Joachim Slüter - Band 1

oder Die Einführung der Reformation in Mecklenburg
Autor: Wickede, Julius von (1819-1896) deutscher Offizier, Journalist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1869

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Joachim Slüter, Reformation, Rostock, Warnemünde, Mecklenburg, Mittelalter, Hansestadt, Hansa, Hanse, Luther, St. Petri, Geschichte Mecklenburgs
        I. Seemannsleben in Warnemünde im Jahre 1523.

Der jetzt so freundlich-behäbige Hafen- und Badeort Warnemünde, am Ausfluss der breiten Warnow in die Ostsee, zwei Meilen weit von der alten ansehnlichen Hansestadt Rostock gelegen, zeigte im Jahre 1523 noch einen recht wüsten und unwirtlichen Anblick. Nur um die bescheidene Kirche, deren niederer, plump aus gewaltigen Felsstücken erbauter Turm, Jahrhunderte lang dem Brausen der heftigsten Stürme trotzend, sich bis in unsere Gegenwart erhielt, lagen einige Dutzend kleine, mit Schilf und Stroh gedeckte Hütten.

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Von Seeleuten und Fischern erbaut und bewohnt, verkündeten die an langen Stangen vor den Türen zum Trocknen aufgehangenen Netze oder die an das Land zum Ausbessern gezogenen, sehr massiv gezimmerten Boote, schon äußerlich die Beschäftigungen ihrer Insassen. Wer hier in Warnemünde lebte, der musste das Meer schon als seine wahre Heimat, das Festland hingegen nur als unbedeutende Nebenzugabe betrachten, denn gar wenig bot ihm Letzteres zum Lebensunterhalt für sich und seine Familie. Der Kiel des behenden Bootes oder Kauffarteischiffes, das mit von frischer Kühle geblähten Segeln die Wellen in rascher Fahrt durchfurchte, musste den Warnemündern den Pflug ersetzen, das Ruder war ihr Grabscheit, das Meer allein das Feld ihrer Tätigkeit und nur zu oft auch ihr Grab, wie sein gewaltiges Brausen auch schon ihr erstes Wiegenlied gesungen hatte. Öde und unfruchtbar war die ganze Gegend rings um den Ort, so weit das Auge nur reichte. Wo jetzt der Menschen Fleiß den kargen Boden mit unendlicher Mühe allmählich in bebautes Land, was selbst ziemlich stattliche Lindenbäume und hübsche Garten-Anlagen trägt, verwandelte, da lagen damals noch die weißen Dünenhügel. Durch keine Umzäunung oder Anpflanzung von Dünengewächsen gehindert, trieb der Stoßwind sein neckisches Spiel mit dem feinen, scharfen Flugsand. Oft türmte er solchen zu mehr als haushohen Hügeln und Kuppen von mitunter seltsamen, phantastischen Formen auf, bis er dann im nächsten Augenblick wieder sein eigenes Werk zerstörend, den feinen Sand über alle Felder weit hinstreute, so jegliche Kultur derselben völlig verhindernd. Während am rechten Ufer der Warnow die dichten Waldungen der sich meilenweit erstreckenden „Rostocker Heide“ den fernen Horizont umsäumten, war in und um Warnemünde herum kein Baum, ja kaum nur hier und da ein dürftiger Strauch, der des Windes Macht nur etwas gebrochen hätte, zu entdecken. Kein fröhlicher Vogelgesang ließ sich hier hören und nur das ewig heisere Angst- oder Zorngeschrei zahlloser Fischmöwen aller Gattungen, ab und zu mit den Rufen anderer Zug- oder Strandvögel untermischt, erfüllte die Luft. Freilich dem Auge gewährte eine solche, sich oft hoch oben in dem klaren Äther und dann plötzlich wieder dicht über den dunkeln Wogen des Meeres, in den kühnsten Flügen umhertummelnde Möwenschar, einen ungemein hübschen Anblick. Und nun gar wenn die Sonne die weißen zarten Federn und die mächtigen Flügeln dieser zierlichen Tiere mit ihren Strahlen färbte, so dass ihre ganze Gestalt wie aus flüssigem Silber geformt, erglänzte. Welch loses, neckisches Spiel trieben diese Möwenscharen unausgesetzt untereinander, mit welcher wirklich graziösen Gewandtheit kreisten die einzelnen Vögel, teils in mutwilligem Gehasche, häufiger jedoch in heftigem Zank und Streit, um sich aus neidischer Fresssucht die gefangene Beute eines Fisches gegenseitig wieder abzujagen, umher.
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