Rundschau im Gebiete landwirtschaftlicher Maschinen und Ackergeräte in spezieller Beziehung auf Mecklenburg und Pommern.

Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft. Band 4 (Des Mecklenburgischen Gemeinnützigen Archivs Neue Folge)
Autor: Labahn, Th. (?-?) Greifswald, Erscheinungsjahr: 1854

Exemplar in der Bibliothek ansehen/leihen
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Landwirte, Bauern, Ackerbau, Landwirtschaftsmaschinen, Dr. Alban, Ernte, Erträge, Landarbeit, Ackergeräte, Dreschmaschinen,
Inhaltsverzeichnis
  1. Dreschmaschinen
  2. Kornreinigungsmaschinen, Getreide-Quetschmaschinen
  3. Häckerlingsmaschinen (Dr. Alban)
  4. Drillmaschinen, Kornmähmaschine,
  5. Drainröhrenpressen, Ackergeräte,
Kaum 2 ½ Jahre sind verflossen, seit sich die Pforten des Kristallpalastes in London schlossen, und wohin wir die Blicke wenden, sehen wir die Spuren höherer Betriebsamkeit, erkennen wir die segensreichen Wirkungen dieses weltgeschichtlichen Ereignisses. Erinnern wir uns der aufgehäuften, kaum zu beherrschenden Masse von Gegenständen menschlichen Kunst- und Gewerbefleißes aller Völker der Erde, so weilen wir doch vorzugsweise länger in den Räumen, wo landwirtschaftliche Maschinen und Ackergeräte in einer Mannigfaltigkeit, und teilweise in einer Vollendung sich den Blicken des Beschauers darboten, wie wir sie bisher auf dem Kontinente nur ausnahmsweise kannten, und jetzt, meines praktische Wirkungskreises gedenkend, glaube ich eine zeitgemäße und angenehme Aufgabe darin zu erblicken, dass ich nicht nur auf diejenigen Maschinen und Ackergeräte aufmerksam mache, welche sich in dieser kurzen Zeit in Mecklenburg und Pommern das Bürgerrecht erworben haben, sondern auch die erwähne, welche hier bisher nicht die Anerkennung gefunden haben, die ihnen in ihrer Heimat längst zu Teil geworden ist, so unmittelbar darauf hingeführt, nach den Ursachen ihrer bisherigen geringen Anwendung zu forschen.

Unter den zur letzten Kategorie zu zählenden Maschinen muss ich zuvörderst die transportable Dampfmaschine nennen. Die große im Mai 1852 stattgefundene landwirtschaftliche Ausstellung zu Güstrow, eine der bedeutendsten bisher in Deutschland gesehenen, lernte uns in verschiedener Weise die Anwendungsfähigkeit der Dampfmaschine kennen. Dennoch sind seither nur wenige Exemplare von großen Landwirten angeschafft worden. Uns nach der Ursache dieser Erscheinung erkundigend, hören wir gewöhnlich, dass die Ankaufssumme zu hoch erscheint und auch die Unterhaltungskosten, namentlich das Brennmaterial, zu hoch zu stehen kommen. Mir scheinen, gestützt auf folgende Tatsachen, diese Angaben in vielen Fällen nicht die Geltung zu verdienen, welche man ihnen beilegt. Eine Dampfmaschine von 5 — 6 Pferdekraft kostet hier gefertigt 1.500 Thaler. Rechnen wir die Zinsen des Kapitals zu 5 Prozent, die Abnutzungs- und Unterhaltungskosten, Brennmaterial ausgeschlossen, 10 Proz., so repräsentieren beide Faktoren die Summe von 219 Thlr. pro Jahr und von 18 ¼ Sgr. pro Tag. Hierzu kommen nun die Kosten der Feuerung. Steinkohlen, das beste und bequemste Brennmaterial für transportable Dampfmaschinen, wird man in den Küstenländern der Nord- und Ostsee die Last zu 72 preußische Scheffel durchschnittlich zu dem Preise von 18 Thlr. beziehen, und wenn, wie erwiesen, eine Maschine von angegebener Kraft pro Tag — 10 Stunden — 5 ¾ Ztnr. guter Kohlen, oder 7 Scheffel preuß. Maß gebraucht, so repräsentiert dies eine tägliche Ausgabe von 1 Thlr. 22 ½ Sgr.; sämtliche Unterhaltungskosten der Maschine stellen sich demnach pro Tag auf 2 Thlr. 10 ¾ Sgr. Angenommen nun, es würde durch dieselbe eine große Dreschmaschine von 4 Pferdekraft mit Strohschüttler und Reinigungsapparat in Betrieb gesetzt, so hätten wir eben die Tageskosten von 4 Pferden denen der Dampfmaschine gegenüber zu stellen. Ich nehme diese pro Pferd, Fütterung und Abnutzung jeder Art eingeschlossen, zu 15 Sgr. an und sind diese, wie ich glaube, nicht zu hoch gegriffen, so würden die Kosten für 4 Pferde 2 Thlr. betragen, sich also anscheinend etwas niedriger stellen als die der Maschinenkraft. Aber nur anscheinend, denn wenn jene Dreschmaschine mit den genannten Hilfsapparaten mit voller Kraft den Tag hindurch betrieben werden soll, so müssen, um den Effekt der Dampfmaschine annähernd zu erreichen, notwendig die Pferde alle 2 Stunden gewechselt, also 8 Pferde genommen werden. Die Nützlichkeit der Anwendung einer Dampfmaschine ist demnach nicht zu verkennen, aber nur dann kann dieselbe entschieden hervortreten, wenn sie vielfach beim Betrieb anderer landwirtschaftlicher Maschinen Verwendung findet. Die Gelegenheit hierzu ist in den großen Wirtschaften Mecklenburgs und Pommerns unzweifelhaft vorhanden. Halte ich demnach für diese die Anschaffung einer Dampfmaschine überhaupt für nützlich, so vermag ich doch für hiesige Verhältnisse nur in wenigen Fällen die transportable so nützlich, als eine feststehende zu erachten. Es ist allerdings wahr, dass die Bequemlichkeit, den Raps und das Mietenkorn auf dem Felde auszudreschen, groß ist; aber kann man die transportable Maschine nicht zugleich zum Ent- und Bewässern benutzen, so werden diese Lichtseiten dadurch sehr verdunkelt, dass eine solche Maschine mehr Brennmaterial erfordert, dass ihre Dauerhaftigkeit selbst bei erhöhter Sorgfalt leidet, und dass endlich unsere Winter unbeständig und durch große Schneemassen oft störend für die Arbeiten im Freien sind. Wendet man dagegen eine feststehende Dampfmaschine an, so spart man nicht nur an Brennmaterial, sondern man kann auch mit Bequemlichkeit den weit billigeren und vielfach selbst gewonnenen Torf dazu benutzen; man ist ferner einer längeren Dauerhaftigkeit der Maschine versichert und endlich zu keiner Zeit durch die Witterung an dem Betriebe verhindert.

Erscheinen diese Vorzüge der stehenden Dampfmaschine im Vergleich mit denjenigen der transportablen wesentlich genug, um meiner Ansicht bei den Lesern Eingang zu verschaffen, so halte ich es doch für meine Pflicht, dieselben auch auf die sich darbietenden Schattenseiten aufmerksam zu machen. Zunächst bedingt die Aufstellung einer feststehenden Maschine die Aufführung eines Maschinengebäudes nebst Schornstein, und dann ist man ferner gezwungen, alle Maschinen, welche durch sie betrieben werden sollen, möglichst dem Motor nahe aufzustellen. Diese Umstände fallen allerdings ins Gewicht; — aber sie werden entkräftet durch die Gewissheit, dass die Anlagekosten gegen den geringeren Aufwand an Brennmaterial verschwinden, und dass, wenn auch in manchen Fällen die Lage vorhandener Wirtschaftsgebäude die angedeutete Anordnung der Maschinen schwierig, doch selten unmöglich macht. Am zweckmäßigsten wird das Maschinengebäude an einer Scheune, und zwar in der Mitte zur Länge derselben, errichtet, so, dass Häckerlings- und Quetschmaschine, Mahlmühle und Knochenstampfwerk — als die wichtigsten in einer großen Wirtschaft — darin Platz finden. Alsdann kann durch die Wellenverbindung nach der einen Seite mit Leichtigkeit die Dreschmaschine und nach der andern hin der Betrieb der übrigen genannten Werke bewirkt werden. Will man hiergegen einwenden, dass alles zu dreschende Getreide nicht in der Scheune Platz finde, ja die Arbeit in einer großen schon kostbarer werde, so scheint mir dieser Nachteil, wenn auch zugegeben, nicht wichtig genug, die gedachten Vorzüge wesentlich zu verkleinern. Ich fasse meine Ansicht schließlich dahin zusammen: Für die großen Güter Mecklenburgs und Pommerns empfiehlt sich die Anschaffung einer transportablen Dampfmaschine nur dann, wenn solche vielfach zum Ent- und Bewässern mit benutzt werden kann; in allen andern Fällen verdient die Einrichtung einer feststehenden Maschine den Vorzug.

(Fortsetzung)
Weltausstellung London 1851-

Weltausstellung London 1851-

Weltausstellung London 1851 Kristallpalast

Weltausstellung London 1851 Kristallpalast

Weltausstellung London 1851

Weltausstellung London 1851

Bauern beim Dreschen

Bauern beim Dreschen

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Pferdestall auf dem Gut

Pferdestall auf dem Gut

Viehmarkt

Viehmarkt

Dampfmobil (1)

Dampfmobil (1)

Getreide-Dreschen (2)

Getreide-Dreschen (2)

Getreide-Dreschen (3)

Getreide-Dreschen (3)

Getreide-Dreschen (4)

Getreide-Dreschen (4)

Getreide-Dreschen

Getreide-Dreschen

Getreide-Ernte

Getreide-Ernte

Maisernte

Maisernte

Mecklenburg, Getreideernte, Dreschkasten

Mecklenburg, Getreideernte, Dreschkasten

Mecklenburg, Getreideernte, Mähbinder

Mecklenburg, Getreideernte, Mähbinder

Pflügen - vier-spännig

Pflügen - vier-spännig