Der Rheinische Bund

Es kamen zwar verschiedene Bündnisse einzelner Städte zu Stande, welche den Zweck im Großen nicht erreichten. Nur zwei derselben waren von hoher Bedeutung und von weitestem Einfluss. Das erste war der Rheinische Bund, welchen im Jahre 1247 die Städte in den Rheinlanden, außer der Absicht ihre Reichsunmittelbarkeit zu bewahren, zur Abwehr gegen Zollzwang, dann gegen Raubritter, Städtebefehder, Straßenlagerer, Staudenhechte und alle anderen Störer des Friedens und der Sicherheit schlossen. Wir deuten die Sache etwas näher an. Die Wegelagerer und Konsorten schadeten viel, verschiedene Fürsten und Grafen durch stets neue Zollerpressungen am Main und Rhein nicht minder, und zwar in Betreff der Wasserfuhr wie der Landfuhr. Man nötigte die zu Wasser, den Landzoll, und die zu Land, den Wasserzoll zu erlegen. Diese und andere Drangsale reichen in die graue Vorzeit hinauf, und alle Klagen waren vergeblich. Da erwuchs eben durch den Versuch eines neuen Hindernisses endlich einiger tatkräftige Groll.

Einer der mächtigsten Grafen war Dietrich von Katzenellenbogen. Er war überaus reich, aber es gelüstete ihn nach mehr. Er überlegte sich die Sache und ersah sich einen guten Ort, an dem bisher die Schiffe, und zu Land die Waren auf der Achse, eine kurze Strecke weit plagefrei gewesen waren, nun es aber nicht mehr sein sollten. Er erbaute demnach die Beste Rheinfels und bezollte sogleich die vorüberfahrenden Schiffe. Mehrere Städte waren darüber höchst erbittert und wollten die Beste erstürmen, was ihnen aber nicht gelang. Hierauf handelte es sich um stärkere Einigung. Die von Mainz traten zuerst an, woselbst der Gewaltbote Arnold vor die Bürgerschaft trat, ihr das lange und neue Unheil vorstellte und den Plan zur Hilfe vorlegte. Sein, aller Art überzeugendes Wort griff durch, einige Anknüpfungen mit Städten fanden statt, Frankfurt voraus, und bald kamen die Abgeordneten der rheinischen, wetteranischen und westfälischen Städte zusammen, wobei sich notgedrungen auch mehrere Fürsten beteiligten. Dies war der Ursprung des rheinischen Bunds, welcher dem verwegenen Dietrich von Katzenellenbogen bald sein Handwerk legte. Acht Jahre nach seiner Stiftung ward der Bund vom ohnmächtigen Wilhelm, dem sogenannten deutschen König, bestätigt, was von Seite der Mitglieder angeregt, aber jedenfalls nur eine Form war. Denn derlei mächtige Bündnisse kümmerten sich in Wirklichkeit nicht um Kaiser und Reich. Die Verbündeten hatten nämlich die Stimme des Volkes für sich und außerdem gehörige Streitmittel durch Fuß- und Reitervolk, welches durch Erhebung von Steuern in Stand erhalten ward. Nebenbei wurden Hunderte von Wehrfahrzeugen auf den Main und Rhein gesetzt, welche die Schifffahrt beschützten. Die niederdeutschen Städte, Mainz an der Spitze, rüsteten fünfhundert solcher Bote, die oberländischen unter Worms hundert aus.
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Dieses Kapitel ist Teil des Buches Zur Geschichte des Handels