a) Der Bau der Schiffe

Nach Feststellung dieser günstigen Handelsaussichten wurde nun der Bau der beiden Seehandelsschiffe in die Wege geleitet. Nachdem am 2. Jan. 1562 die endgültige Zustimmung Kaiser Ferdinands eingetroffen war, reiste Herzog Johann Albrecht selbst nach Preußen und verweilte 12 Wochen lang in Königsberg. Die Oberaufsicht über den Schiffsbau übertrug er dem herzoglich preußischen Sekretär Balthasar Gantz. Nach der Beschaffung des Materials wurde der Bau mit z. T. geliehenen Geldern Anfang Juni in Angriff genommen. Zu Michaelis hatte er trotz allerlei Lohnstreitigkeiten und Unehrlichkeiten unter den Arbeitern bereits gute Fortschritte gemacht, und es bestand die Hoffnung, daß das erste Schiff über Winter fertiggestellt werden konnte. Die Beschaffung des Holzes für beide Schiffe erlitt jedoch eine Verzögerung, und im Winter 1562/63 trat wegen der Kälte eine gänzliche Arbeitspause ein. Als die Arbeiten wieder aufgenommen wurden, schritten sie jedoch nur langsam fort, woran besonders der Mangel an Leuten Schuld trug. Zu allen Schwierigkeiten trat der Geldmangel Herzog Johann Albrechts hinzu. Balthasar Gantz, der bereits bedeutende Summen ausgelegt hatte, mußte wiederholt um Geld bitten. Um Mitte Sept. 1563 war der Bau des einen Schiffes dann glücklich so weit vorgeschritten, daß es von Stapel laufen konnte. Das Schiff, das durch einen Sturm einen Unglücksfall erlitt, blieb auf Anraten des Balthasar Gantz in Ostpreußen liegen, obgleich Herzog Johann Albrecht ursprünglich die Absicht gehabt hatte, es sofort nach seiner Fertigstellung nach Mecklenburg zu bringen. Der Bau des zweiten Schiffes war noch lange nicht vollendet. Herzog Johann Albrecht begab sich im Dez. 1563 noch einmal auf die Reise, um den Bau zu besichtigen. Er hoffte damals auf die baldige Vollendung der Schiffe, denn am 28. Dez. suchte er bei dem König von Dänemark um Passbriefe für sie nach.

Während der nächsten zwei Jahre erfahren wir fast nichts über den Schiffbau, der kurz vor der Vollendung wahrscheinlich aus Geldmangel gänzlich niedergelegt wurde. Die Schuldenlast für den Schiffsbau scheint inzwischen so angewachsen zu sein, daß an einen Weiterbau vorläufig nicht zu denken war, und die Gläubiger zunächst einmal befriedigt werden mußten. Am 13. Jan. und 6. Sept. 1564 wurden im ganzen 1.700 Taler an einen gewissen Tonnies Krebs zu Lübeck auf die 2.000 Taler zurückgezahlt, die Herzog Johann Albrecht mit „beschwerlichen“ Monatszinsen bei ihm 1563 für den Schiffsbau aufgenommen hatte. An einen gewissen Friedrich Konitz wurden am 8. Sept. 1564 etwa 250 Taler zurückerstattet 1).
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Erst 1566 wurde der Schiffsbau vollendet. Die Gesamtkosten für den Bau beliefen sich nach den Berechnungen der leitenden Persönlichkeiten auf rund 17529 Mk. Bei der Ausfahrt wurden die Schiffe durch einen heftigen Sturm fahrtunfähig gemacht und eine Handelsfahrt wurde für 1566 unmöglich. Im Frühjahr 1567 wurden durch die beiden Schiffer des Herzogs, Johann von Deilen und Matthias Meier, neue Mannschaften für die Schiffe angeworben. Matthias Meier heuerte für den „Greif“, den er befehligen sollte, 35 Mann, Johann von Deilen, der Kapitän des „Ochsenkopf“, im ganzen 31 Mann an. Am 30. April traten die Schiffe die Reise nach Mecklenburg an, waren am 23. Mai vor Wismar und gingen der Stadt gegenüber bei Brandenhausen auf Poel vor Anker. Herzog Johann Albrecht begab sich zur Besichtigung dorthin. Da der König von Dänemark die gewünschten Paßbriefe für die Schiffsreise nach Portugal nicht bewilligte, mußte diese vorläufig unterbleiben.

1) Von da ob finden sich fortlaufend Nachrichten über die Besoldung der Kapitäne u. Mannschaften: Rent.-Reg. Schwerin 1566/67.