Völkermord der Zukunft!

Werden die Instinkte, werden die sozialen Ordnungen, die von altersher die Völker in den Krieg trieben, die Menschheit ewig beherrschen? Dass auch der Krieg unter dem Gesetze der Entwicklung steht, ist Axiom. Läuft diese Linie auf eine Verminderung und, folgerichtig, auf eine Beseitigung der Kriege hinaus? Die Ideale der Wahrhaftigkeit, des Mutes, der Todesverachtung, werden sie jemals ihren verführerischen Reiz verlieren? Oder werden die Blicke der Menschheit länger als auf der Pracht todbereiter Sturmkolonnen auf dem Jammer des Schlachtfeldes ruhen, der die Menschheit schändet, der jede Antwort auf die Frage „Warum?“ verstummen lässt!

Und wenn die auf die Verminderung der Kriege abzielende Entwicklungslinie sich einwandfrei nachweisen lässt, ist diese Entwicklung gegen alle Störungen gefeit? Birgt nicht sogar der alte, vielfach durchpflügte Boden Europas noch Stoff zu entsetzlichen Umwälzungen und furchtbaren Explosionen? Regt sich neben der unzweifelhaften Tendenz zur Internationalität nicht gerade in unseren Tagen der Nationalitätenhader stärker als zuvor? Und gibt es nicht neben der Tendenz zur Milderung der Formen des Kriegführens eine Entwicklung, die zu einer blutigeren Gestaltung der Schlachten zu führen scheint?


Wird der Friede durch die Beseitigung alter Herrschaftsformen kommen oder durch soziale Umwälzungen oder durch das Anwachsen der Staatenbündnisse und die vielfältige Verwicklung der Völkerinteressen?

Sobald man nur zu diesen Fragen den Mund öffnet, werden die Worte in der Brust erstickt. Zu zahlreich sind hüben wie drüben die Möglichkeiten, ungerechnet die Überraschungen, die jede Entwicklung zu kreuzen vermögen. Ich enthalte mich der Antwort. Auf Glauben und Hoffen läuft schließlich alles hinaus, was sich sagen lässt: Glauben an das Fortschreiten der Menschlichkeit und Hoffen auf den endlichen Sieg.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern