Album Mecklenburgischer Schlösser und Landgüter. Band 2

Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883)
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Themenbereiche
Enthaltene Themen: jacobson, Grambow, Schloss Basedow, Cramonshagen, Diekhof, Groß-Gievitz, Leezen, Schloss Ludwigslust, Matgendorf, Burg Penzlin, Prebberede, Rothenmoor, Burg Schlitz, Schorssow, Schwiessel, Varchentin, Villa Gustava
Über den Inhalt:

Das Ende des zwölften und die erste Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts war in Mecklenburg die Zeit des Widerstreites zweier Nationalitäten, der slawischen und der deutschen, und der endlichen Ausgleichung beider. Diese Ausgleichung fand zwar in allen allgemeinen und folgenreichen Beziehungen ganz zu Gunsten des deutschen Elementes statt, und es konnte nicht anders sein; denn das Wort der ewigen Wahrheit, Kultur und Gesittung, eine freiere Weltansicht und edlere Lebensgestaltung kam und kämpfte mit den Sachsen. Dabei aber ist wohl zu bemerken, dass diese Ausgleichung in den verschiedenen Gebietsteilen des alten Obotritenlandes verschiedene Wege einschlug und sich namentlich in der Nationalität der den einzelnen Gebieten angehörigen, edlen Geschlechter verschieden repräsentiert. In den von den Sachsen gestifteten Grafschaften und Bistümern sehen wir das wendische Wesen mehr durch das Deutsche ersetzt, das erstere mundtot gemacht und bei Seite geschoben; hier treten uns die Namen der deutschen Edlen entgegen, die die Waffen Heinrichs des Löwen getragen hatten oder ihren Siegen gefolgt waren. In den mecklenburgischen und nach der Teilung namentlich in den werle'schen Herrschaften dagegen vollzieht sich mehr eine wirkliche Ausgleichung. Das wendische Volkswesen macht hier den bleibenden realen Bestand aus, in welchem das deutsche Kultur-Element mehr durch die Religion und durch seine geistige Kraft, als durch zahlreiche und gewichtige persönliche Vertretung mächtig ward. An Borwins I. († 1227) Hofe, wie wir denselben aus den Zeugen, seiner Urkunden erkennen, erscheinen deutsche Ritter nur in einem geringen Bruchteil gegen die wendischen Edlen. Dies änderte sich freilich, als Borwins Enkel zur Volljährigkeit gelangten. Aber es erhielt sich hier grosser Besitz und traditionelle Machtstellung wendischer Dynastengeschlechter auch dann noch, als dieselben die Formen des deutschen Rittertums und häufig von ihren Lehen oder andern Merkmalen deutsche Namen angenommen hatten. Vielleicht war das Verlangen nach den Vorzügen dieser Stellung eine mitwirkende Ursache dazu, dass im Laufe des dreizehnten Jahrhunderts eine Anzahl edler, besonders wendischer Familien aus dem Westen, dem Schwerinisch-Ratzeburgischen, nach dem Osten wanderte und dort sesshaft blieb.
Das Schloss in Ludwigslust um 1880

Das Schloss in Ludwigslust um 1880

Burg Schlitz, Eichen im Park (www.bergringfoto.de)

Burg Schlitz, Eichen im Park (www.bergringfoto.de)

Burg Schlitz im Herbst (www.bergringfoto.de)

Burg Schlitz im Herbst (www.bergringfoto.de)