Hamburgs Stellung in der Hanse.

Aus: Hansische Geschichtsblätter. Herausgegeben vom Verein für Hansische Geschichte.
Autor: Koppmann, Georg Friedrich Karl (1839 Hamburg-1905 Rostock) Historiker, Archivar, galt als Autorität auf dem Gebiet der Hanse, Erscheinungsjahr: 1875

Exemplar in der Bibliothek ansehen/leihen
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Hanse, Hansa, Norddeutschland, Städtebund, Handelsmacht, Ostsee, Nordsee, niederdeutsche Kaufleute und Städte, 12. Jahrhundert, 13. Jahrhundert, Kauffahrer, 14. Jahrhundert, Waldemar III. König von Dänemark, Handelsgesellschaft, Norddeutschland, Niederlande, England, Frankreich, Schweden, Skandinavien, Schonen, Livland, Niederdeutschland, Seestädte, Landstädte, Hansegrafen, Oldermannen, Hansekoggen, Hansewappen, Bremen, Rostock, Greifswald, Stralsund, Wismar, Braunschweig, Goslar, Elbing, Berlin, Kölln, Kaiser Otto I., Lüneburg, Magdeburg, Stettin, Danzig, Königsberg, Anklam, Demmin,
Zu den vielen Vorteilen, welche die jährlichen Wanderversammlungen unseres Vereins mit sich bringen, gehört auch derjenige, dass man in der Stadt, die zum Empfange ihrer Gäste sich rüstet, ernster als sonst wohl darüber nachdenkt, welche Beziehungen die Vaterstadt mit dem hansischen Städteverein verknüpft haben*). Zu einem Bloßlegen aller einzelnen Fäden, die sich zur Hanse zusammenschlingen und in ihr durcheinander ziehen, ist der Erforscher der allgemeinen hansischen Geschichte nicht befähigt; erst durch das Zusammenwirken der Geschichtsforscher in den einzelnen Hansestädten, wie dereinst die Städte selbst zusammengewirkt haben, kann nach und nach, mag immerhin eine gewisse Befangenheit oder Voreingenommenheit der Spezialforscher mehr oder weniger beherrschen, wie ja auch das Sonderinteresse des Bundes gegenüber gestanden hat, das volle Verständnis erschlossen werden für die großartigste Schöpfung des deutschen Bürgertums.

*) Vorstudien zu dieser Arbeit, die Pfingsten 1875 dem Verein vorgetragen wurde, sind: Die ältesten Handelswege Hamburgs, Zeitschrift für hamburgische Geschichte 6, S. 406-427; Das hamburgische Schuldbuch von 1288, das. 6, S. 482-516.

                                    ********************

Hamburg ist zusammengewachsen aus zwei verschiedenen Gemeinden, einer erzbischöflichen Altstadt, deren Gründung in die Zeiten Karls des großen zurückreicht, und einer gräflichen Neustadt, die in den letzten Jahren Friedrichs des Rothbarts von Adolf III., dem Schauenburger, angelegt wurde.

Von dem Handel der Altstadt wissen wir wenig Sicheres. Aber von vornherein werden wir eine gewisse Bedeutung einem Orte zuschreiben müssen, dem von Kaiser Ludwig dem Frommen die großartige Aufgabe gestellt worden war, auf friedlichem Wege, ohne den Eindruck fränkischer Waffengewalt, die Völker des Nordens und Nordostens für das Christentum zu gewinnen*), einem Orte, der in Folge dieser seiner Aufgabe zu wiederholten Male von der Wut heidnischer Normannen und Slaven in Trümmer gelegt wurde und der in sich die Kraft hatte, nach jeder Zerstörung neu zu erstehen. Und die Voraussetzung wir uns zur Gewissheit. Wenn wir uns vergegenwärtigen, dass es Hamburg war, wo der prachtliebende Erzbischof Adalbert den Sommer über sich aufhielt und die hohen Feste in dem ganzen Glanze seiner Hofhaltung feierte, wo er die besuche der Sachsenherzoge und die Gesandtschaften der nordischen Könige und der slawischen Fürsten empfangen pflegte**), wenn wir uns vergegenwärtigen, dass nach dem Willen Kaiser Ottos des Großen Papst Benedikt das Brot der Verbannung in Hamburg essen musste***), dass bei ihrem Verlangen Marktrecht und Münzrecht in Bremen zu besitzen seitens der Erzbischöfe darauf gefußt wurde, dass sie diese Rechte in Hamburg ausgeübt hatten, dass endlich schon in den Tagen Anskars Kaufleute von Schleswig in der Handelsstadt Wijk te Duerstede und in Hamburg sich hatte taufen lassen, wie auch umgekehrt Schleswig von Kaufleuten aus der Rheinstadt und aus Hamburg besucht worden war.

*) Vgl. Koppmann, Die ältesten Urkunden der Erzbistums Hamburg-Bremen, das. 5. S. 483 fff.
**) Adam v. Bremen III, 26, 67.
***) Thietmar II, 18, 22; IV, 40; vgl. Koppmann, Die mittelalterlichen Geschichtsquellen in Bezug auf Hamburg S. 14.


Planmäßig als Handelsstadt aber ist die Neustadt Hamburg gegründet worden: ein ausreichender Hafen, so heißt es in der Gründungsurkunde des Grafen Adolf, soll für die von allen Seiten dorthin kommenden Leute eingerichtet werden, und Kaiser Friedrich gewährte den Bürgern Hamburgs Zollfreiheit von ihrer Stadt bis an das Meer und trifft gleichzeitig Verfügungen darüber, wie es in Bezug auf den Zoll mit dem Gute der Gäste gehalten werde solle, das auf Hamburgischen Schiffen an der Stade vorübergebracht wird.

Ob dieses Privilegium des Kaisers für ganz Hamburg oder nur für die gräfliche Neustadt gegolten habe, ist freilich strittig. Altstadt und Neustadt standen eine Zeit lang in einem gewissen Gegensatz zu einander und verschmolzen erst nach Jahrzehnten, nachdem inzwischen der Graf durch Beseitigung der konkurrierenden Rechte des Erzbischofs auch in der Altstadt Alleinherr geworden war, zu einer einheitlichen Stadtgemeinde.

.

.

.

Koppmann, Karl (1839 Hamburg-1905 Rostock) Historiker, Archivar, galt als Autorität auf dem Gebiet der Hanse

Koppmann, Karl (1839 Hamburg-1905 Rostock) Historiker, Archivar, galt als Autorität auf dem Gebiet der Hanse

Hansewappen

Hansewappen

Hanse Kogge

Hanse Kogge

Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Kaiser Otto I. und Gemahlin

Kaiser Otto I. und Gemahlin

Rostock Stadtansicht

Rostock Stadtansicht

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Blick auf die Unterelbe

Hamburg, Flet in der Altstadt

Hamburg, Flet in der Altstadt

Bremen - Einfamilienhäuser in der Olbersstraße

Bremen - Einfamilienhäuser in der Olbersstraße

Bremen - Freihafen

Bremen - Freihafen

Hamburg - Leitergasse

Hamburg - Leitergasse