Der Untergang des Bauernstandes und das Aufkommen der Gutsherrschaften in Neu-Vorpommer und auf Rügen

nach archivalischen Quellen
Autor: Fuchs, Carl Johannes Dr. (1865-1934) deutscher Nationalökonom, Erscheinungsjahr: 1888

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bauernstand, Gutsherrschaft, Pommern, Rügen, 18. Jahrhundert, 17. Jahrhundert, Mittelalter, Schwedisch Pommern
Inhaltsverzeichnis
    VORWORT
  1. I. Kapitel - GESCHICHTE DES BAUERNSTANDES IN POMMERN UND RÜGEN VON DER KOLONISATION BIS ZUM 30 JÄHRIGEN KRIEG.
    1. § 1. Die slawische Agrarverfassung vor der deutschen Einwanderung
    2. § 2. Die Germanisierung des Landes
    3. § 3. Das neue bäuerliche Verhältnis seit der Kolonisation
    4. § 4. Die Ausbildung der Gutsherrlichkeit
    5. § 5. Rügisches Bauernrecht und Bauerspflicht im 15. und 16. Jahrhundert
    6. § 6. Der wirtschaftliche Umschwung im Zeitalter der Reformation und der Beginn des Bauernlegens
  2. II. Kapitel - DAS JAHRHUNDERT DES GROßEN KRIEGES.
    1. § 1. Kriegsleiden Pommerns und Rügens im 17. Jahrhundert
    2. § 2. Die „Wiedereinrichtung der Landgüter und die Entstehung des Lassitentums
    3. § 3. Erblicher Besitz, Leibeigenschaft und allgemeine Verhältnisse in dieser Periode
    4. § 4. Schwedische Agrarpolitik im 17. Jahrhundert
  3. III. Kapitel - DAS XVIII. JAHRHUNDERT UND DIE ZEITPACHT.
    1. § 1. Der nordische Krieg und seine Folgen
    2. § 2. Der Aufschwung der Landwirtschaft und das systematische Bauernlegen seit der Mitte des 18. Jahrhunderts
    3. § 3. Die bäuerliche Zeitpacht
    4. § 4. Ländliche Gewerbstellen, Eigentumskaten und Landarbeiter
    5. § 5. Die Leibeigenschaft im 18. Jahrhundert
  4. IV. Kapitel - SCHWEDISCHE AGRARPOLITIK IM XVIII. JAHR HUNDERT UXD DIE AUFHEBUNG DER LEIBEIGENSCHAFT IM JAHR 1806.
    1. § 1. Der allgemeine Zustand am Ende des 18. Jahrhunderts und der Weg zur Reform
    2. § 2. Die Bekämpfung des Bauernlegens und die Entschädigungsfrage
    3. § 3. Die Aufhebung der Leibeigenschaft
    4. § 4. Die wirtschaftlichen Folgen der Aufhebung
  5. V. Kapitel - DAS XIX. JAHRHUNDERT.
    1. § 1. Neu Vorpommern und Rügen und die preußische Agrargesetzgebung
    2. § 2. Rückblick
  6. ANHANG. - DAS GUTSHERRLICH BÄUERLICHE VERHÄLTNIS AUF DEN VERSCHIEDENEN GÜTERN. (Nach den Spezial-Akten.)
    1. I. Domanium.
      1. Saal
        Promoissel, Crampas etc.
        Putgarten
    2. II. Güter der Universität Greifswald.
      1. Neuendorf
        Wampen und Ladebow
        Pansow etc.
    3. III. Güter der Stadt Greifswald und ihrer Stiftungen.
      1. Brook
    4. IV. Güter des Heiliggeistklosters zu Stralsund.
      1. Ummanz
        Devin
    5. V. Adelige Güter.
      1. Camper
        Boldovitz
  7. BEILAGEN
  8. VERZEICHNIS DER QUELLEN
Vorwort.

Die vorliegende Arbeit entstand in dem Zeitraum von Ostern 1887 bis Ostern 1888 in Strassburg durch Anregung und unter Leitung meines Lehrers Herrn Professor Georg Friedrich Knapp, zu dessen 1887 erschienenem Werk „Die Bauernbefreiung und der Ursprung der Landarbeiter in den älteren Teilen Preußens“ sie in gewissem Sinn eine Ergänzung bilden will. Die für den Nord-Osten Deutschlands so charakteristische soziale Entwicklung, welche sich als schrittweise Verdrängung und Aufsaugung des bäuerlichen Grundbesitzes durch die großen Gutsherrschaften darstellt, ist von dem preußischen Staat in den älteren Provinzen im 18. Jahrhundert aufgehalten und zum Teil rückgängig gemacht oder doch an ihrer Vollendung gehindert worden. In Neu-Vorpommern und Rügen, demjenigen Teil der Provinz Pommern, welcher bis zum Jahr 1815 schwedisch war, ist Ähnliches durch die schwedische Regierung nicht geschehen. Infolge dessen konnte jene Entwicklung hier völlig rein und ungestört bis zum Abschluss gedeihen. Ein Blick darauf, wie weit es hier gekommen ist, lässt erst recht die hohe Bedeutung erkennen, welche in Preußen dem Bauernschutz und manchen Maßregeln der Bauernbefreiung zukommt, im Vergleich zu diesen Landesteilen, wo der Staat nicht einmal so viel geleistet hat.

Aus dieser zunächst gestellten Aufgabe ergab sich aber alsbald eine weitergehende. Eben weil sich in Schwedisch-Pommern jener geschichtliche Prozess so ganz ungestört vollzogen hat, bietet dieses Land für denselben ein geradezu klassisches Beispiel und es erschien dankenswert an diesem Beispiel jene ganze so überaus interessante Entwicklung möglichst eingehend und ausführlich zu verfolgen. Die große Übereinstimmung derselben im ganzen deutschen Nordosten (einschließlich der russischen Ostseeprovinzen) berechtigte zu der Hoffnung, dass eine solche Darstellung einen mehr als lokalgeschichtlichen Wert haben würde.

Um für die — im Vergleich mit Preußen — besonders interessante Entwicklung des 18. Jahrhunderts eine möglichst erschöpfende Bearbeitung geben zu können, wurden eine große Anzahl von Spezialakten der verschiedenen Güter zu Hilfe genommen, welche ich Ostern 1887 an Ort und Stelle aus den betreffenden Archiven auswählte. Dieselben ergaben eine über Erwarten lohnende Ausbeute. Im Anhang sind eine Reihe von besonders charakteristischen Beispielen aus denselben auszugsweise mitgeteilt: sie geben ein interessantes Bild von der Gutsverfassung des 17. und 18. Jahrhunderts.

Es zeigte sich aber, um ein vollständig lückenloses Bild der ganzen Entwicklung von Anfang bis zu Ende geben zu können, als unerlässlich auch die ältere Zeit vor dem dreißigjährigen Krieg eingehender als bisher geschehen zu untersuchen. Ihre Darstellung bei Arndt konnte dafür schon deswegen nicht genügen, da seitdem eine Fülle neuen urkundlichen Materials zugänglich gemacht worden ist, aus dem sich zum Teil andere Resultate ergaben, während Gaede die geschichtliche Entwicklung ausschließlich vom juristischen Standpunkt und zu einem bestimmten praktischen Zweck beleuchtet hat. Unsere Darstellung jener älteren Zeit will natürlich weder in diplomatischer noch in rechtsgeschichtlicher Beziehung eine erschöpfende Behandlung des vorhandenen Urkundenmaterials sein, sie hat darin vielmehr nur die Anfänge der späteren wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zu verfolgen gesucht. Ebenso hat auf der anderen Seite die Schilderung der neuesten Zeit nur den Charakter einer Schlussausführung. Der Nachdruck der Darstellung liegt im Wesentlichen auf dem 17. und 18. Jahrhundert.

Die dargestellte Entwicklung zeigt uns Klassenkämpfe von reinster Ausprägung, mehrere Jahrhunderte erfüllend und von großer Nachwirkung noch in der Gegenwart, mit deren sozialer Frage sich ihre Ausläufer auf dem Gebiet der ländlichen Arbeiterfrage durchkreuzt haben.

Es hätte nahe gelegen in die Darstellung und Beurteilung der Entwicklung die politischen Gesichtspunkte der Gegenwart hineinzutragen. Aber dies wurde mit Absicht überall vermieden. Die vorliegende Arbeit ist eine historische, keine politische. Was sie wollte, ist objektive unparteiische Darstellung jener Entwicklung, zunächst um ihres wissenschaftlichen Interesses willen, dann aber allerdings auch zum Verständnis und zur Beurteilung der Gegenwart.

Es bleibt mir noch die angenehme Pflicht zu erfüllen, allen denjenigen, welche mir bei der Aufsuchung von Material ihre liebenswürdige Unterstützung zu Teil werden ließen, meinen herzlichsten Dank auszusprechen; so insbesondere Herrn Regierungspräsident von Pommer-Esche, Herrn Regierungsrat a. D. von Rosen und Herrn Ratsherr Brandenburg, Provisor des Heiliggeistklosters, in Stralsund; Herrn Geh. Regierungsrat Steinmetz, Kurator der Universität Greifswald, Herrn Senator und Syndikus Dr. Schnitze sowie dem verehrlichen Magistrat in Greifswald, Herrn Archivrat von Bülow und Herrn Archivar Dr. Philippi in Stettin und — nicht an letzter Stelle — den Beamten der kaiserlichen Universitäts- und Landesbibliothek zu Strassburg, welche mir mit so unermüdlicher Gefälligkeit die reichen Schätze der letzteren zugänglich machten.

Nürnberg, 1. Juli 1888.

Carl Johannes Fuchs
Bauern beim Dreschen

Bauern beim Dreschen

Federvieh

Federvieh

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte

Getreideernte

Bauernjunge

Bauernjunge

Kühe auf der Wiese

Kühe auf der Wiese

Kühe im Stall

Kühe im Stall

Mittagspause bei der Feldarbeit

Mittagspause bei der Feldarbeit

Mittagstisch auf dem Bauernhof

Mittagstisch auf dem Bauernhof

Ochsengespann

Ochsengespann

Pferdeknecht beim Pferdefüttern

Pferdeknecht beim Pferdefüttern

Pferdestall auf dem Gut

Pferdestall auf dem Gut

Schäfermeister

Schäfermeister

Viehmarkt

Viehmarkt

Champions

Champions

Dampfmobil (1)

Dampfmobil (1)

Jungbäuerin

Jungbäuerin

Pflügen, vierspännig Pferde

Pflügen, vierspännig Pferde

Reiter, Landjugend

Reiter, Landjugend

Kälbertränken

Kälbertränken