Moderne Schlachtenbilder in Worten

Die Betrachtungen eines europäischen Berichterstatters im Russisch-Japanischen Kriege, denen das folgende entnommen ist, geben ein Bild der modernen Schlacht.

„Hat man mit Hilfe eines starken Feldstechers einige feindliche Gestalten oder einige lange dunkle Streifen von der feindlichen Stellung, die Truppenformationen sein können, oder endlich einige ferne Staub- und Rauchwolken von ihren Batterien gesehen, so kann man schon von Glück sprechen.


Je näher man sich an die Gefechtslinie heranwagt, desto kleiner wird das Beobachtungsfeld. Die im Schützenkreise liegenden Soldaten sehen nicht viel mehr als den Rücken ihrer Vordermänner oder die Erdklumpen auf der Stelle, wo sie liegen. Sucht man aber einen weit entfernten, hochliegenden Ort auf, um mehr zu sehen, so werden die Einzelheiten zu Punkten und Linien, und nur das Artilleriefeuer gibt dem Auge und dem Ohr die Gewissheit, dass die Landschaft, die vor einem liegt, wirklich ein Schlachtfeld ist, auf dem gekämpft wird.

Die Infanterie liegt in Schützengräben oder an anderen Stellen, wo sie möglichst gute Deckung finden kann, und sie schießt nach einem Ziel, das in achtzig von hundert Fällen unsichtbar ist.

Die Artillerie steht in einem Graben oder hält sich in hohen Kornfeldern versteckt oder von Hügeln und Höhenzügen gedeckt, so dass von der ganzen Bedienung der Batterien nur ein einzelner Offizier sich eine einigermaßen richtige Vorstellung von der Stellung des Feindes machen kann.

Nicht nur die weite Ausdehnung und der große Abstand zwischen den kämpfenden Heeren sind die Anzeichen einer modernen Landschlacht, sondern auch ihre Einförmigkeit. Das Auge nimmt sehr wenig Eindrücke auf. Die Truppen des Heeres, zu dem man gehört, liegen entweder ruhig in ihren Schützengräben oder bewegen sich langsam durch das Korn, das Gebüsch oder hinter einer Deckung, die das Gelände darbietet.

Die Kommandierenden Generale können sich nur eine Meinung von der Entwicklung der Begebenheit auf Grund der schriftlichen und mündlichen Meldungen bilden. Die für den Kampf entscheidenden Momente werden tatsächlich erst nach Beendigung desselben bekannt; dasselbe gilt von der Wirkung des Feuers.“
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern