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Das Louvre.

Der erste Ursprung dieses Gebäudes so wie dessen Benennung ist ungewiß, und verliert sich in die graue Vorzeit. Einige wollen, daß das Wort von Lupara (ein zur Wolfsjagd geeigneter Ort) abstammen; andere, von dem altsächsischen Lower oder Luwear (Schloß) herleiten. Erst seit der Regierung Philipp, Augusts hat man authentische Nachricht von diesem Schloß. Es lag in einer weiten Ebene außerhalb den Mauern von Paris, und konnte zugleich als Lustort für die Könige, und als eine Veste, welche sowohl den Feind ab, wie die Pariser im Zaum, hielt, dienen. Unter dem erwähnten Philipp August nahm Paris so zu, daß das Louvre bald von Häusern und Straßen umgeben war. Es hatte damals ein sehr düstres Aussehen, ganz irregulär und ungleich gebaut, von vielen Thürmen flankirt, und von breiten und tiefen Graben umgeben. In der Mitte des großen Hofes war jener berüchtigte dicke Louvrethurm den der mehr erwähnte König erbaut haben soll, und welcher zuerst einigen Königen zur Wohnung diente, dann aber französischen Großen und selbst Souverains zum Gefängniß, unter diesen waren 3 Grafen von Flandern, Herzog Johann von Bretagne; Charles le mauvais, König von Navarra; der Herzog von Bar; der Landhauptmann Grailly von Buch, ebenfalls in denselben eingesperrt, starb aus Gram darüber. Der letzte Gefangene dieser furchtbaren innern Veste war Johann II Herzog von Alen?on, den Ludwig XI daselbst festhielt, auch Schätze, wenn sie welche hatten, verwahrten die Könige daselbst. Unter Franz I im Jahr 1528 wurde das furchtbare Gebäude demolirt —

Unter diesem Fürsten und Heinrich II erhielt überhaupt das ganze Schloß eine andere Gestalt, nachdem schon Carl VI und sein Nachfolger nur selten mehr das Louvre bewohnt hatten. Fast alle seine alten und so übelberüchtigten Thürme, wie den Hufeisenthurm, der Windalthurm, das Holz-Castell u. s. w. wurden niedergerissen, und neue Gebäude aufgeführt, die unter besagten Herrschern vollendet wurden, und unter dem Namen des alten Louvre bekannt sind. Carl IX, Heinrich IIl, Heinrich IV ließen sämmtlich dieses Schloß durch neue Bauten vergrößern, und Ludwig XIII ließ den großen Pavillon desselben aufführen.


In diesem Pallast war es, wo Carl IX verfluchten Andenkens von seiner verruchten Mutter Catharina von Medicis und andern Bösewichtern bestürmt, die scheußliche Metzelei der Protestanten anordnete, die unter dem Namen der Pariser Bluthochzeit bekannt ist. Sogar eine Stunde früher ließ die Frau Catharina das Morden anfangen, aus Furcht, ihr Sohn könnte andern Sinnes werden.

Es war der 24. August 1572 um 2 Uhr des Morgens an einem Sonntag, als auf ein Zeichen, welches die Glocken der Bartholomäuskirche gaben, das gräßliche Schlachten aller Hugonotten begann, mit denen man mit teuflischer Heuchelei vorher Frieden geschlossen, und ihr erstes Oberhaupt, den Admiral Coligny an Hof geladen hatte. Nicht weniger als einen ganzen Monat dauerte die schreckliche Schlächterei in allen Provinzen, und an 40,000 Menschen fielen unten den Beilen, Aexten und Mordinstrumenten aller Art, der wüthenden Ungeheuer. Coligny, der ehrwürdige Greis, war einer der ersten, den der mordlustige Herzog von Guise Meuchelmorden, und seinen Leichnam zum Fenster hinauswerfen ließ. Leider spielte ein Deutscher die Hauptrolle hierbei. — Durch die schändlichsten Lügen, indem man Coligny und seine Parthei beschuldigte, eine Verschwörung gegen das königliche Haus und alle Katholiken, angezettelt zu haben, brachte man das Volk zur Wuth gegen die Hugonotten, so daß es wie losgelassene Tiger zerfleischte, und manchen mordete, der gar nicht Hugonotte war. Die Königin Mutter selbst, führte ihre Kinder an der Hand unter den Galgen von Montfaucon, um, wie ein gleichzeitiger Geschichtsschreiber berichtet, sich am Leichnam des ermordeten Admirals daselbst zu weiden. Auch der König von Navarra, so wie der Prinz Condé, die man in dem Louvre eingesperrt hielt, waren in Gefahr ermordet zu werden, während man alle ihre Leute aus den Betten jagte und niedermachte, und in allen Straßen von Paris das Blut in Strömen floß. Der König selbst aber, Carl IX scheußlichen Andenkens, stand an einem Fenster des Louvre, und schrie den Schweizerhenkersknechten zu: „macht Alles todt, schont keinen.“ Die ganze Nacht durch wurde im Louvre so wie in der Stadt gemordet. Sobald der Tag anbrach, stellte sich der gekrönte Mörder an ein Fenster, welches auf die Seine ging, und schoß mit Carabinern, die er sich fortwährend laden ließ, auf die Unglücklichen, welche den Dolchen und Beilen entgangen waren, und sich mit Schwimmen durch die Flucht zu retten suchten, dabei hörte er nicht auf zu schreien: „tue, tue, tirons mordieu, ils s’enfuient.“ (Schlachtet! Mordet! Himmelsakramenter schießt, sie entfliehn.) — Doch wenden wir die Blicke von diesen Fluchwürdigkeiten, die leider nur zu wahr sind, und von so vielen gleichzeitigen Schriftstellern, unter denen der glaubwürdige und wahrhafte Brantôme ist, berichtet werden. Zur würdigen Feier dieses Höllenfestes schrieb der heilige Vater zu Rom — ein Jubeljahr aus!!!

Ludwig XIV ließ den größten Theil der Gebäude des Hofes des Louvres aufführen, und im Jahr 1665 wurden die Grundlage zu der jetzigen Hauptfa?ade gelegt, gewöhnlich die Collonnade des Louvre genannt. Damit der gewaltige Despot ja keine Hindernisse finden möge, das Gebäude baldigst zu vollenden, ließ er ein Edikt ergehen, durch welches bei schwerer Strafe, (10,000 Franken) es jedermann untersagt wurde, ohne seine Erlaubniß irgend ein Gebäude aufführen zu lassen, und jedem Arbeiter war es unter Gefängniß- und Galeerenstrafe verboten, an Privatgebäuden ohne die ausdrückliche Einwilligung des Königs zu arbeiten. Hätte man nicht glauben sollen, der Kaiser von Fez und Marocco oder der Pascha von Tunis hätte diese Befehle erlassen? Aber das Schicksal schien selbst des übermüthigen Königs spotten zu wollen, denn kaum war man in der Arbeit etwas vorgerückt, so brach Feuer in der Bildergallerie aus, und theilte sich schnell der großen Gallerie des Louvre mit. Man kannte damals noch nicht den Gebrauch der Feuerspritzen, und der abergläubische Fürst ließ das heilige Sakrament in Prozession um das Feuer herum tragen, um es zu beschwören, das half aber wie natürlich nichts, und man wurde desselben erst Meister, als man anfing an den Bauten einzureißen.

Im Jahr 1670 wurde das prächtige Gebäude vollendet. Unter Ludwig XV fuhr man noch einige Zeit fort, neuerdings an dem Louvre zu bauen, was aber bald wieder eingestellt, und erst 1804 wieder fortgesetzt wurde.

Von den beiden unermeßlichen Gallerien, welche das Schloß mit den Tuilerien verbinden, ist die gegen Norden noch nicht vollendet. Unter Napoleon war hier die reichste und schönste Gemälde-, Bildsäulen- und Antikensammlung der ganzen Welt, 1815 aber holte jeder der Beraubten seinen Antheil wieder, doch ist sie noch reich an Meisterstücken jeder Art geblieben. —

Das jetzige Louvre prangt mit einer 697 Toisen langen unermeßlichen Fa?ade, deren Colonade immer ein Meisterwerk der Baukunst bleibt. Claudius Perrault hat den Plan dazu entworfen, und um ihn zu prüfen, wurde ein Baurath berufen, welcher dessen Projekt als gut anerkannte. Perrault rief bei Erbauung dieses Peristyls, die Schönheit und Proportion der antiken Verhältnisse wieder ins Leben, ebenso wußte er den Formen die höchste Eleganz zu geben, indem er die Verzierungen mit großem Geschmack anbrachte. Es wäre zu wünschen, daß das Ganze des Baues nach der Anordnung dieses Peristyls vollendet worden wäre, dann würden dessen Verhältnisse eine Harmonie zeigen, die ihm nun nicht mehr beizubringen ist, denn von den vier äußern Seiten sind sich keine zwei einander ähnlich. Die Fa?ade von Pilastern ist gleichfalls Perraults Werk, aber ebenfalls nicht vollendet.

Die Gallerie am Ufer der Seine ist 1360 Fuß lang, die unvollendete aber, nach der Straße St. Honore hin, erst 480. Das Louvre enthält das National-Museum, die Bibliothek, die Kostbarkeiten der Krone, Gemäldesammlungen aus allen Schulen, und überhaupt alle kostbaren Schätze sowohl der Kunst als der Literatur. —

Bis zur Revolution vom Jahr 1789 erhielt sich im Volke die Sage, daß das Gespenst Carl IX so wie das seiner Mutter zu gewissen Zeiten im Louvre umgehe, und daß beide mit flammenden und zugleich blutbefleckten Gewändern bekleidet und heulend weinend, klagend und warnend mehr als einer hohen Person erschienen seyn. Auch Ludwig XIV und noch andere Erscheinungen wollen viele Personen in den langen Gängen, Corridors und Gewölben des Louvre gesehen haben, und haben mit allen möglichen Nebenumständen diese gräßlichen Gesichter beschrieben, doch hörte und sah man während der Revolution und unter Napoleons Herrschaft von allem dem nichts mehr, nur mit dem Wiedererscheinen der Bourbons, und namentlich unter Carl X, fingen auch diese Spukereien wieder an, sich zu zeigen, ja auch Napoleon will man während der Restauration mit vielen seiner gebliebenen Generäle und besonders in der Gallerie, welche die Tuilerien mit dem Louvre verbinden, öfters in der grausigen Mitternachtsstunde, Ordres und Befehle ertheilend, gesehen haben, aber die Juli Revolution von 1830 muß auch diese Erscheinungen verscheucht haben, da es seitdem ganz stille davon geworden ist.