Germanen zur Zeit der Völkerwanderung

Die taktische Einheit der Germanen war die im Durchschnitt zweihundert Mann starke „Hundertschaft“, die zugleich Familien-, Geschlechts- und Gaugenossenschaft war; die Form des Angriffs war der Keil, der „Sehweinskopf“.

Die Angelsachsen griffen noch zu Ende des 11. Jahrhunderts bei Hastings im Keile an.


Der germanische Schweinskopf hatte die gleichen Vorzüge wie die griechische Phalanx, mechanische Geschlossenheit und Stoßkraft; die Gaugenossenschaft erhöhte den moralischen Zusammenhalt und ersetzte so die römische Disziplin.

Die Schwerfälligkeit des eng massierten Heeres schloss ein Manövrieren nahezu aus; zwischen dem Siege, der durch den ersten gelungenen Stoß entschieden sein musste, und der Vernichtung im Falle des Misslingens gab es meist keine Mittelstufe.

Einen teilweisen Ersatz für die Mängel der starren Gliederung fanden die Germanen in den vorzüglichen Leistungen des leichten Fußvolks, das unter geschicktester Ausnutzung des Geländes in zerstreuter Ordnung kämpfte, und in ihrer vorzüglichen Reiterei.

Für den Kampf außerhalb der geschlossenen Schlachtreihe war jedem Reiter ein besonderer Fußfechter beigegeben; diese hatten die Reiter durch ihre Wurfwaffen zu unterstützen und dann in das Handgemenge einzugreifen, indem sie ihre Waffen namentlich gegen die Pferde des Feindes richteten. Artillerie (Wurfmaschinen) besaßen die Germanen nicht.

An der überlegenen Taktik der Römer und später der Byzantiner (unter Belisar und Narses) musste die primitive Gefechtsweise der Germanen scheitern.

In der Defensive bildeten die Germanen die „Schildburg“, als Marschlager diente die „Wagenburg“, die aus den Fahrzeugen des Trosses hergestellt wurde. Nur bei längerem Aufenthalte wurden Palisadierungen und Verschanzungen angelegt.
Dieses Kapitel ist Teil des Buches Der Krieg in Bildern