Napoleon bei Krasnoi am 17. November 1812. - Von der Scheu des Fürsten Kutusow vor Napoleon.

Napoleon bei Krasnoi am 17. November 1812.

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Von der Scheu des Fürsten Kutusow vor Napoleon.

Michael Kutusow, Fürst Smolenskoj, russischer Feldmarschall, geb. 1745. Er erhielt von Alexander I. den Oberbefehl über das russische Heer im Feldzug 1812. Am 7. September wurde er von Napoleon bei Borodino geschlagen. 1813 trat er an die Spitze des preußisch-russischen Heers, starb aber schon im April in Bunzlau. Kutusow war einäugig. - Seiner zögernden Verfolgung ist die Rettung Napoleons zuzuschreiben.

Über die Furcht, die Kutusow vor Napoleon hatte, ist eine verbürgte Anekdote im Umlauf. Im späteren Verlauf des Feldzugs (1812) bei Krasnoi (zwischen dem 14. und 18. November) wurde ein bayrischer Offizier gefangen und vor Kutusow geführt. Der russische Fürst hatte eine sehr gute Bildung und sprach geläufig Deutsch. Er wollte vor allen Dingen wissen, wer den Oberbefehl führe. Der Offizier erwiderte, er habe den Mann wohl gesehen, kenne ihn aber nicht, - denn nur die wenigsten deutschen Offiziere der Großen Armee waren in unmittelbare Nähe des Kaisers gekommen. Kutusow scheute sich wohl, das auszusprechen, was ihm so sehr am Herzen lag, und begann dem Offizier in der Art eines Polizisten das Signalement des Kaisers abzufragen. „Ist er brünett? usw.“ Ein- oder zweimal erhielt Kutusow nun Antworten, die ihm höchst bedenklich schienen. Mit einem Gesicht, das den Schrecken nur allzu deutlich erkennen ließ, wendete er sich an seine Umgebung und sagte betroffen: „C’est lui!“ „Das ist er!“ Dann fragte er weiter. „Er ist klein von Wuchs?“ - „Nein,“ antwortete der Bayer, „er ist sehr groß,“ denn er hatte den kolossal gebauten Marschall Mortier an der Spitze der Garde gesehen. Nun atmete Kutusow auf, und mit größter Befriedigung sagte er zu
seiner Umgebung: „Ce n’est pas lui!“ „Nein, das ist er nicht.“

(Nach Rehtwisch, Napoleon in Rußland.)


Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Befreiung 1813 - 1814 - 1815. Teil 1