Schlachtenmaler Adam über den Brand von Moskau.

Albrecht Adam, Schlachten- und Pferdemaler, geb. 1786 in Nördlingen, gest. 1862 in München. Machte die Feldzüge von 1809 und 1812, den letzteren im Gefolge des Prinzen Eugène Beauharnais, mit.

Schon im Laufe des ersten Tages am (14. September) begann es in einem entfernten Stadtteile zu brennen, und während der Nacht nahm das Feuer rasch und auf eine bedrohliche Weise zu.
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. . . Die Disziplin und Ordnung, welche bisher nur noch mühevoll eingehalten worden, ging rasch in Demoralisation über. Napoleon hatte zwar ein Strenges Verbot gegen das Plündern erlassen, das sich aber gänzlich unausführbar erwies. Anfangs war es nur Gesindel. Marodeurs, Dienerschaft und die Masse von Leuten, die einer solchen Armee nachziehen, und da man viele Lebensmittel und Getränke fand, so fehlte es nicht an Exessen und Brutalitäten. Nach und nach ging das aber auch auf die Soldaten über und wurde allgemein. Wer wollte auch unter den obwaltenden Verhältnissen in dem brennenden, so weit ausgedehnten Moskau den Soldaten überwachen! Moskau war das Ziel seiner Hoffnungen, hier hatte er den Lohn für seine riesenhaften Anstrengungen erwartet, er fand ihn nicht und nahm sich ihn nun selbst. So gut er konnte. Man sah auf den Straßen die wunderlichsten Szenen. Anfangs suchte man nach brauchbaren Dingen, viele aber beluden sich wie Lasttiere mit Gegenständen, die sie voraussichtlich nicht mit sich fortschaffen konnten. Mein eigener Diener schleppte mit einem Kameraden eine Menge Kolonialwaren, Tücher, Luxusgegenstände aller Art zusammen. Dies alles lag im Hofe des Hauses, das ich bewohnte, aufgehäuft. Ich war ganz empört darüber, konnte aber nichts dagegen tun, wenn ich mich nicht von meinem eigenen Diener misshandeln lassen wollte. Alles war betrunken und in der größten Aufregung.

Zu diesem wüsten Treiben gesellte sich das Toben und Brausen des rasch zunehmenden Feuermeers. Keine Feder, kein Pinsel sind imstande, das tobende Element zu schildern. Der Ton, den es erregte, kann nur mit dem Brausen eines ungeheuren Wasserfalles verglichen werden, in dessen Nähe man ganz betäubt wird. Dazu denke man sich die verschiedenen Farben der Flammen, je nach den Stoffen, die sie verzehrten. Die wunderlich gestalteten und gefärbten himmelansteigenden Rauchsäulen, die öfters die Luft verdüsterten: das alles bot ein schauerlich-schönes Schauspiel . . . Durch löschen dem Feuer Einhalt zu tun, daran war nicht zu denken: es hatte zu schnell eine riesenhafte Ausdehnung bekommen und in kurzer Zeit ganze Stadtviertel in Asche gelegt. Wenn das Feuer auch auf einer Seite nachließ, so brach es auf einer andern desto wütender los. Man konnte nur zu deutlich erkennen, daß der Brand planmäßig geleitet war .....

Der Gefahr, ein Raub der Flammen zu werden und in Moskau in Dampf, Rauch und glühendem Aschenregen zu ersticken, war ich glücklich entgangen. Von Petrowski aus konnte man das großartige Schauspiel des Brandes ruhig betrachten. Es war in der Tat ein schauerlich-schönes Bild, ein wahres Feuermeer. Man glaubte, kein Haus in der Stadt werde stehen bleiben, soweit das Auge reichte, wirbelten himmelhohe, von brennenden Stoffen genährte, rotgelbe Rauchsäulen empor. Es war, als wollte die Erde sich in Feuer auflösen . . .

(Albrecht Adam, Aus dem Leben eines Schlachtenmalers.)




Adam entging mit knapper Not dem Flammentode. Kurz danach zog er in Eugène Beauharnais Gefolge nach Petrowski, einem zwei Stunden von Moskau entfernten Lustschlosse.


Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Befreiung 1813 - 1814 - 1815. Teil 1