Russland

Mit 205 Abbildungen. Zusammengestellt und eingeleitet von Dr. Walther Weibel
Autor: Walther, Weibel Dr. (?-?) Delphin-Verlag München, Erscheinungsjahr: 1916
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Russland, Russen, Völkerkunde, Moskau, St. Petersburg, Sibirien, Wolga, Landesgeschichte,
Die Vorarbeiten zu diesem Buch waren im Julie 1914 nahezu abgeschlossen. Trotzdem weist das Bildmaterial einige Lücken auf, die im Krieg nicht mehr auszufüllen waren. Bei dem beschränkten Umfang dieses Buches musste von vornherein auf den Versuch verzichtet werden, das ganze russische Reich gleichmäßig zu behandeln. Es sollte die Natur des Russen, und zwar vorzugsweise von Großrussen bewohnten Landes und die Kultur dieses Volkes, daneben auch die der ihm wohl endgültig unterworfenen Völkerschaften zur Darstellung kommen. Auf den Wunsch des Verlages wurden nachträglich einige Aufnahmen aus den Westgebieten Russlands eingefügt, die natürlich kein erschöpfendes Bild der reichen und vielgestalteten Kultur dieser Länder bieten können, bei dem großen Interesse, das durch die deutsche Besetzung Polens, Litauens und Kurlands auf diese Gebiete gelenkt wir, aber doch einige Beachtung finden dürfte.

Naheliegende Gründe verbieten mir, an dieser Stelle einigen Freunden in Russland, die mir bei der Zusammenstellung des Bildmaterials förderliche Dienste erwiesen, den schuldigen Dank auszusprechen.

Im Oktober 1916 Dr. Walther Weibel (Hector G. Preconi)



                                        Zur Einführung

                                                Inhalt


Russlands Ursprung und Geschichte – Staat und Regierung – Land und Klima – Die russischen Völker – Geistige Kultur – Die Fremdvölker – Landwirtschaft – Industrie, Handel, Verkehr – Statistisches.

Russland nennen wir das Land der Russen, des weitaus größten Zweiges der slawischen Völkerfamilie. Das eigentliche „russische Land“ ist erheblich kleiner als der Umfang des ganzen Russischen Reiches, wie es vor dem Ausbruch des großen Krieges bestand. Die asiatischen Besitzungen, selbst Sibirien, das jetzt schon eine überwiegend russische Bevölkerung hat, sind noch immer als Kolonialländer zu betrachten. In Europa aber legt sich um das eigentliche Russland ein Kranz von Grenzgebieten, die sich das Russische Reich im Laufe der beiden letzten Jahrhunderte erobert und angegliedert hat, ohne sie dann auch völkisch und kulturell russisch mach zu können. Was aber die Russen in Europa über ihre ursprünglichen Sitze hinaus mit den Waffen und mit diplomatischen Verträgen hinzugewonnen und dann durch die landwirtschaftliche Besiedelung, die eine größere Zahl von Russen in das Neuland brachte als von den früheren Herren dort geblieben sind, sich dauerhaft erworben haben, das dürfen wir als Russland betrachten. Selbst die kleinen, in die gewaltig ausgedehnten Strecken der „russischen Erde“ eingestreuten Gebiete rechnen wir dazu, in denen jetzt noch eine sich ständig verringernde Mehrheit von Menschen andern Stammes, Ureingesessener oder vor den Russen Eingewanderter, den aussichtslosen Kampf gegen die russische Überflutung kämpft.

                        Russlands Ursprung und Geschichte

Die Urgeschichte der Russen verliert sich im Dunkel einer Vorgeschichte, die in die früheren Jahrhunderte des europäischen Mittelalters zurückgeht. Als aber im neunten Jahrhundert die Waräger die ersten geschichtlich beglaubigten Staaten her gründeten, normannische Ritter und Seefahrer, die nach der russischen Legende als Könige berufen wurden, um in dem „großen und reichen Lande“ Ordnung zu stiften, da fanden sie ohne Zweifel schon eine feste soziale Ordnung vor, deren Spuren noch lange weiter wirkten. Sie gründeten zuerst im Norden Nowgorod, bald aber im Süden an einer ungemein günstig gelegenen Stelle Kiew, wo sich schnell ein mächtiges Fürstentum bildete. Die Beziehungen zu dem noch mächtigen und im Glanze hoher Kultur strahlende Byzanz führten zur Annahme des Christentums in der orientalischen Gestalt. Das Warägerreich wurde als Teilfürstentum mit einer sehr eigentümlichen Ordnung der Rangfolge organisiert, die immer dem Ältesten des Hauses den großfürstlichen Sitz in Kiew sichern sollte. Diese unhaltbare Ordnung führte zu schweren inneren Wirren, aus denen einzelne Teilfürstentümer mächtig und halb unabhängig hervorgingen. Schon damals erlangte das Fürstentum von Halitsch nach dessen Sitz später Galizien benannt wurde, eine hervorragende Bedeutung. Im Nordwesten aber wurde Nowgorod und seine Nachbarstadt Pskow, die sich als Adelsrepubliken konstituiert hatten, mächtig und selbstständig.

Sehr früh, wohl schon ums Jahr 1000, begann die Wanderung der Völker dieses Reiches, dessen herrschende Schicht sich „Ros“ nannte, nach Nordosten, wo sie rasch bis an die Wolga und nordwärts sogar bis ans Weiße Meer vordrangen, anscheinend nur wenig bekämpft von den schon lange hier ansässigen finnischen Stämmen, die sich zum großen Teil mit den neuen Einwanderern vermischten. Das großrussische Volkstum, das der Trägen des mächtigen Reiches werden sollte, entstand auf dieser Grundlage. Einige Forscher, vor allem Polen, wollen den Namen „Russen“, der von „Ros“ abgeleitet ist, nur den Großrussen beilegen und verwenden als Bezeichnung für die Gesamtheit der vom alten Kiewer Reich ausgegangenen Zweige der ostslawischen Völkerfamilie das Wort „Reussen“, eine lautliche Nebenform, der keine besondere geschichtliche Berechtigung zuerkannt werden kann.

Das Reich von Kiew hatte, nachdem es unter Jaroslaw dem Weisen um 1050 seine höchste Blüte erreicht, unter äußeren Angriffen nicht weniger zu leiden als unter den inneren Spaltungen. Von Westen machte sich schon der Druck des polnischen Reiches geltend, von Osten aber drohte eine ungleich größere Gefahr: die Mongolen. 1240 erstürmten sie Kiew, fast gleichzeitig kamen auch die nordrussischen Fürstentümer, zu denen jetzt der Großfürstentitel und gegen Ende des Jahrhunderts auch das höchste geistliche Amt, das des Metropoliten, übergingen, unter die Hoheit der Tataren. Die Teilfürstentümer westlich von Kiew fielen den Polen zu. Das südliche Reich der Russen war verfallen, das Volk aber erhielt sich unter langer Fremdherrschaft seine Eigenart.

Die tatarische Herrschaft war im Norden weniger drückend. Sie beschränkte sich meist auf die Erhebung eines Tributes, dessen Einsammlung den russischen Fürsten übertragen war. Bald wurde der Großfürst von Wladimir für den Tribut aller verantwortlich, wodurch er natürlich auch die Macht erhielt, ihn bei allen Fürsten einzutreiben. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts siedelten das Großfürstentum und der Metropolit nach Moskau über, das nun zum Sitz eines neuen Reiches wurde. Je mehr die Macht der Tataren verfiel, desto mächtiger wurde der Großfürst auch im Innern und als Iwan III. (1462-1505) sich endgültig von den Tataren befreite, konnte er auch die Einrichtung des Teilfürstentums, die zu einer maßlosen Zersplitterung des Reiches zu führen drohte, völlig umgestalten, obwohl ihre Spuren bis zum Untergang der Dynastie nicht völlig verwischt waren. Großfürst Iwan kann als der eigentliche Schöpfer des Moskauer Staates betrachtet werden. Von seiner Gemahlin, einer Tochter des letzten Kaisers von Byzanz aus dem Hause Paläologos, übernahm er das oströmische Wappen des Doppeladlers und den Anspruch auf die Schutzherrschaft über die griechisch-orthodoxe Christenheit. Sein Sohn vollendete das Werk der Einigung der russischen Fürstentümer, sein Enkel Iwan IV. der Schreckliche (1533-1585) machte sich endgültig zum Herrn des Nordens, indem er die Macht Nowgorods vernichtete und Kasan eroberte. Durch die Eroberung von Astrachan griff er weit in den Orient hinein. Unter ihm begann auch schon die fast ohne Zutun der Moskauer Regierung verwirklichte Eroberung Sibiriens durch Abenteurer und Kosaken.

Iwan IV. hatte den Titel eines Zaren (König) angenommen und sein Nachfolger ließ den Moskauer Metropoliten zum Patriarchen erheben. Dieser glanzvollen Erhöhung des Reiches und der Dynastie, die ihre Herkunft auf den halb mythischen Waräger Rurik zurückführte, folgte aber eine schwere Krise, da der direkte Mannstamm erlosch und in die inneren Wirren, die sich aus den Thronstreitigkeiten und dem Auftreten falscher Prätendenten ergaben, die Polen eingriffen, die einige Zeit in Moskau herrschten. Ein Volksaufstand vertrieb sie und führte zur Wahl eines neuen Zaren durch die Versammlung der altbürtigen moskauer Edelleute, der Bojaren. Sie wählten (1613) Michail Feodorowitsch Romanow, nach dem sich die noch heut in Russland herrschende Dynastie nennt.
Russland 000

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Russland 000. Anmerkung zu den Bildern (1)

Russland 000. Anmerkung zu den Bildern (1)

Russland 000. Anmerkung zu den Bildern (2)

Russland 000. Anmerkung zu den Bildern (2)

Russland 000. Einführung, Original, Frakturschrift

Russland 000. Einführung, Original, Frakturschrift

Russland 000. Europäisches Russland, Karte

Russland 000. Europäisches Russland, Karte

Russland 000. Literatur

Russland 000. Literatur

Russland 000. Seite 9

Russland 000. Seite 9

Russland 000. Vorwort

Russland 000. Vorwort

Russland 001. Der Metropolit von Petersburg eröffnet eine Prozession

Russland 001. Der Metropolit von Petersburg eröffnet eine Prozession

Russland 002. Petersburg, Winterpalast, Architekt Rastrelli

Russland 002. Petersburg, Winterpalast, Architekt Rastrelli

Russland 002. Petersburg. Der Taurische Palst (Gebäude des Reichsduma)

Russland 002. Petersburg. Der Taurische Palst (Gebäude des Reichsduma)

Russland 003. Petersburg, Altes Michael-Palais (Ingeneurschloss)

Russland 003. Petersburg, Altes Michael-Palais (Ingeneurschloss)

Russland 003. Petersburg, Denkmal Peters des Großen

Russland 003. Petersburg, Denkmal Peters des Großen

Russland 004. Petersburg, Blick von der Newa auf die Isaakskathedrale und den Palast des Heiligen Synod

Russland 004. Petersburg, Blick von der Newa auf die Isaakskathedrale und den Palast des Heiligen Synod

Russland 005. Petersburg, Museum Alexander III.

Russland 005. Petersburg, Museum Alexander III.

Russland 006. Petersburg, Holzbarken auf der Fontanka bei Eisgang

Russland 006. Petersburg, Holzbarken auf der Fontanka bei Eisgang

Russland 007. Petersburg, Alexandersäule, errichtet von Nikolaus I. zur Erinnerung an den Sieg über Napoleon

Russland 007. Petersburg, Alexandersäule, errichtet von Nikolaus I. zur Erinnerung an den Sieg über Napoleon