Achtung: Die besten Amazon Angebote gibt es heute auf dieser Seite (hier klicken)

Ivenack (Ritterschaftliches Amt Wittenburg)

Wenn man von Stavenhagen aus durch das Basepohler Thor nach Norden oder durch das Neubrandenburger Thor nach Osten geht, tritt man in die gesegnete Landschaft, welche den Gütercomplex des gräflich von Plessen'schen Fideicommisses bildet. Nach Norden hin erstreckt sich die ausgedehnte und fruchtbare Feldmark von Basepohl, mit seinem zwischen zwei fischreichen Seen (Basepohl = Barssepohl) in neuerer Zeit erbauten Hofe, bis an die pommersche Grenze. Von Basepohl führt ein lieblicher Weg, theilweise durch eine den Ivenacker Thiergarten nordöstlich begrenzende Lindenallee von seltener Schönheit, – andererseits von Stavenhagen ein anmuthiger Fussweg durch den Tiergarten selbst – nach Ivenack, von wo man nordöstlich nach dem ansehnlichen Hofe Zolkendorf (früher Sollekendorff) mit einer Stammschäferei gelangt. In südlicher Richtung liegen der Hof Klockow an der südlichen Spitze des Ivenacker Sees, die Höfe Weitendorf und Grischow, das grosse Bauerndorf Wackerow, wohin auch Bauern von Klockow und Grischow ausgebaut sind, und der Hof Goddin mit dem schönen Hegeholze. Von diesem arrondirten Stamm abgesondert gehören noch zu dem gräflichen Fideicommissbesitze der Hof Fahrenholz, die nordöstliche Ecke gegen Pommern bildend, das Pfarrdorf Borgfeld, durch den Domanialhof Tatzen von Zolkendorf getrennt, und im Süden der Hof Krummsee (Krumensee) mit Bremsenkrug, ebenfalls durch domaniales Gebiet von Klockow abgesondert.

Von diesen Ortschaften gehört nur Borgfeld zum ritterschaftlichen Amt Stavenhagen. Die übrigen machen das sogenannte Amt Ivenack aus. Eigentlich aber bildet Ivenack mit seinen neun Nebengütern nur ein Hauptgut, welches 1709, wie weiter unten zu ersehen, dem ritterschaftlichen Amte Wittenburg, also dem Herzogtum Schwerin, zugelegt worden ist. Betrachtet man Ivenack in dieser allerdings mehr durch das ständische Herkommen bestimmten, als in wirtschaftlichen oder sonst realen Verhältnissen begründeten Einheit, so ist es mit seinen 48 Hufen 175 14/32 Scheffeln und fast 2000 Einwohnern, einen Flächenraum von 1 3/10 Quadratmeilen einnehmend, bei weitem das grösste Gut Mecklenburgs.
      Dass geistliche Stiftungen vorzugsweise an Orten errichtet wurden, die sich durch eine Fülle von Naturschönheiten zu einem angenehmen Wohnsitze der geistlichen Herren empfahlen, lehrt ein Blick auf die Lage derselben, wie in andern Ländern, so auch in Mecklenburg. Wir brauchen in dieser Hinsicht nur an Dobbertin, Doberan, Schwerin, Zarrentin zu erinnern. Die Cistercienser sahen aber bei ihren geistlichen Niederlassungen zugleich auf vorzügliche Bodenqualität. Diese fleissigen Pioniere der Cultur sahen, wohin sie kamen, die Urbarmachung des Bodens als eine nothwendige Vorarbeit an, welche der Bereitung des geistigen Erdreichs für die Aufnahme der edlen Bildungskeime des Christenthums voraufgehen müsse. Sie bereiteten der Cultur den Boden. Sie lichteten die dichten Wälder, die das nördliche Land bedeckten, und indem sie so die Schranke hinwegräumten, welche die Sonnenstrahlen von dem rauhen Boden fern gehalten hatten, durchbrachen sie zugleich die Scheidewand, die das helle Licht der Erkenntniss und der Wahrheit nicht zu dem menschlichen Gemüthe hatte hindurchdringen lassen. 1)


Der Cistercienser-Orden war es auch, für den am östlichen Ufer eines lieblichen Sees, in einer damals zum Fürstenthum Pommern gehörenden Gegend, welche jenen beiden Requisiten aufs Schönste Genüge leistete, das Nonnen-Kloster Ivenack von dem Ritter Reimbern von Stove aus dem Ratzeburgischen, dem Gründer der nachmaligen Stadt Stavenhagen, im Jahre 1252 gestiftet wurde. So meldet eine noch jetzt erhaltene Inschrift der grossen Glocke in der Ivenacker Kirche: Anno post Christum natum MCCLII fundatur monasterium iuenack a remberno de stouen inhabitatore castri (in) stouenhagen. Die Fundations -Urkunde ist vom 15. Mai 1252, die Confirmations-Urkunde von 1256. Der Bischof Conrad von Camin weihete das Kloster, welchem die Werle-Warenschen Herren Nikolaus und Christoph 1401, zur Zeit als Wendula Wilde Priorin war, seine Privilegien und Gnadenbriefe bestätigten. Die Geschichte eines Klosters ist wesentlich eine innerliche: die äusserlichen Wechselfälle der Klöster bestehen meist in Erwerb und Verlust von Besitz, und auch dergleichen werden von dem Kloster Ivenack wenig berichtet. Es fand sein Ende durch die Reformation zwi schen 1550 und 1560. Eine zweite Inschrift an der grossen Kirchenglocke belehrt uns, dass der Aebtissin Anna Kamptz im Jahre 1555 schon zwei fürstliche Beamte, der Präfectus Claus Pentz und der Quästor Otto Schröder, und ein evangelischer Prediger (Concionator) Eddeling zur Seite standen. Im Jahre 1557 lebten aber noch „Jungfrauen" im Kloster.

Die Säcularisirung Ivenacks war, wie die der übrigen geistlichen Stiftungen Cistercienser-Ordens und anderer Orden, das Werk des Herzogs Johann Albrecht, welcher den räumlich arrondirten Besitz bei seinem Tode (1576) auch zeitlich dadurch zu befestigen und zusammenzuhalten gedachte, dass er für seine Nachkommenschaft das Erstgeburtsrecht letztwillig sanctionirte. Demzufolge verordnete er, dass sein jüngerer Sohn, der Herzog Sigismund August, mit den Aemtern Ivenack, Strelitz und Mirow, doch ohne Landeshoheit, und mit einer jährlichen Zahlung von 6000 Gulden aus der Kammer abgefunden werden sollte. Zuvor jedoch sah Herzog Johann Albrecht sich genöthigt, Antonii 1572 das Amt Ivenack dem Werner Hahn zu Basedow zum Pfände zu verschreiben, als Sicherheit für die Summe von 15,000 Thlrn., welche er nach und nach von ihm geliehen hatte. Der Vormund der Kinder Johann Albrechts, Herzog Ulrich, entlieh für dieselben noch 22,500 Thlr. von ihm, und der Gläubiger erhielt dafür Antonii 1578 den Ivenackschen Besitz als wiederkäufliches Pfand auf neun Jahre. Diese Frist war noch nicht ganz abgelaufen, als ihm zu Ende 1586 durch die Vermittelung des Herzogs Adolph von Holstein, des künftigen Schwiegervaters des Herzogs Johann, Ivenack wieder abgekauft wurde, um nach jener testamentarischen Verfügung damit verfahren zu können. Nach erlangter Volljährigkeit nahm Herzog Sigismund August in Gemässheit des Vertrages von 1586 seinen Wohnsitz zu Ivenack, wo sein Bruder, Herzog Johann, ein fürstliches Haus für ihn hatte neu erbauen lassen. Nach einem Inventarium von 1605 war dasselbe drei Gemächer hoch und hatte nach dem Platze inwendig drei kleine und einen grossen aufgezogenen steinernen Giebel; dazwischen stand ein grosser Windelthurm, mit Blei gedeckt, darauf drei Schornsteine. Hiernach ist anzunehmen, dass das Haus von einem ähnlichen architektonischen Charakter gewesen, wie das Haus mit den Reliefziegeln auf dem herzoglichen Residenzschlosse zu Schwerin. Hinsichtlich der Zeit der Erbauung lässt die kurze Regierungszeit des Herzogs Johann (1585–1592) der Vermuthung keinen weiten Spielraum. Dass es vor dem traurigen Ende dieses Fürsten vollendet gewesen, darauf deutet die Nachricht, dass derselbe am 4. März 1592 mit seiner jungen Gemahlin, Sophie von Holstein, von Stargard aus, wo er sich damals aufhielt, seinen Bruder Sigismund August in Ivenack besuchte. Als er am 8ten nach Stargard zurückkehrte, kam ihm sein Oheim, der Herzog Carl, mit der Nachricht von dem Tode des Herzogs Christoph entgegen. Herzog Johann verfiel darüber wieder in jenen Zustand tiefer Melancholie, von der er öfter heimgesucht war, und es folgte diesem Tage die Schreckensnacht des Todes, welche die Herzogin Sophie, die Mutter Adolph Friedrichs und Johann Albrechts II., in ihren autobiographischen Aufzeichnungen so lebendig geschildert hat.

Herzog Sigismund August vermählte sich im nächsten Jahre mit der Prinzessin Clara Maria von Pommern-Barth und hielt mit ihr zu Ivenack Hof bis an seinen Tod, welcher nach 7jähriger kinderloser Ehe am 5. September 1600, bald nach seiner Rückkehr von einer erfolglosen Badereise nach Carlsbad, im vierzigsten Lebensjahre zu Ivenack erfolgte.

Die Ivenack er Güter wurden hierauf 1605 an den Obersten Nikolaus von Peccatel auf 20 Jahre verpachtet. Später, in der Zeit von 1621 bis 1632, waren sie an Christoph von Neuenkirchen, Hauptmann zu Wolgast, verpfändet. Wie sehr die dazu gehörenden Ortschaften im Verlaufe des dreissigjährigen Krieges gelitten, ergiebt sich aus dem Auszug des Visitirbuches der Kirchen und Pfarren in den Aemtern Ivenack, Wredenhagen und Plau im Jahre 1649, welcher im sechsten Jahrgange der Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Alterthumskunde mitgetheilt ist. Hiernach lag Basepohl ganz öde und wüste, während bei guter Zeit 16 Bauern und 9 Kossaten darin gewohnt hatten. In Ivenack waren vorhin 8 Bauern und 17 Kossaten; nach dem Kriege zählte man nur 8 Personen nebst dem Schmied und dem Müller. Krummsee lag wüste; in Grischow waren von 12 Bauern und 6 Kossaten nur 2 Personen übrig geblieben; Klockow und Goddin waren ganz menschenleer. In Zolkendorf waren die drei Bauern geblieben, aber von 3 Kossatenfamilien fand sich keine Spur mehr. In Weitendorf, wo vorhin 6 Bauern und 4 Kossaten gewesen waren, gab es nur noch zwei bewohnte Bauerhöfe, während in Wackerow statt der früheren 2 Bauern und 6 Kossaten im Jahre 1649 drei Bauern und ein Kossate vorhanden waren. Die Fahrenholzer Gemeinde, sonst aus 12 Bauern und 7 Kossaten bestehend, zählte nur 7 Personen. Von 59 Bauern und 52 Kossaten war die Bevölkerung der Güter auf 8 Bauern und einen Kossaten herabgekommen: diese mit 2 Handwerkern und 17 Dienstleuten repräsentirten die ganze Einwohnerschaft eines Gütercomplexes, der im Jahre 1703 schon wieder 404 Beichtkinder enthielt, und wo 1859 1876 Einwohner gezählt worden sind.

Nachdem die Güter im Laufe des 17ten Jahrhunderts immer von der herzoglichen Kammer verpachtet gewesen waren, trat im ersten Jahrzehent des achtzehnten Jahrhunderts die grosse Veränderung in dem Besitzverhältnisse ein, durch welche das Domanial-Amt Ivenack ein Theil des ritterschaftlichen Amtes Wittenburg wurde. Herzog Friedrich Wilhelm (reg. 1692–1713) wünschte nämlich das gute Jagdrevier um Bakendorf und die angrenzenden Güter der Hagehower Gegend, – welche bis in das siebenzehnte Jahrhundert meist von Oertzensche Lehen gewesen waren, – seinen Besitzungen einzuverleiben, da dasselbe an seine Wildbahn grenzte und von seiner Residenz aus leicht zu erreichen war. Er schloss deshalb im Jahre 1709 mit dem Besitzer von Bakendorf, Gammelin, Vietzen und Kadelübbe, dem Geheimenrath Ernst Christoph von Koppelow, einen Tauschvertrag, durch welchen dieser für die ebengenannten, bis dahin zu dem ritterschaftlichen Amte Wittenburg gehörenden Güter das Amt Ivenack, also den ganzen ehemaligen Klosterbesitz, als ein freies Allodium, jedoch mit Vorbehalt der landesfürstlichen Hoheiten und Gerechtigkeiten, auch Reichs-, Kreis- und gemeiner Landsteuer und mit der Bedingung, dass es an keinen potentiorem wiederveräussert werde, dazu noch 5000 Thaler zur Erbauung eines neuen Wohnhauses erhielt. (Der Contract besagt, dass „zu Ivenack keine tüchtige Wohnung vorhanden".) Es sollte auch zu dieser Permutation der Consens der beiden herzoglichen Brüder Carl Leopold und Christian Ludwig und des Herzogs Adolph Friedrich von Mecklenburg-Strelitz, so wie die kaiserliche Confirmation eingeholt werden.

Der Geheimerath von Koppelow war durch seine Heirath mit der einzigen Tochter des Generalmajors und Geheimenraths Christian von Francke (gest. um 1697) in den Besitz der Bakendorfer Güter gekommen. Es findet sich überliefert, dass er bei Räumung der Güter sehr geweint und zu erkennen gegeben habe, wie er aus blosser Devotion und zu seinem grossen Schaden diesen Tausch eingehe, „da jedoch die Nachrichten bei der herzogl. Kammer es ergeben, dass Ivenack anjetzo (1750) über 16,000 Thlr. jährlicher Aufkünfte trage, und hingegen das herzoghche Haus die eingetauschten Güter nicht über 3500 Thlr. Jährlich nutzen und geniessen könne. Pertinentien des Amts Ivenack sind die Höfe Bauhoff, Schlack-kendorff, Fahrenholtz, Krummen-See, Goddien, Basepohl und Wackerow." Dass von Koppelow sich von seinen Gütern bei Hagenow sehr ungern getrennt und sich erst auf des Herzogs „unablässige Instanz" zu dem Tausch herbeigelassen hat, wird übrigens in dem Permutations-Contract vom 10. April 1709 herzoglicher Seits selbst ausgesprochen. Die herzogliche Kammer vertrat jedoch noch zu Anfang der fünfziger Jahre in einer an den Herzog Christian Ludwig gerichteten Vorstellung und später unter dem Herzog Friedrich die Ansicht, dass bei der Permutirung dem herzoglichen Hause eine enorme Läsion zugefügt worden sei, und that Anfrage wegen der Möglichkeit, noch damals auf die Sache zurückzukommen und die geschehene Permutation über den Haufen zu werfen. Die Annahme einer laesio enormis gründete sich wohl auf den damaligen respectiven Ertrag beider Tauschobjecte. Die Resolution des Herzogs Christian Ludwig deutet dieses an, indem er erklärt, er trage Bedenken, für seine Person eine Revocation sothanen Handels und Amtes Ivenack vorzunehmen, sondern wolle solches, bei näherer und gründlicher Erforschung einer tempore contractus, als worauf es eigentlich ankomme, bereits vorgegangenen enormen Läsion, anderen Zeiten, sonst aber dem Ermessen seiner Nachkommen überlassen haben.

Nach dem Tode des Geheimenraths von Koppelow ehelichte der königlich polnische.imd kurfürstlich sächsische Geheimerath Helmuth Reichsgraf von Plessen, auf Cambs und Torgelow, (Sohn des herzoglich mecklenburgischen Geheimenraths und Kammer-Präsidenten Diederich Joachim von Plessen auf Cambs und Müsselmow) dessen Wittwe, die geborene von Francke, und gelangte dadurch in den Besitz der Ivenacker Güter. Er machte dieselben zu einem Fideicommiss und vererbte dieses durch testamentarische Verfügung vom 6. März 1761 auf seiner ältesten Schwester ältesten Sohn und seinen Pathen, den Freiherrn Helmuth Burchard Hartwig von Maltzahn aus dem Hause Cummerow, königlich preussischen Legationsrath, doch unter der Bedingung, dass er und nach ihm der jedesmalige Besitzer des Majorates den Namen und das Wappen eines Reichsgrafen von Plessen neben dem eines Freiherrn von Maltzahn zu führen habe, für welchen Titel auch durch ein Diplom des Kaisers Joseph II. vom 25. September 1765 und durch ein königlich preussisches Diplom vom 2. Juni 1766 die Bestätigung ertheilt wurde.

Noch in dem Monate der Majoratsstiftung und der testamentarischen Disposition, im März 1761, starb der Graf Helmuth von Plessen, und es folgte ihm in dem Majorat Ivenack sein genannter Neffe, Helmuth Burchard Hartwig, der erste Reichsgraf von Plessen aus dem Hause der Reichsfreiherren von Maltzahn. Dieser starb im September 1797 unvermählt und hatte zum Nachfolger im Majorat seines Bruders, des Freiherrn von Maltzahn auf Rottmannshagen, Sohn Albrecht Joachim, welcher dem Schlosse Ivenack seine gegenwärtige Gestalt gab und die Güter auf seine directe Nachkommenschaft vererbte. In erster Ehe mit einer Freiin von Wackerbarth, in zweiter mit einer Gräfin von Schwerin vermählt, hinterliess derselbe das Majoivat bei seinem am 11. Juli 1828 eintretenden Tode seinem ältesten Sohne erster Ehe, dem Reichsgrafen Gustav Helmuth Theodor Diederich von Plessen, auf welchen am 12. Januar 1862 der jetzige Graf und Majoratsinhaber Adolph Carl Rudolph Felix, zweiter Hauptdirector des Mecklenburgischen Patriotischen Vereins, gefolgt ist.

Zur Beschreibung des Orts Ivenack, welcher bis 1844 im Staatskalender als Flecken aufgeführt wurde, entnehmen wir der „Mecklenburgischen Vaterlandskunde" noch Folgendes. „Ivenack, ein grossartiger und anmuthiger Landsitz, früher auch wegen seines ausgezeichneten Gestüts im Auslande weit bekannt, liegt in einer Niederung, an dem schönen und fischreichen Ivenacker See, inmitten ungemein lieblicher Umgebungen, die das Gepräge der reichsten Fruchtbarkeit und des üppigsten Baumwuchses tragen. Der sehr langgestreckte Ort, welcher gegenwärtig (1857) mit den dazu gehörigen einzelnen Grundstücken (Jägerhof, Wassermühle, Thierwärterhaus, alte und neue Fasanerie) 424 Einwohner hat 2), besteht aus einer breiten Hauptstrasse, welche, zu beiden Seiten mit mehreren zum Theil gleichförmigen Häusern besetzt, in fast gerader Richtung von Osten nach Westen läuft, und daneben aus einer rechtwinklig von dieser nach dem See hinunter und weiter nach der in einem umbuschten Thale gelegenen Wassermühle führenden kleineren Nebenstrasse, der sogenannten Wasserstrasse. An dem durch steinerne Thorpfeiler begrenzten östlichen Eingange des Orts liegt zunächst rechts am Wege der freundliche, schattige Gottesacker; etwas weiter zur Rechten der Hauptstrasse breitet sich der mit weitläuftigen massiven Wirthschaftsgebäuden besetzte Bauhof auf einer Anhöhe aus, zur Linken in der Nähe desselben führt die Wasserstrasse nach Süden zum See hinunter, und hat man über deren tief gelegene kleine Häuser hinweg einen reizenden Blick in die baumreichen Umgebungen der Wassermühle. Die Hauptstrasse läuft weiterhin gegen die Mitte des Orts mit geringer Wendung nach Südwest, wo auf der rechten Seite das Pfarrhaus, der Gasthof und einige zum Schlosse gehörenden Officiantenwohnungen zwischen freundlichen Gärten liegen, auf der linken Seite das Gewächshaus neben dem Eingang zum Schlossgarten und dann die diesen nach Norden begrenzende hohe Steinmauer bis zur Kirche sich ausdehnt. Hier mündet die Hauptstrasse in den mit Gartenanlagen gezierten grossartigen Schlossplatz aus, von welchem dann rechts eine Kastanienallee neben dem Pferdestall, an dem Jägerhofe vorbei in den Weg nach Basepohl in nordwestlicher Richtung zunächst nach dem Thiergarten führt, neben welchem eine der schönsten, grossartigsten Lindenalleen den Weg beschattet. Am Schlossplatze steht, ziemlich der Hauptstrasse gegenüber, in der Mitte das Schloss, in seinem älteren Theile noch von dem hier gegen Ende des 16ten Jahrhunderts residirenden Prinzen Siegmund August (s. oben) – wahrscheinlich auf dem Grunde der alten Klostergebäude – erbaut; dasselbe hat zwei erst im Anfang des gegenwärtigen Jahrhunderts (unter dem Grafen Albrecht Joachim, wie schon erwähnt) angebaute, den inneren Schlosshof nach der hinteren Seite zu umschliessende lange Flügel und zeigt einen einfachen Styl und das Gepräge grosser Solidität; die Façade erscheint wegen des zu hohen Daches etwas gedrückt. Vom Schlosse aus gesehen zur Rechten steht diesem schräg gegenüber am Schlossplatze die von Gartenanlagen umgebene Kirche, und zur Linken bildet auf der andern Seite der massive Pferdestall einen nach dem Schlossplatz zu geöffneten, an beiden Seiten mit Pavillons abschliessenden Halbzirkel, an welchen nach hinten zu das 100 Fuss im Durchmesser haltende Reithaus sich anschliesst. Die Kirche, durch ihr gefälliges Aeussere und ihre schöne Lage eine Zierde der Gegend, ist noch die alte Klosterkirche, welche aber bereits im 17ten Jahrhundert sehr baufällig war. Sie wurde in der Mitte des vorigen Jahrhunderts von aussen und innen in moderner Weise restaurirt und zeigt, äusserlich gar keine Spuren ihres hohen Alters mehr, wogegen im Innern noch einige Spitzbogen geblieben sind; sie hat eine ziemlich grosse Orgel und einen an der Westseite aufgesetzten, die Uhr enthaltenden Spitzthurm, während die Glocken in einem niedrigeren Thurmgebäude zwischen den gräflichen Erbbegräbnissgewölben an dem Nordeingange der Kirche sich befinden. – Der am See liegende Schlossgarten zieht sich von der Kirche ostwärts bis gegen die Mitte des Orts hin, hat einen herrlichen Baumgang von hohen Linden, durch welchen ein Fahrweg vom Schlosse nach dem südlichen Ende der Wasserstrasse führt. Im Garten ist ein Schwanenteich, ein Gewächshaus und nahe am See in der Mitte der Lindenallee ein hübsches Gartenhaus. Im See liegt dem Schlossgarten gegenüber nach Klockow zu eine hübsche Insel, mit einigen Pappeln und Obstbäumen bewachsen. Am westlichen Ende des Sees liegt in einiger Entfernung vom Schlosse der sehr beträchtliche, mit dem schönsten Laubholze, worunter einige sehr alte und ungemein grosse Eichen (deren dickste an der Wurzel des Stammes 42 Fuss im Umfang hat), bestandene Thiergarten, welcher viele Dammhirsche und eine Thierwärterwohnnng enthält. Durch den Thiergarten führt ein anmuthiger Fuss- und ein verschlossen gehaltener Fahrweg nach Stavenhagen. Zu erwähnen ist noch die alte Fasanerie, eine Ziegelei, an einem Eichengehölz, eine Viertelmeile von Ivenack, – und die neue Fasanerie mit einem Jägerhause und schönen Baumgruppen an einem Teich neben Wiesen, ebenfalls eine Viertelmeile von Ivenack."




1) Die Stiftungen des Cistercienser-Ordens in Mecklenburg waren: Die Mönchsklöster zu Doberan 1170 und zu Dargun 1172, die Nonnenklöster zu Bützow um 1190, erneuert zu Rühn 1233, zu Neukloster oder Sonnenkamp (Parkow) 1211, zu Eldena 1230, zu Zarrentin 1246, zu Ivenack 1252, zu Rostock 1270 und zu Wanzka 1290.