Odin

Ein einziger Mensch, Odin, ein scythischer Flüchtling, der im zweiten Jahrhundert unsrer Zeitrechnung sein Vaterland verließ, dem Römischen Joche entfloh, und hernach Schweden beherrschte, bestimmte das Schicksal dieser Nation und veränderte alles. Odin amte Moses nach; er verband die Religion aufs genauste mit den Gesetzen und den Sitten, und tat das, was einige Jahrhunderte nachher Mahomed, mit weniger Tugenden als seine beiden Vorgänger, aber mit gleichem Glück ausführte. Alle drei, obgleich höchst verschieden an Charakter, Kenntnissen, Denkungsart, Vorurteilen und Sitten, hatten doch einerlei Zweck: sie handelten zu Befriedigung ihrer Privat-Leidenschaften, wurden aber dennoch in mancher Rücksicht, bei allen ihren zum Teil monstruösen Lehrsätzen, Wohltäter von Millionen Menschen, und erhielten auch alle drei nach ihrem Tode göttliche Ehre — Eben dieser Odin wurde auch der Wodan der alten Germanen, der Allvater; ihre oberste Gottheit, womit sie die höchsten Begriffe verbanden.

Schweden war jedoch den Scythen schon lange vor Odin bekannt. Von denjenigen Stämmen dieser Nation, die in den ältesten Zeiten einen großen Teil des heutigen Russlands bewohnten, hatte schon vierhundert Jahr vor der christlichen Zeitrechnung eine Völkerschaft, die Wodiner, die vor den Macedonischen Waffen flohen, die Schwedischen Inseln besucht, und sie in Besitz genommen. Von diesen Wodinern, die selbst noch Barbaren waren, lernten dennoch die in jener Zeit von den Wilden wenig verschiedenen Schweden, oder Scandier, Manches; indessen hatten die Eingeborenen in der Kultur doch nur sehr geringe Fortschritte gemacht, als Odin hier ankam.
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Seine Scythen waren damals ungleich gebildeter, als die Schweden, bei denen der zum Herrschen geborene Odin jetzt alles umänderte, oder vielmehr den rohen Massen der bürgerlichen und religiösen Verfassung Formen gab. Vor ihm waren die Schweden in der Ausbildung nicht viel weiter gekommen, als die heutigen Bewohner der Sandwich-Inseln. Durch ihn geleitet, strebte man vorwärts. Es wurden Tempel gebaut, Opfer festgesetzt, überdachte Gesetze gegeben, Tribunale angeordnet, und Volksversammlungen geregelt. Seine Rache gegen die Römer bestimmte ihn vorzüglich, sein Volk, noch mehr als es schon war, zu Kriegern zu bilden. Gottesdienst, Ruhmsucht, Ehrgeiz, Gier nach Beute, Rache, Furcht, Hoffnung, die mächtigsten Leidenschaften wurden hier alle zu einem Zweck vereinigt. Die großen Wirkungen eines solchen Plans konnten nicht fehlen.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Geschichte Gustavs Wasa Königs von Schweden. Band 1