Belagerung von Stralsund. Band 1 und 2

Ein geschichtliches Erinnerungsbild.
Autor: Sydow, Wilhelmine Friederike Karoline v. (1789-1867) Schriftstellerin, Erscheinungsjahr: 1861
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Pommern, Stralsund, Rügen, Dreißigjähriger Krieg, Wallenstein, von Arnim, Hanse, Hansa, Belagerung, Schweden
zunächst den Bewohnern Pommerns hochachtungsvoll gewidmet

                                  Vorwort.

Während es für den Autor stets eine schwierige Aufgabe bleibt, der Lesewelt einen neuen Unterhaltungsstoff: „Roman“ genannt, zu bieten, dem bei der Verschiedenheit der Mode, der herrschenden Geschmacksrichtung, der Urteilsfähigkeit der Leser, ja selbst der Frage: „lebt der Verfasser an irgend einem dunklen Orte in stiller Abgeschiedenheit? oder am großen Markte der Literatur, beschirmt von ihren ersten Leitern und Wortführern?“ meist ein zweifelhafter, nur selten glänzender Erfolg zu Teil wird, — so ist es der „historische Roman,“ der seinem Schöpfer, sobald er ihn ins Auge fasst, auf lockendem Grunde eine doppelte Klippenwand zeigt, die glücklich zu überschiffen, sein Pensum wird.

Der Kenner fordert strenge unverfälschte Wahrheit, nicht darnach fragend, ob die bestaubten Chroniken, aus denen der Verfasser seinen Stoff zieht, in ihrer schwerfälligen, dabei aphoristischen Kürze, die ihm nur Namen und Daten und lose durch einander gewürfelte Ereignisse bietet, hinreichenden Charakter und Zusammenhang findet, um seinem Bilde Leben und Abwechselung zu verleihen.

Die Damenwelt fordert Romantik, süße anziehende Verhältnisse, leicht und blühend geschürzt, spannend verwickelt und glänzend gelöst, ohne dass die Chronik für alle diese Elemente ihm ein Körnchen bietet.

Der Cavalier, der Militär, der Zivilist dieses oder jenes Standes, wenn er ja ein Buch zur Hand nimmt, fordert Kriegszenen, Intrige, Witz, Abenteuer, Welt-, Hof- und Genrebilder, Roués, Loretten, politisches und industrielles Leben, Alles in den heißesten Farben gehalten, und dem Feinschmecker von Leser so Appetit-reizend aufgetischt, dass die früh abgestumpften Geschmacksnerven gleich bei dem ersten Bissen alle Delicen der Welt heraus fühlen müssen, soll er das Buch genießbar und des Weiterlesens würdig finden; während die Chronik von dem Allen schweigt — und es dem Verfasser überlässt, mit der Sonde seiner Gedanken in ihre Tiefen zu fahren und aus dürren Einzelheiten seine Gestaltungen zu erraten und zu formen, diese Einzelheiten gegen einander zu halten, zu verschmelzen, die Aufmerksamkeit der Seele auf die hie und da durchblitzenden Geistesfunken zu lenken, die Zeit der Handlung zu beachten, und aus dem Allen endlich seine Charaktere zu erkennen, sie festzuhalten, und mit Hinzuziehung der äußeren Hilfsmittel: „Staffage“ genannt, ein Lebensbild herzustellen, das ihm selbst klar und lieb wird, indes es die Leser jeder Gattung nach Möglichkeit befriedigt.

„Die Belagerung von Stralsund“ schien mir einer solchen Bearbeitung würdig. Der Heldenmut seiner Bürger, ihr einzig dastehender Triumph: die kriegerischen Pläne eines Wallenstein durchkreuzt zu haben, einen Lambert Steinwig und andere edle Patrioten an der Spitze; Wallensteins eigenes Auftreten; das leuchtende Heranschreiten Gustav Adolphs und anderer Heroen des dreißigjährigen Krieges; mancher lohnende Einblick in die pommersche Geschichte, die wir für die unterhaltende Darstellung noch wenig ausgebeutet finden; die Hofhaltung des vierzehnten Bogislaw, jenes letzten Herzogs von Pommern, mit welchem der Stamm seiner Selbstherrscher erlosch; die Rückblicke in die frühere Zeit und Herrlichkeit dieser Herrscher, welche ich zunächst in die Erinnerungen der Herzoglichen Witwe Sophie Hedwig von Braunschweig legte; ich hoffe, sie werden den Lesern willkommen sein, indem sie ihren Bücherschränken zugleich ein Stück reine unverfälschte vaterländische Geschichte bieten, umkränzt mit allerlei duftendem Rosen-, Myrthen- und Zypressengeflecht, das ich nur teilweise zur Staffage rechnen darf, da ich bloß ein paar einzelne, die Geschichte nicht um ein Haar verletzende Phantasie-Gebilde in meine Darstellung webte, und nebst ausgezeichneten historischen Quellen, die mir durch fremde Güte wie durch eigene Anschaffung zuflossen, selbst so glücklich war, einige pommersche und rügensche Familien-Chroniken zu erhalten, welche mir über die von Barnekow'sche, von Gagern'sche und andere Familien alles Licht gaben, was ich für meine Darstellung brauchte.

Wer an dem Steinwigschen Hause zu Stralsund Interesse genug nahm, um es bis an sein leider zu früh eingetretenes Erlöschen zu verfolgen, findet das Nähere auf dem Grabsteine des edlen Konsuls in der St. Nicolaikirche zu Stralsund verzeichnet.

Erfurt, im Februar 1861. Die Verfasserin

              Wer im Volk wüss’t nicht zu sagen,
              Wo das alte Stralsund liegt?
              Seine stolzen Türme ragen,
              Wo der kühle Belt sich wiegt;

              Wo die schöne Jungfrau Rügen
              Sich zum starken Pommern sehnt;
              Sich an seine Brust zu schmiegen
              Ihre weißen Arme dehnt.

              Wo das Meer, das dunkelblaue,
              Drum so ruhig fließt vorbei,
              Dass sich Stralsund d’rin beschaue
              Und erkenn’ wie schön es sei.

              Stralsund’s Türme und Gedanken,
              Einfach, aber hoch und kühn;
              Wie Gebet hinauf zu ranken
              Und das Herz zum Himmel ziehn.

                                          ******************
Die Gedanken, wie der Dichter eines späteren Jahrhunderts sie an die Turmspitzen der alten Seestadt heftet, sie bewegten sich eines schönen September-Nachmittags des Jahres 1627 voll und glühend in dem Herzen ihres ersten Konsuls, Herrn Lambert Steinwigs. Das sprechende Augenpaar des klugen sinnvollen Mannes warf dabei unter der leicht gerunzelten Stirn hervorsprühende Blitze auf ein entfaltetes Papier, das in seiner Hand ruhte, während ein anderes noch unerbrochen vor ihm auf dem Tische lag. „Also Friede zwischen Polen und Schweden in Aussicht — und vor der Tür der Wallenstein... nun wahre dich Pommerland!“ sprach er tief aufseufzend zu sich selbst und brach das zweite vor ihm liegende Schreiben. Als er den Inhalt durchflog, glätteten sich die Falten seiner Stirn, und ein zufriedenes Lächeln zerstreute den Ernst, welcher noch kaum darauf gethront hatte. Es brachte ihm Nachrichten über das Schicksal feines Pflegesohnes Alf Nordenskiöld, die nur von erfreulicher Art sein konnten, da sie die Stimmung des Aufgeregten so plötzlich zu wandeln vermochten.

Als er dem Verwaisten vor neunzehn Jahren Haus und Herz auftat, war dieser ein armer hilfloser Knabe; sein Vater, einer der Unglücklichen schwedischen Edelleute, welche nach der Schlacht bei Staengebro vom Polenkönig Sigismund dem Herzog Carl als Gefangene ausgeliefert wurden, war nach dem Reichstage von Sinköping mit den angesehensten schwedischen Ratsherrn, worunter sich der Reichskanzler Erich Sparre, Herr Thure Bielcke, Gustav und Sten Baren, und noch andere hochverdiente Männer befanden, auf Befehl des Tyrannen hingerichtet worden.

Die Witwe des Geopferten, von Geburt eine Deutsche, vermochte es nicht auf dem Boden auszudauern, der ihr Alles verschlungen hatte; sie zog nach Stralsund, woselbst ihr eine Tante lebte, die ihrerseits arm an Mitteln, doch reich an Seelengüte, das Wenige was ihr zufloss, gern mit der Flüchtigen zu teilen bereit war. Nicht lange sollte sie die schöne Pflicht ausüben, die Leidensnacht der Dulderin Mit den Strahlen sanften Mitgefühls und treuer Pflege zu durchleuchten; denn kaum hatte die Letztere ihrem Alf das Dasein gegeben, als gleichzeitig die Stunde schlug, welche ihren Leiden ein Ende machte.

Die brave Großtante hatte in jener Schreckensnacht, welche dem Neugeborenen, indem sie ihm das Leben gab, sein einziges Lebensgut: „die Mutter“ raubte, gelobt, ihm ihre Stelle zu ersetzen. Sie hatte ihm Wort gehalten, ihn mit der Milch ihrer Ziege und mit dem Salz ihrer Seele genährt, ihn wacker zu Schule und Kirche angehalten, und als sie ihr eigenes Stündlein nahen fühlte, da hatte sie den damals schon als Syndikus hoch angesehenen Doktor Steinwig bitten lassen, sie zu besuchen und ihm den Knaben als ein Vermächtnis an das Herz gelegt.

Herr Lambert Steinwig war zu jener Zeit mit Anna Klinskow vermählt, ihm gleich an Wert und Seelengüte, und es hätte nur der Bitte der Sterbenden bedurft, um dem Verwaisten Beider Wohlwollen zu sichern, als aber der schöne Knabe die großen dunklen Augen erst schüchtern forschend auf dem Syndikus ruhen ließ, und als dieser ihn mit dem Ton der Liebe fragte: „Willst du mit mir in mein Haus gehen?“ ihm um den Hals fiel, mit einem Ungestüm, dass des Knaben wallende Locken ihn, Stirn und Brust bedeckten, da war Alfs schöneres Los entschieden.

Der beste Unterricht, die treueste Pflege und zärtlichste Liebe ward ihm zu Teil, und diese Letztere zu vergelten, mit aller Wärme, wie Dankbarkeit und Zartsinn sie in einem reich ausgestattetem Gemüte entzünden ward Alfs unermüdliches Bestreben; ja als der Konsul den Schmerz erfuhr die teuere Gattin durch den Tod zu verlieren — und von der Zeit geheilt, zwei Jahre später sich mit Regina Völschow, einer angesehenen Patriziertochter aus Greifswald verband, da war es Alf gewesen der Balsam in seine Wunden geträufelt und Rosen auf den Altar seines neuen Glücks gestreut hatte.

Des Konsuls erste zwölfjährige Ehe war kinderlos geblieben, und Jedermann betrachtete Alf als den künftigen Erben des reichen Steinwig; eine Meinung die voreilige Schwätzer ihm selbst aufgedrungen hatten, bevor sein eigener aller Habsucht fremder Sinn darauf zukam; doch als er bereits die Universität bezogen hatte, und Frau Regina ihrem Gatten den ersten Sohn gebar, da wuchs nur Freude in seiner Seele das Glück seines Wohltäters dadurch vervollkommnet zu sehen, zugleich mit dem Vorsatz: für sich nun doppelte Schätze des Wissens zu sammeln, um bald in den Stand zu kommen sich eine eigene Stellung zu erwerben und seinem Pflegevater nicht fernere Opfer für sich zumuten zu dürfen.

In Vater Steinwigs Herzen erklangen dabei nicht minder helle Saiten für den Pflegesohn an. Er ließ ihn, als er ausstudiert hatte und ihm die besten Zeugnisse seines Fleißes und Wohlverhaltens vorlegte, auf Reisen gehen, wie es die Sitte der Zeit für jeden nach höherer Bildung strebenden bemittelten Jüngling vorschrieb und er es selbst seiner Zeit getan hatte; und als er wohl geschult und geglättet von diesen Ausflügen nach Stralsund zurückkehrte, da begegnete er seinem Durste nach nützender Tätigkeit für erst durch Arbeiten am dortigen Stadtgericht; doch hatte er ihn dieser Sphäre seit Kurzem entrückt, indem er seinen Schützling zu Herzog Bogislaw sandte, der ihn gebeten, ihm an die Stelle seines langwierig erkrankten Geheimschreibers einen zuverlässigen wohl unterrichteten jungen Mann zu schicken, dessen Persönlichkeit zugleich geeignet sei, dass er ihn wohl um sich leiden und seines Zutrauens würdig achten könne. Herr Lambert Steinwig wusste ihm kein besseres Subjekt als seinen Pflegesohn für jenen Posten zu empfehlen, und fast waren zwei Monate verstrichen, seitdem sich Alf bald in Stettin, bald in Wolgast an der Seite des Herzogs befand und sich seiner Zuneigung erfreute.

Herr Steinwig war indes weit entfernt, Alfs augenblickliche Stellung als einen Grundpfeiler seines künftigen Glückes zu betrachten, da er das Vorübergehende ihres Zweckes im Auge behielt; vielmehr hatte er im Stillen schon seit längerer Zeit gesucht auf anderen Wegen seinem Pfleglinge Rechte anzubahnen, die außerhalb der Grenzen des Schlendrians oder glücklicher Zufallsspiele ihm zu einer würdigen Selbständigkeit verhelfen sollten. Er wusste dass Alfs Ansprüche auf sein väterliches Erbe in Schweden keineswegs erloschen waren; um so mehr, als Gustav Adolph, der seit sechzehn Jahren die Krone trug, welche sein Vater, der neunte Carl, im Bruderkriege, bespritzt vom Blute seiner besten Untertanen errang, in seiner großmütigen Seele nur Abscheu gegen jede Gräueltat hegte, und wie er schon manche Ungerechtigkeit ausgeglichen hatte, die seine Vorgänger im Regimente verübten. Herr Steinwig wusste aber auch, dass die verwitwete Königin Christine von Holstein (Gustavs Mutter), bei mancher Tugend nicht ohne Herrschsucht und Eigenwillen sich großen Einfluss auf die Handlungsweise ihres Sohnes angeeignet hatte, und dass sich der unglückliche Nordenskiöld ihrer Gunst nicht zu erfreuen gehabt, das wurde ihm klar, als er die ersten Versuche gewagt hatte, durch Freunde in Stockholm die Ansprüche des jungen Alf zur Geltung zu bringen und man ihm zur Antwort gab: „So lange die Königin-Mutter lebe, sei daran nicht zu denken, da sie aus unbekannten Gründen von den Geopferten, die man hämisch der Verräterei angeklagt, und selbst auf arglose Privatbriefe an ihre Frauen und Verwandte fußend, zum Tode verurteilt gehabt, gerade Alfs Vater am meisten gehasst habe, und niemals dulden werde, dass König Gustav dem Sohn zurück erstatte, was ihrer Ansicht nach der Vater für alle Zeit verwirkt gehabt. Jetzt war sie tot, der König zwar abwesend; doch konnte man einleitend handeln und hatte sich der Konsul zunächst deshalb au Herrn Hans von Barnekow zu Ralswiek auf Rügen gewandt, den er hoch schätzte, ja von welchem er wusste, dass er mit Schweden in lebhaftem Verkehr stand, und namentlich dem tapferen Jacob de la Gardie, der Ebba Brahe, die angebetete Jugendflamme Gustav Adolphs, zur Gattin besaß, eng befreundet war.

Der Brief, welcher die Züge des Konsuls wie Sonnenleuchten erhellte, kam von Herrn Hans; indes er ihn durchsieht, geben wir dem Leser einen flüchtigen Überblick von Pommerns damaligen Zuständen und drohenden Gefahren.

Das Land blühte noch reich gesegnet im Schutze eines langen und ungestörten Friedens, dem seine Herzöge im Laufe von Jahrhunderten mehr oder minder Glanz zu geben verstanden hatten, indes beinahe im ganzen übrigen Deutschland die Schrecken des dreißigjährigen Krieges fast schon neun Jahre hindurch wüteten.

Es fragt sich, ob Pommerns gerühmteste Herrscher, von denen sich Mehrere durch kriegerischen Geist, durch kluge Staatswirtschaft, durch Förderung des Handels und der Industrie, ja selbst durch Geistesbildung und Gelehrsamkeit auszeichneten, ob, sagen wir, sie es vermocht hätten, das wehrlose Land gegen einen Kontakt überlegener Gewalten zu schützen, wie sie dasselbe jetzt, gleich der Fliege im Netze der Spinne umgarnten; doch weniger als von dem gutherzigen, aber furcht- und lenksamen Bogislaw dem Vierzehnten hätte es von Keinem zu hoffen gestanden, da er, in dem Bewusstsein: der letzte seines Stammes für fremde Nachfolger die Zügel der Regentschaft in den schlaffen Händen zu halten, sich längst als ein erlöschendes Licht zu betrachten gewohnt war, und dabei jeder angeborenen Tat- und Willenskraft entbehrte.

Es war ein anderer Herzog, den nicht der Zufall der Geburt, sondern sein kühner Mut, sein Stolz und flammender Eroberungsgeist dazu erhoben hatte, Herr Albrecht Wallenstein, Herzog von Friedland und durch sein neuestes Kriegsglück auch von Mecklenburg, welcher unserm Bogislaw als ein dräuender Riese gegenüberstand, und während er vorgab, Alles für seinen Kaiser und dessen Rechte zu tun, nicht übel Lust bezeigte, auch das gesegnete Pommern mit seinen Küsten, seinem Ostseehandel und befestigten Plätzen in die eigene weite Tasche zu schieben.

Sein Waffengefährte, der wilde Tilly, war der Erste gewesen, welcher den Krieg nach dem Norden Deutschlands geführt hatte, indem er siegreich längs der Weser herangezogen war und endlich bei Lutter am Barenberge den Dänenkönig Christian den Vierten, den treuen Helfer der Protestanten, auf das Haupt geschlagen und ihn genötigt hatte, sich durch Holstein in seine Erblande zurückzuziehen.

Pommern hatte in dieser Zeit einen schwachen Versuch gemacht, sich zu rüsten, aber die unkriegerischen Edelleute, welche nicht wie ihre tapferen Vorfahren zur Landeswehr kampflustig herbeieilten, waren größtenteils zu Hause geblieben und hatten ihre Knechte mit schlechten Kleppern statt der starken Streitrosse geschickt. Die Städte stützten sich auf ihre Privilegien, wonach sie zu keiner Landeswehr, sondern allein zur Verteidigung ihrer Mauern verpflichtet wären, und nur Stralsund schickte einen Hauptmann mit 90 Mann zur Besetzung des wichtigen Passes von Dammgarten.

Unterdes war Wallenstein nach der Niederelbe gekommen, hatte sich der festen Plätze Mecklenburgs bemächtigt, die Herzöge dieses Landes durch die Beschuldigung, „dass sie als Feinde des Kaisers die Dänen eingelassen,“ als Flüchtlinge aus dem eigenen Lande verjagt, und war mit Tilly sengend und brennend bis nach Fühnen und Seeland vorgedrungen. An den märkischen und mecklenburgischen Grenzen zeigten sich kaiserliche Scharen unter dem Obersten von Arnim, und einzelne Streifpartien überschritten bisweilen die Welse und Randow.

Nach der Überwältigung des Königs von Dänemark hatte Wallenstein die Gefahr erkannt, welche von dem siegreichen Schwedenkönig Gustav Adolph zu befürchten war, da ihn Religion und Verwandtschaft, am meisten wohl, wie er nach sich urteilte, die eigene versteckte Habsucht und Eroberungslust und die durch Holland zwischen Polen und Schweden angeknüpften Friedensunterhandlungen, stacheln mussten, sein krieggeübtes Heer so schnell als möglich gegen den Kaiser zu wenden.

Um dem Könige von Schweden zuvorzukommen, und durch die Besetzung der Seehäfen das gefürchtete Unternehmen zu verhindern, musste Wallenstein der pommerschen Küste sich versichern, was ihm nicht schwer dünkte, da ihm die Schwäche der Verteidigungsanstalten des Landes kein Geheimnis war. Im Widerspruch mit seinen bisherigen freundlichen Versicherungen hatte der Kaiser Ferdinand der Zweite, den ihm bereits vorgelegten Plan seines Oberfeldherrn genehmigt, und das vorauszusehende Erlöschen des pommerschen Fürstenhauses, da Bogislaws Ehe mit Elisabeth von Holstein kinderlos geblieben war, bestärkte ihn in dem Entschlusse, Pommern mit seinen Truppen besetzen zu lassen.

Da die Häfen von Mecklenburg von den Kaiserlichen erobert waren, so musste Wallenstein, der von dem Kaiser bereits mit dem Titel eines Admirals des baltischen Meeres beehrt worden war, auch Stralsund und die anderen pommerschen Seehäfen zu besetzen suchen, um von hier aus mit einer Flotte, welche die Hansestädte nach dem Willen des Kaisers ausrüsten sollten, die Dänen auf ihren Inseln anzugreifen und die Niederländer aus der Ostsee zu vertreiben. Bereits war die Mark Brandenburg und Mecklenburg mit kaiserlichen Truppen überfüllt, und noch immer bauten Herzog Bogislaw und die pommerschen Stände, mit Blindheit geschlagen, im ruhigen Vertrauen auf die gnädigen Versicherungen des Kaisers: dass die bis dahin beobachtete Neutralität durch dessen Truppen nicht verletzt werden könne.

                          Ende Kapitel I Band 1
Stralsund Stadtansicht

Stralsund Stadtansicht

Stettin, das Alte Schloss

Stettin, das Alte Schloss

Rostock Stadtansicht

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Lübeck Das Holstentor

Lübeck Das Holstentor

Wirtshausszene in der Hansezeit

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Hansewappen

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