Religion-System

Der Gegenstand ihrer Religion waren drei Gottheiten: Har, Iafn-Har und Tridi, das ist: der Große, der eben so Große, und der dritte Große; eine wirkliche Dreieinigkeit; auch war bei ihnen die dritte Zahl heilig, nach der Lehre der ältesten Weisen des Orients. Sie hatten bei ihrer Dreieinigkeit auch einen Mittelgott, so wie die Ägypter ihren Orus oder Thor, die Perser ihren Mythras, die Syrer ihren Adonis hatten, und noch jetzt die Inder ihren Brama, die Chinesen ihren Konfuzius und die Muselmänner ihren Mahomed haben. Die Schweden nannten den ihrigen auch so wie die Ägypter Thor. Man fabelte von ihm, dass er in Menschengestalt auf Erden herumgewandelt sei, und Wunder getan habe; dabei wurde dieser Mittelgott bei den Schweden, so wie bei allen vorgedachten Völkern, als ein Vermittler betrachtet; sie glaubten, dass er wieder in die Welt kommen würde, das Böse zu vernichten, und das Gute wieder herzustellen. Die Edda sprach auch von der Entstehung der Welt, vom Chaos, von der Schöpfung des Menschen, und von den Himmel stürmenden Riesen.

Der höchste Gott wurde nachher von ihnen auch Odin genannt. Dies war der Kriegsgott der Scandier, da der Krieg ihre größte Wonne war, und endlich ihr Alles wurde. Sie glaubten eine Unsterblichkeit der Seele; einen Wohnort der Verdammten, wo die gottlosen Menschen, unten in der neunten Welt, entfernt von der Sonne, im Mittelpunkt der äußersten Kälte und der größten Finsternis, umgeben von Schlangen und tobenden Wellen, von dem bösen Geiste gequält werden würden; hingegen die Tapferen würden nach ihrem Tode in Wal-Halla zusammen kommen, in einer kolossalischen Helden-Wohnung, die fünfhundert und vierzig Tore hatte, jedes so groß, dass achthundert Helden auf einmal hindurch gehen könnten; ein Wonne-Ort, wo ihre Belustigungen sein würden, zu reiten, freundschaftlich zu kämpfen, und zu zechen.
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Der Untergang der Welt sollte, nach der Edda, durch Feuer oder Wasser geschehen. „Die Natur und die Elemente“, — heißt es dort, — „würden sodann gegen einander kämpfen; die Sonne würde verfinstert werden; die Sterne verschwinden; die Erde ins Meer sinken; das Feuer alles verzehren, und endlich der Himmel zusammenstürzen.“

Augenscheinlich war sehr vieles von ihrem Religions-Wesen aus der Mythologie der Griechen und andrer Völker des Morgenlandes entlehnt; wobei jedoch das durch griechische Phantasie Veredelte, bei einem barbarischen Volke entstellt wurde.

Die dritte Gottheit der alten Schweden war Frygga, das Sinnbild der Weisheit; sie wurde für Odins, des Obergottes, Gemahlin gehalten, und hatte eine große Ähnlichkeit mit der zu Karthago angebeteten Urania, so wie mit der Tyrischen Göttin Astarte, und der großen Diana der Epheser; wie dann auch eine der ältesten Opferstätten der Göttin Frygga in Schweden, Dianens Tempel genannt wurde. Die Scytischen Völker, die das jetzige Russland bewohnten, hatten dieser Himmels-Königin auch an der Dwina einen Tempel errichtet, und nannten sie Salotta-Babba, oder das goldene Weib.

Frygga hatte als Königin des Himmels viele Unter-Göttinnen zu ihrem Gebot; als Freya die Göttin der Beständigkeit; Wöra die Göttin des Scharfsinns; Snotra, die Göttin der Reinlichkeit; Saga, die Göttin der Geschichte, und andre. Gnae war die Botschafterin der Frygga, oder die Iris dieser Obergöttin, die auch dreien Grazien, drei schönen Mädchen, Urd, Werdandi und Skuld, ihre himmlischen Befehle erteilte. Sie waren Dienerinnen des Schicksals, und hießen Nornen, so wie das Schicksal im Schwedischen Nornaskap genannt wurde. Diese drei Wesen waren den Parzen der Griechen nicht unähnlich; hier aber stellten sie das Vergangene, Gegenwärtige und Zukünftige vor. Die Erde wurde als Göttin Hertha verehrt. Auch gehörte ein Götterbote zu der Mythologie der alten Schweden, den sie Heimdal nannten, und der so scharfsichtig war, dass er im Finstern so wie bei Tage sehen konnte. Es war eine Zusammenschmelzung des Griechischen Mercurs und des Argus; auch war sein Hauptgeschäft der Wächter des Himmels zu sein. — Die alten Scandier hatten auch ihren Apoll; Brage war bei ihnen der Gott der Beredsamkeit und Dichtkunst.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1