordens in den Ländern jener Fürsten. Die englischen Kaufleute in Preußen erhielten Korporationsrechte, an ihrer Spitze stand ein Alderman, sie erwarben ein eigenes Haus in Danzig für die Zwecke ihrer landsmannschaftlichen Geselligkeit, Rechtspflege und Handelsinteressen.

Gleichwohl fehlte viel zur Sicherheit dieser mühsam errungenen Stellung. Die Voraussetzungen der Dauer ihres Bestandes waren ein freiwilliges oder auch unfreiwilliges Einverständnis der Hanse mit dieser Festlegung der Engländer an der Ostseeküste, und sodann eine gewisse Stetigkeit der englischen Politik, die einsichtig und geduldig die handelspolitischen Schwierigkeiten im Osten zu überwinden gestrebt hätte. Für den englischen Handel in der Ostsee wurde es verhängnisvoll, dass diese beiden Voraussetzungen nicht zu trafen.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Hanse und England