Die deutsche Legion in St. Petersburg.

Ernst Moritz Arndt erzählt:

Viele deutsche Offiziere und zwar grade nicht von den gewöhnlichsten, waren aus der Heimat entwichen und gegen Osten gezogen. . . Diese Entwichenen, meistens Preußen, treue tapfere Männer, meinten hier nicht gegen, sondern für ihren Herrn und König zu fechten . . . Viele dieser Entwichenen fochten nun mit im Heere, andere lebten in Petersburg, um aus deutschen Gefangenen, Überläufern und Freiwilligen eine Deutsche Legion zu bilden, welche Fahnen und Schwerter erheben sollte, so wie der Sieg aus diesem Osten gegen die vaterländischen Grenzen nach dem Westen vorrücken würde. An der Spitze der Errichtung dieser Legion standen der regierende Herzog von Oldenburg, auch er ein entwichener Flüchtling, der Graf Lieven, jüngst noch Gesandter in Berlin, und der Minister vom Stein, die ungleichsten Männer; was viele kleine Häkeleien gab. Der Herzog, ein würdiger trefflicher Fürst, war feierlich, kalt und gemessen und freilich nicht gemacht, soldatischen und kriegerischen Angelegenheiten Atem und Feuer einzublasen. Der kurze Stein war in Verzweiflung, wenn er mal mit ihm sich besprechen und beraten mußten „der steht vor mir ganz wie der alte deutsche Reichsprozess und dociert mir zwei, drei Stunden stans pede in uno“ pflegte er von ihm zu sagen. . .
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Durch die langsame und etwas pedantische Weise des Herzogs wurden die armen Offiziere auch oft zur Verzweiflung gebracht, und die feurigsten waren oft nahe daran, sich von dem ganzen Plan zurückzuziehen und sich lieber in dem russischen Heere zu verlieren, wo ihnen freilich auch nicht leicht eine würdige Tätigkeit beschieden ward, zumal da die Russen, als es mit ihren Dingen anfing glücklicher zu gehen, gegen die Fremden, die sie nicht leiden können, einen unerträglichen Stolz und Hohn übten. Das war eine harte Geduldprobe vieler trefflichster Männer; doch hat Gott ihnen verliehen, im Jahr 1813 ihre Schwerter fürs Vaterland mit welschem Blute zu röten.

(Arndt, Wanderungen.)




Inschrift auf der Fahne der deutschen Legion.

Auf! Auf! gekommen ist die Zeit,
Es fällt der bunte Drache,
Aus allen Ländern weit und breit
Erklingt der Ruf der Rache!

(Aus Ernst Moritz Arndts Gedicht. ,,An die Teutschen.“


Dieses Kapitel ist Teil des Buches Die Befreiung 1813 - 1814 - 1815. Teil 1