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TIZIAN, Der Zinsgroschen

Große prächtige Kirchenbilder haben wir eine Menge von Tizian. Diese kleine Holztafel aber, die einst, wie Vasari erzählt, in eine Schranktür im Arbeitszimmer des Herzogs Alfons I. von Ferrara eingelassen war, zeigt uns nur zwei Halbfiguren und zwei Hände. Ein biblisches Konversationsstück also, ganz geistig ausgedrückt wie bei Lionardo da Vinci, an den auch die Farbe mit ihrem ausgesprochenen Helldunkel ein wenig erinnern kann. Sie hat durch Verputzung gelitten, ist aber noch an vielen Stellen von dem feinsten Schmelz, und die Ausführung von einer Sauberkeit und Zartheit, die man bei Tizian nicht gerade voraussetzt. Der Christus mit dem durchgeistigten, etwas leidenden oder auch ermatteten Antlitz und der durchsichtigen Haut und mit dem seidenweichen Haar ist so tief aufgefasst wie niemals bei einem Venezianer, der Gegensatz der zwei Hände nach Form und Bewegung so vollkommen, dass darauf die Sprache des ganzen Bildes wesentlich mit beruht. Und Tizian hatte hier seine Gründe, eindringlich zu reden. Der Herzog, sein ältester Gönner unter den fürstlichen Personen, für die er gemalt hat, sollte ja das feine Werk täglich vor Augen haben. Was die Geschichte vom Zinsgroschen lehrt: „Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gotte, was Gottes ist“, können wir noch heute in lateinischer Sprache auf den Goldmünzen, die Alfons I. schlagen ließ, lesen. Sein Leben gab ihm reichlich Gelegenheit, den Spruch zu bedenken. Gegen zwei Statthalter Gottes auf Erden, Julius II. und Clemens VII., musste er auf der Hut sein oder im Felde liegen, und zuletzt blieb ihm nur noch übrig, sich unter den starken Schutz des Kaisers Karl V. zu bergen, als dieser 1532 in Bologna Hof hielt. — Nach dem Zusammenhange bei Vasari entstand der „Zinsgroschen“ um 151 6, und viel länger kannte Tizian den Herzog, soviel wir wissen, überhaupt nicht. Seinem Stil nach braucht das Bild auch nicht älter zu sein. Man hat zwar gemeint, es sei um 1508 aus einem Wettkampf mit Dürer hervorgegangen, dessen kleiner „Christus am Kreuz“ von 1506 zufällig nun ebenfalls in Dresden hängt, aber Dürers Anregung, wenn sie überhaupt hier für Tizian nötig war, konnte viel länger nachwirken, und diese Malerei ist doch auch bei aller Sorgfalt der Ausführung nach Absicht und Wirkung von der Miniatur des Nordländers recht verschieden. — Als nach dem Tode des letzten Herzogs von Ferrara (1597) der Papst das Lehen zugunsten des Stuhls einzog, wurde das Familiengut der Este nach Modena gebracht, darunter auch der „Zinsgroschen“, der dann 1745 mit den hundert besten Bildern der modenesischen Sammlung für Dresden gewonnen wurde.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Album der Dresdner Galerie