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Eure Hoheit, darf ich gehorsamst bitten: links!

,,Eure Hoheit, darf ich gehorsamst bitten: links!“

„Unsinn doch! Rechts! Ich kenne das Terrain!“


„Verzeihung, Hoheit, aber wir schneiden hier eine große Strecke ab.“

„Nun denn, also links! Auf Ihre Verantwortung, Herr von Glimmer!“

Sie flogen nebeneinander dahin. Nur ganz vereinzelt schimmerte noch der rote Frack eines anderen Reiters durch die Bäume. Ganz fern tönte das Geläut der Meute und rechtfertigte die Behauptung Anna Luises, daß sich die Jagd nach der andern Seite hinzöge.

„Achtung, Hoheit, ein Graben!“

Sie lachte nur auf, während sie das vom Wind zerzauste Haar zurückwarf. Dann, in dem Augenblick, wo das Pferd den Sprung machte, stieß sie einen leisen, hellen Laut aus - es klang wie ein Jauchzen der Lust. Glimmer durchschauerte es eigentümlich. Es lag so eine warme, ungebrochene Lebensfreudigkeit in diesem beinahe kindlichen Laut. Wie wunderhübsch sie aussah mit ihrem verwirrten Haar und den vom schnellen Ritt geröteten Wangen!

Längst waren die Kiefern des Waldes zu Ende. Ödes, braunes Heideland dehnte sich in unabsehbarer Weite aus. Sie flogen dahin wie der Wind des frischen Herbsttages, der ihnen die heißen Wangen kühlte.

Plötzlich stutzte die Erbprinzessin und parierte ihr Pferd. Weit hinter ihnen aus der Tiefe des Waldes schmetterten die Klange des Halali. Sie verharrte einige Augenblicke in lauschender Stellung. Es sah hübsch und anmutig aus. Dann wandte sie sich kurz und herausfordernd zu ihm um. „Donnerwetter“ sagte sie leise.

„Ich bitte untertänigst um Verzeihung, Hoheit, daß ich mich geirrt habe,“ entgegnete er verwirrt.

„Schadet nichts,“ erwiderte sie lachend, „irren ist menschlich. Und nun können wir ja wohl Kehrt machen.“

Sie wollte ihr Pferd wenden, da traf sie ein Blick aus den verschleierten Augen des blonden Riesen, leidenschaftlich, flehend, beschwörend. Sie waren ganz allein. - Also darum hatte er den Weg nicht kennen wollen - darum!

Die Heide war märchenhaft still. Altweibersommer flatterte durch die Lust, zu ihren Füßen standen dunkle Büschel verblühten Heidekrauts. Die braune Ferne versank in veilchenblauem Dunst. Die beiden Farben standen schön zu einander. Fern, ganz fern schlug die Uhr einer Dorfkirche.

„Hoheit -“ Sie fühlte, daß ein heißes Wort auf seinen Lippen schwebte, und sie hatte ihre Geistesgegenwart wiedergewonnen. Ihr Blick der einen Moment starr in dem seinen geruht, löste sich kühl und schweifte prüfend über das Gelände.

,,Ich glaube, wir müssen jene Waldecke nehmen. Sie werden auf Holmsweder Heide sein,“ sagte sie völlig gelassen.

Wieder flogen sie dnrch die Heide dahin. Er trieb sein Pferd zu wahnsinniger Eile an, es war ihm ein Bedürfnis, so dahin zu rasen und die ungeheure Erregung, in die ihn die Enttäuschung versetzt hatte, austoben zu lassen. Sie schwiegen. Aus Anna Luises hübschem, übermütigen Gesicht lag eine Wolke. Was hatte sie nur getan, was diesem Glimmer ein Recht zu solcher Handlungsweise gab? Sie hatte ihn etwas verwöhnt, nun ja. Er war ihr interessant gewesen und hatte ihr die Cour gemacht. Was war denn dabei? Gab ihm das ein Recht? Sie schlug mit der Reitgerte gegen einen Strauch, so daß die Blätter herabstoben. Doch da waren sie ja schon am Ziel. Die übrige Gesellschaft, bereits im Aufbruch begriffen, kam ihnen entgegen. Da wandte sich Anna Luise plötzlich schnell zu ihrem Begleiter, und ihr Pferd dicht an das seine drängend, sagte sie leise. „Herr von Glimmer, wenn Sie sich noch ein einziges Mal in dem Weg irren, reite ich nie wieder mit Ihnen, merken Sie sich das!“

Man hatte die Erbprinzessin vermißt nnd bestürmte sie mit Fragen. Nur der Erbprinz schwieg beharrlich. Anna Luise gab lachend Antwort, während Glimmer finster beiseite stand. Was war es nur um das Rätsel dieser Frau? War sie nichts weiter, als die kühle Kokette, die sich den Hof machen, aber nicht lieben lassen mag oder war sie doch das andere Genre - das ganz andere - er hätte das nie hinter ihr gesucht.


Dieses Kapitel ist Teil des Buches Prinzessin Christelchen