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Hoppenrade (Lehngut im ritterschaftlichen Amt Güstrow)

Hoppenrade liegt in dem fruchtbaren Tal der Nebel an der von Güstrow nach Krakow führenden Chaussee in einer ebenen Gegend, die jedoch durch schöne Holzungen und Wiesen den Charakter der Mannigfaltigkeit erhält.

Die Grabower Güter im Nebelthale, Colin, Gross-Grabow, Klein-Grabow, Hoppenrade, Lüdershagen, waren mehrere Jahrhunderte hindurch ein Besitztum der Familie von Cölln (Köllen, Kollen), welche mit Heinrich dem Löwen nach Mecklenburg gekommen sein soll. Wann Hoppenrade innerhalb dieses Güterkomplexes eine eigene Ortschaft zu bilden angefangen, lässt sich nicht bestimmen. Der Name Hoppenrade, d. h. Rodeland zum Hopfenbau, deutet auf eine Zeit, wo diese Kultur nicht mehr bloss in der Nähe der Seestädte, sondern auch im Innern Mecklenburgs lebhaft betrieben wurde, und dies ist im Allgemeinen die Zeit des sechzehnten Jahrhunderts. Hoppenrade im Amt Mecklenburg wird schon um 1420 erwähnt; in der Nähe von Wismar florierte auch die Hopfenkultur schon um 1300. Ein drittes Hoppenrade ist in der jetzigen Feldmark von Vietlübbe bei Plau untergegangen. Drei Ortschaften dieses Namens liegen in den angrenzenden preussischen Provinzen.
      Die Brüder Gerd und Adam von Cölln sahen die bösen Zeiten des dreissigjährigen Krieges und den Verfall ihres Hauses und ihres alten Besitzes. Schon 1621 verpfändete Gerd von Colin zu Gross-Grabow den „Meierhof" Hoppenrade und die ,,Schäferei" Lüdershagen für 5000 Gulden an Johann Kardorff zu Nieköhr, anscheinend auf fünf oder sechs Jahre; denn 1627 trat eine neue Verpfändung derselben Stücke für 13,000 Gulden an den Landrat Heinrich von Levetzow auf Mistorf und Markow ein. Dieser Landrat von Levetzow konsolidierte die Levetzow'sche Begüterung, indem er den unter seinem Vater Heinrich und seinem Oheim Moritz getrennten Besitz der Linien Markow und Mistorf durch die Erwerbung des ersteren Gutes von seinem Vetter Günther wiedervereinigte. Auch der hier in Frage stehende Teil der Gross-Grabewer Güter blieb in seinem Besitze, da Gerd von Cölln um 1637, der Letzte seines Geschlechts, starb. Von den 4 Söhnen, die der Landrat von Levetzow bei seinem Ableben 1665 hinterliess, dem Generalmajor Hans Hinrich, dem Kammerrat Joachim Dietrich († gegen 1704), dem Oberstlieutenant Hartwich und dem Vicke Adolph, wurde Joachim Dietrich, dem bei der Teilung Klein-Markow zugefallen, durch Tausch mit seinem Bruder Hartwich Besitzer von Hoppenrade mit Lüdershagen, wozu er 1667 auch Groß-Grabow reluirte und 1670 Lelkendorf erwarb. Von ihm kam das Gut nebst den übrigen zu Groß-Grabow gehörigen 1689 durch Kauf an seinen Sohn Gerd Dethloff von Levetzow, und in der Teilung unter dessen Söhnen (s. Charlottenthal in Heft I.) mit Klein-Grabow und Lüdershagen an Hans Hinrich. In dessen Besitze ward Hoppenrade 1750 ein Hauptgut.


Schon vor diesem Zeitpunkte, gegen Ende des siebzehnten oder zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, ist das frühere Hoppenrader Wohnhaus erbaut worden. Es stand vor dem Platze, den das jetzige einnimmt, hofwärts. Ein einfaches, viereckiges Gebäude von Fachwerk, war es nur im Erdgeschosse ausgebaut. Die beiden Zimmer rechts und links der Diele hatten reiche Stuckdecken, in dem zur linken Hand war auch ein grosser, aber roher Kamin. Johannis 1752 kam Hoppenrade (mit Lüdershagen, Cölln, Klein-Grabow und Antheil an Schwiggerow) durch Kauf von Hans Hinrich von Levetzow an den Küchen-Oekonomierath Jakob Gustav Storch in Güstrow. Dessen Bruder, der Hofgerichts-Assessor Caspar Friedrich von Storch († 1801) verkaufte 1798 Hoppenrade mit den Pertinenzen: Klein-Grabow, Cölln und Lüdershagen an den Kammerherrn Henning Friedrich Grafen von Bassewitz. Dessen Nachfolger im Besitze von Hoppenrade und Cölln allein wurden Johannis 1802 Karl Hans von Oertzen auf Raden, und Weihnachten 1838 der jetzige Lehnsinhaber Josua Magnus Klockmann, damals zu Malow.

In den Jahren 1850–1853 erbaute dieser das neue schlossartige Herrenhaus, dessen Ostseite unsere Abbildung darstellt. Unmittelbar am Rande des Wiesenthales der Nebel gelegen, in seiner Längendimension parallel mit der Güstrow-Krakower Chaussee, die etwa 300 Schritte vor dem Hofe die Feldmark durchschneidet und dann bei Cölln in südwestlicher Richtung über die Nebel geht, hebt dieses imposante Gebäude seine rote Masse aus der Mitte hoher Bäume hervor. Es ist nämlich ganz von roten Ziegeln in Rohbau aufgeführt; die Gesimse, Einfassungen und Ornamente sind von weissgelben Ziegeln. Das Dach dieses Musterbaues der Backstein- Architektur, welcher nach dem Plan und unter der Leitung des Baumeisters Th. Krüger in Schwerin ausgeführt ist, besteht über dem Mittelbau und auf den Türmen aus Schiefer, über den Flügeln aus schwarz glasierten Dachpfannen. Rechts von dem elegant geformten Turm ist die mit zwei Eingangstüren versehene Vorhalle, durch welche man links zu den Gesellschaftsräumen, rechts zu den Wohnzimmern gelangt. Diese schliessen an der südlichen Seite mit einem schön gelegenen, in Spitzkuppelform gedeckten Boudoir der Hausfrau ab, woran sich dann südlich und westlich Schlaf- und Kiaderzimmer anreihen. Die Verbindung mit den oberen Gemächern, die einen Tanzsaal, ein Billardzimmer und Fremdenzimmer umfassen, wird durch die Haupttreppe hinter der Vorhalle und durch eine Nebentreppe hergestellt.

Auch das Ameublement und die gesamte innere Dekoration des Gebäudes entspricht dem Baustil, in welchem es aufgeführt ist.

Etwa dreissig Schritt nordwärts von dem Hauptgebäude liegt das Milchenhaus oder die Molkerei, gleichfalls in Backstein ausgeführt.