Die Mecklenburgischen Freiwilligen-Jäger-Regimenter

Denkwürdigkeiten aus den Jahren 1813 und 1814
Autor: Boddien, Hugo von (1832-?) mecklenburg-schwerinscher Dragoner-Offizier, Erscheinungsjahr: 1863
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Befreiungskrieg, Freiwillige Jäger, Franzosenzeit, Befreiungskampf, Großherzog Friedrich Franz
Vorwort

Es bedarf wohl keiner weitschweifigen Motivierung, wenn man zum 50jährigen Jubelfeste der Vaterländischen Krieger einen Blick auf die Geschichte zweier Regimenter wirft, welche während ihres kurzen Bestehens dem Mecklenburgischen Namen in jeder Weise Ehre machten. —
Seine Königliche Hoheit der Großherzog hatten die Gnade, dem Verfasser dieser Zeilen die Archive zu öffnen; zugleich war es noch möglich, die aktenmäßige Darstellung durch die Angaben von Augenzeugen zu beleben. Immerhin bleibt das Gegebene nur lückenhaft, denn vor einem halben Jahrhundert schrieb man während der Campagnen nicht so viel Berichte und Tagebücher, wie in einer späteren Zeit, andrerseits hat menschliche Gedächtnis seine Grenzen, und Vieles erscheint dem Greise in Nebel gehüllt, was der Jüngling einst vollbracht.

Im Jahre 1838 war es noch dem Grafen Osten-Sacken vergönnt, die Leitung einer Erinnerungsfeier in Güstrow zu übernehmen, an welcher sich eine große Anzahl ehemaliger Jäger beteiligen konnte; die Fahnen und die Standarte der Regimenter wurden an geweihter Stätte niedergelegt, Gedächtnisreden erinnerten an das gemeinsam Erlebte, und ein heiteres Mahl vereinigte die Kameraden, welche im Felde oft das letzte Stückchen Brot mit einander geteilt. Auf dem Schlossplatze zu Güstrow, wo einst der Alarmplatz der Jäger gewesen, ward wiederum Appell gehalten, und als das Fest beendigt war und der Abschied kam, bliesen die Hörner zum Schwärmen. Mancher sollte nicht wiederkehren, wenn nach aber 25 Jahren die alten Klänge zum Sammeln tönten, auch der Graf v. d. Osten-Sacken nicht. Aber eine große Schar hat dennoch die Stunde erlebt, wo das Signal zur alten Fahne ruft; sie wird am Ehrentage den Fürsten in ihrer Mitte sehen, in dessen Namen des Ahnherrn Name wiederklingt.
Sieben Jahre waren verflossen seit der Dreikaiser-Schlacht, und die Sonne von Austerlitz leuchtete dem großen Imperator nicht mehr, als er in den ersten Tagen des Dezember 1812 in einem Schlitten die Trümmer seines größten Heeres verließ; aber durch das Bewusstsein der Völker Europas ging es wie eine Ahnung, dass die Mission des Kaisers Napoleon bald erfüllt sein werde. — In wilder Auflösung bewegten sich die Überreste der Französischen Armee dem Untergange der Sonne zu; am 21. Dezember überschritten die ersten Russischen Truppen unter Tettenborn die Preussische Grenze und besetzten Tilsit, am 30. Dezember schloss der General York die Konvention von Tauroggen, und am 5. Januar 1813 hielt der Russische General Graf Wittgenstein seinen Einzug in Königsberg. — Den Tatsachen vorauf liefen die Gerüchte und erregten die Geister zum Kampfe gegen des Fremdherrn Joch; die Stellung der Französischen Befehlshaber in Mitte einer feindseligen Bevölkerung wurde immer schwieriger, vergebens suchten sie die Zuversieht zu heucheln, welche ihnen innerlich fehlte. Schwärme von Kosaken unter verwegenen Führern beunruhigten die fliehenden Franzosen; schon am 20. Februar sprengten Tschernitscheffs Kosaken in die Straßen der vom Feinde noch besetzten Preussischen Hauptstadt; in der Nacht vom 3. zum 4. lMärz räumten die letzten Franzosen Berlin, die Avantgarde Wittgensteins rückte ein, und ihr folgte bereits am 11. März der General mit seinem Gros. Die einzelnen Französischen Generäle räumten jetzt Norddeutschland und zogen sich hinter die Elbe zurück; am 9. März brach Morand von Stralsund auf und ging durch Mecklenburg über Rostock, Wismar, Rehna der Elbe zu; am 12. März räumte Carra St. Cyr — Hamburg. — Die leichten Russischen Truppen gingen in verschiedenen kleinen Korps bereits zum Teil über die Elbe, als der Herzog Friedrich Franz von Mecklenburg-Schwerin sein Volk zu den Waffen rief.

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