Opfer

Diese Unter-Gottheiten kamen jedoch nur in geringe Betrachtung, da man die ganze Verehrung auf die drei Götter, Odin, Thor und Frygga beschränkte. Bei dem großen Haufen dieser rohen Nation war es ein plumper Götzendienst; nur sehr wenige sahen ein, dass es eigentlich personifizierte Eigenschaften des höchsten Wesens waren: Macht, Güte und Weisheit. —

Nach und nach wurde die Zahl ihrer Götter vermehrt, und im zweiten Jahrhundert nach der christlichen Zeitrechnung von dem Scytischen Odin gleichsam ein neuer Götzendienst gegründet. Er geschah ursprünglich in Hainen, oder auf Höhen und Bergen, wo man Altäre, oder Steingerüste von Osten gegen Westen errichtete. Hier opferte man anfangs den Göttern bloß die Erstlinge des Getreides, der Früchte, und auch des Viehs; Opfertiere, die, obgleich dem Gottesdienst gewidmet, doch nicht geschlachtet wurden.
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So blieb es eine Zeit lang. In der Folge aber geschah kein Opfer ohne Blutvergießen; erst schränkte man sich auf gewisse Tiere und Vögel ein; man opferte Ochsen, Pferde, Hunde, Eber, Habichte, Hähne etc., bis endlich die Reihe auch an die Menschen kam. Kriegsgefangene, Sklaven, oder leibeigene Knechte, auch Kinder unter neun Jahren, wurden den Götzen zu Ehren geschlachtet, bis das eingeführte Christentum dieser Abscheulichkeit Einhalt tat.

Die Leichname der Opfer wurden verbrannt, oder in den heiligen Hainen aufgehangen, Menschen und Tiere durcheinander; nachher wurden sie herunter genommen und auf einem Altar oder Scheiterhaufen den Flammen übergeben. Mit dem Opferblut wurde das umherstehende Volk besprengt, und die Altare, Wände, Sitze, überhaupt alles in- und außerhalb dem Opferhaus damit bestrichen. Den Beschluss des Festes machte immer ein Opferschmaus, von Gesängen und unkeuschen Spielen begleitet.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1