Barnekow, Christoph Gottlieb Bogislav Freiherr von (1740-1829) königl. preuß. Oberforstmeister, Ritter des St. Johanniter- u. roten Adlerord., wie auch Ehrenmitgl. d. mecklenb. Patriot. Vereins - zu Teschevitz auf der Insel Rügen

Aus: Neuer Nekrolog der Deutschen, siebenter Jahrgang, 1829
Autor: Dr. Brüssow, Erscheinungsjahr: 1831
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Nekrolog, Nachruf, Biografisches
Er war zu Teschevitz auf der Insel Rügen geboren und erhielt den ersten Unterricht im elterlichen Hause, dann in Bergen durch den dortigen Probst Nestius, wo sich ihm der hohe religiöse Sinn und der unerschütterliche Glaube an die Liebe und väterliche Führung Gottes, die ihn vor vielen auszeichneten und nie, weder in Freude noch Schmerz verließen, tief einprägten. Darauf besuchte er die Hochschulen zu Greifswald, Kiel und Göttingen, wo er durch den 7-jährigen Krieg häufig mit den Offizieren der verschiedenen kriegführenden Armeen zusammenkam, in deren Gesellschaft der lebensfrohe Jüngling sich wohl befand und als Reiter und Voltigeur sich auszeichnete, wie überhaupt sein kräftiger Körper, der selbst bis ins höchste Älter nie von Krankheit angegriffen ward, in Leibesübungen Stärke und Leichtigkeit entwickelte. Bei der Ausbildung des Körpers ward aber keineswegs der Geist vernachlässigt, mit großem Fleiße der Jurisprudenz obgelegen und Philosophie und die römischen Klassiker eben so wenig verabsäumt; so sauber auch seine Zeichnungen in Kreide waren, so wurden sie dennoch durch die Baurisse übertroffen.

Da sich nach Beendigung der akademischen Studien im Vaterlande keine schickliche Anstellung fand, indem alle Kollegien überfüllt waren, so nahm er 1764 gern die Stelle eines Kammerjunkers in Schwerin an, wo er sich in einem solchen Grade das Zutrauen der herzoglichen Familie zu erwerben wusste, dass ihm die Führung des jüngeren Prinzen Friedrich Franz, des jetzt regierenden Großherzogs, mit anvertraut wurde, dessen Gnade und Briefwechsel ihn bis ans Ende seines Lebens beglückte. Auf einer Urlaubsreise zu den Eltern lernte er das Fräulein von Usedom kennen und führte es noch vor Ablauf des Jahres an den Altar, mit der Absicht, sich fortan dem Landleben zu widmen, da der Vater einen Teil seiner Güter, den Geburtsort Teschevitz, dem Sohn abtrat; aber der Herzog von Mecklenburg war dem Geschiedenen so gnädig gesinnt, dass sein Andenken in Schwerin noch fortdauerte und ihm als Beweis davon 1770 das Patent als Oberforstmeister mit dem Verheißen zugesandt ward, dass wenn es nicht an den nötigen Kenntnissen fehle, auch die wirkliche Anstellung erfolgen solle. Einer so schmeichelhaften Aufforderung war nicht zu widerstehen, zumal die Aussichten für den Landmann damals sehr trübe waren. Der junge Oberforstmeister ging also auf 1 Jahr nach Württemberg, wo er sich in Cannstatt die nötigen Jagdkenntnisse erwarb, darauf sogleich in dem ihm angewiesenen Reviere von Ludwigslust seinen Dienst antrat und oft bei Hofe erschien. So war denn nun B. in die behaglichste Lage versetzt, deren ganze Annehmlichkeit er einige Jahre mit Frau und Kindern genoss und sich vielfältiger Beweise von Gnade zu erfreuen hatte, die ihm auch, als er 1777 nach Rügen zurückkehrte, sein ganzes Gehalt als Pension überließ und dadurch besonders in späterer Zeit ihm Gelegenheit gab, seinen Hang zum Wohltun zu befriedigen. Der Pächter hatte das Gut in der höchsten Zerrüttung abgegeben, kein Gebäude konnte stehen bleiben, alles musste erneuert werden, hierzu kamen Viehsterben und Misswachs, und die häuslichen Ausgaben mehrten sich, denn die Familie wuchs bis zu 7 Söhnen und 3 Töchtern heran. Es war ein schwerer Anfang, der die Tätigkeit, den Mut die Ausdauer des Hausvaters auf eine harte Probe stellte; aber der Glaube an die helfende Hand der Vorsehung stand ihm bei und glücklich wurden alle Hindernisse überwunden: es trat Sauberkeit an die Stelle der Unordnung, die Gebäude erhoben sich schön und dauerhaft, und die Äcker sind noch bekannt durch Fruchtbarkeit. Bei diesen Beschäftigungen ward auch die Erziehung der Kinder geleitet, manches geschrieben und gedichtet, meistens ernsten, religiösen Inhalts; täglich wurden die Klassiker älterer und neuerer Zeit von verschiedenen Sprachen gelesen; als Freund der Natur waren ihm besonders Thomsons Jahreszeiten lieb, von den Römern zog er Cicero vor. Die Bibel war eine täglich neue Quelle zu Betrachtungen, zur Befestigung des Glaubens, der Liebe, der Hoffnung und wirkte in den Zeiten der Not erhebend, tröstend, beruhigend. Der Tod einer geliebten Tochter griff zuerst schneidend in das Herz des zärtlichen Vaters, der im Jahr 1786 mit 9 unmündigen Kindern an der Gruft der zärtlich geliebten Gattin stehen sollte. Da bedurft es wohl des festen Glaubens, um nicht zu verzweifeln, und doch sollten der schmerzhaften Schläge noch gar viele erfolgen.

1780 verheiratete sich der nun fast 50jährige Mann wieder mit Fräulein von Platen, mit der er in zufriedener, glücklicher Ehe bis ans Ende seiner irdischen Laufbahn lebte. Wie die Söhne heranwuchsen und sämtlich Neigung zum Militär zeigten, gab der Vater ihren Wünschen um so lieber nach, da er selbst stets großes Gefallen an dem Soldatenstande gefunden hatte, und alle traten nach und nach in königlich preuß. Dienste, wo sich einige besonders auszeichneten. Zwei Töchter der zweiten Ehe starben im zartesten Alter, auch die beiden geliebtesten Töchter erster Ehe als Braut und Frau, und 6 der Söhne, wovon zwei in den Freiheitskriegen 1313 und 1814, sanken im kräftigsten Alter ins Grab, so dass von 13 Kindern nur 2 Söhne den Vater überlebt haben, aus der ersten Ehe der jetzige preuß. Oberst des 6. Husarenregiments und aus der zweiten der jüngste Sohn, der Besitzer der väterlichen Güter. Aber all dieser Kummer vermochte nicht einen Geist zu beugen, der sein Vertrauen auf Gott gesetzt hatte und endlich noch viele Gelegenheit fand, seinen Schöpfer zu preisen und ihm zu danken. Die Befreiung des Vaterlandes von dem drückenden Joche der feindlichen Invasion, das Glück, den geliebten Großherzog in Doberan nach schmerzlicher Abwesenheit zu bewillkommnen, die Aufnahme in den mecklenburgischen patriotischen Verein, welches Andenken seiner lieben Mecklenburger ihm besonders wohl tat, die wiederholten Beweise der Gnade seines neuen stets verehrten Königs, der ihn 1815 mit dem St. Johanniterorden beehrte, 1825 in den Freiherrnstand erhob, ihn auch noch kurz vor seiner Auflösung an seinem 90. Geburtstage mit dem roten Adlerorden beschenkte, und eine bequeme, ganz sorgenfreie Existenz, mit den Mitteln und dem Willen Freude um sich zu verbreiten — wenngleich fast erblindet, doch übrigens einer seltenen starken Gesundheit, mit durchaus ungeschwächtem Geiste sich erfreuend — gaben dem Greise täglich Gelegenheit, dankend nach oben zu blicken. So weilte er in dem lieblichen Scheine eines heitern, ruhigen Abends gern noch bei den Seinigen; aber eben so freudig und ruhig ging er seiner Auflösung entgegen, die im eben angetretenen 90. Lebensjahre erfolgte.

Der Charakter des Verstorbenen zeichnete sich durch Festigkeit und Gleichmut in allen Lebensverhältnissen und Begegnungen aus; er war im Ganzen ernst, obgleich Scherz und heitere Laune ihm nicht fremd blieben. So tief und innig auch sein Gefühl war, so gab es sich doch nie in Klagen kund, und nie merkte man im Umgange das Leiden der Seele; jeder Kummer, jede Widerwärtigkeit nahm er mit Sanftmut wie eine Prüfung und weise Fügung des Himmels auf, in Ergebung die Weisheit verehrend, wenn auch nicht augenblicklich sie begreifend. Er versäumte den öffentlichen Gottesdienst in der Kirche nie. Für seine Person hatte er wenig Bedürfnisse; er war sehr sparsam, zu allen wohltätigen Zwecken und nützlichen Unternehmungen sehr freigebig, wie er denn auch, oft angesprochen, nie die meistens reichliche Hilfe versagte, denn er war ein wahrer Vater der Notleidenden. Vielfältig dauert sein Andenken in Ehren fort und wird voll Angehörigen und Fremden mit Liebe und Dank im Herzen bewahrt.

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Bergen auf Rügen

Bergen auf Rügen

Greifswald, Giebelhaus am Markt

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Rügen, Jagdschloss Granitz

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Rügen, Schloss Ralswieck

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Bad Doberan um 1800

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Bad Doberan - das Palais

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Bad Doberan von Althof

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Das alte Schloss

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Schwerin - die Stadtansicht

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Der Schweriner Dom vor 1845

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Die Neustadt

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Die Paulsstadt

Die Paulsstadt

Das Schloss um 1842

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Das Schweriner Schloß

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Schwerin

Schwerin

Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.

Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.