Zur Bienenzucht

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Vom Holzwärter Finck zu Guritz, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Bienen, Bienenzucht, Mehlfütterung,
Vor etwa zwei Jahren fasste ich den Entschluss, einen Bienenstand anzulegen, und zwar ebensowohl mir zur Freude wie zum Nutzen: die kleinen emsigen Tierchen sollten mir in meiner Einsamkeit Gesellschaft leisten. Dabei beabsichtigte ich dem Stande einen solchen Umfang zu geben, dass es sich verlohnte, die erforderliche Bedienung darauf zu halten, und dann über Einnahme und Ausgabe genau Buch zu führen, um am Schlusse jedes Bienenjahres einen Rechnungsabschluss machen und zur Beantwortung der Frage mitwirken zu können: welchen Ertrag gewährt die Bienenzucht in Mecklenburg?

Anfangs war es meine Absicht, erst im Herbst 1854 den ersten Bienenankauf zu machen; als ich indes von einem neuen Bienenfutter — Roggenmehl — las, beschloss ich sofort zwei Stöcke zu erwerben, um damit den Versuch der Mehlfütterung anzustellen. Am 27. März des genannten Jahres wurden mir dieselben von einem Züchter eines Nachbardorfes überbracht, der nicht wenig erstaunte, als ich den Ankömmlingen in seiner Gegenwart Mehl vorsetzte. Er meinte: das sei kein Bienenfutter und dieselben würden dadurch umkommen. Auch bei den kleinen Bienenwirten der Umgegend fand es vorerst wenig Eingang, wenn ich sie über die Mehlfütterung belehren sollte, und ich selbst ward an dem, was ich darüber gelesen, fast irre, als ich sah, dass nur wenige Bienen während etwa zweier Tage etwas Mehl eintrugen. Es hatte dies, wie ich später erkannte, seinen Grund darin, dass ich diese erste Mehlfütterung zu einer Zeit versuchte, wo die Natur den Bienen dasjenige, was das Mehl ersetzen soll — den Blütenstaub — reichlich darbot.

Ich wandte nun auf meine beiden Stöcke viele Sorgfalt, ja ich war vielleicht ein wenig zu verschwenderisch in der Honigfütterung, hatte aber dafür das Vergnügen, meine Bienen in einem außerordentlich guten Stande, gegenüber denen aller Nachbarzüchter, zu sehen. Meine Stöcke waren sehr volkreich und gaben früh ihre Schwärme, der eine vier, der andere zwei. Die nach lange anhaltender Kälte und ungünstiger Witterung nur wenige Tage dauernde Buchweizenblüte fand sie daher zum Eintragen gerüstet, während die meisten Züchter noch mit den Schwärmen zu tun hatten, was für diese um so schlimmer, als außer den Wiesen fast gar keine Bienenweide mehr aufkam.

Durch Zukauf einiger loser Schwärme brachte ich meinen Stand in diesem Sommer auf 12 Stöcke und im Herbst durch ferneren Ankauf von 20 auserlesenen Stöcken auf 32, mit welchen ich in den Winter ging.

Der Winter 1854/1855 war ein sehr harter und daher ungünstig für die Bienen, um so mehr, als er sehr lange anhielt. Dennoch gelang es mir, meine Bienen sehr gut durchzudringen, indem ich es an Sorgfalt hinsichtlich des Zudeckens der Stöcke etc. nicht fehlen ließ. Leider folgte dem ungünstigen Winter ein eben so ungünstiger Frühling, so dass es den Bienen an dem zur Ernährung der jungen Brut notwendigen Blütenstaub fast ganz fehlte. Deshalb sah man vielfach unter den Stöcken herausgerissene fast ausgebildete Brut liegen, ein sicheres Zeichen des Mangels an Material zur Ernährung derselben. Mir gelang es indes, diese üblen Folgen abzuwenden, und zwar durch die Mehlfütterung (indem ich den fehlenden Blütenstaub durch Mehl ersetzte), welche sich jetzt auf das Vollständigste bewährte.

Der erste sonnige Tag v. J. von hinreichender Temperatur (+11°R. im Schatten), welcher den Bienen nach so langem Einsitzen einen Ausflug gestattete, war der 13. April. Er überraschte mich gewissermaßen, indem ich, um nicht Nachbarbienen zum Raube auf meine Stocke herbeizuziehen, die Fütterung meiner Bienen wenigstens 100 Schritte vom Schauer entfernt vorzunehmen beabsichtigte und noch keinen passenden Platz dazu ausersehen hatte. Da gaben mir die Bienen selbst einen Fingerzeig, indem ihrer Tausende sich auf in gewünschter Entfernung frisch aufgeklaftertes Birkenholz niederließen, um den zuckerhaltigen Saft daraus zu saugen. Auf diesem Holze begann ich am nächsten Tage bei schönem Sonnenschein und +12° R. im Schatten die Mehlfütterung in wenigen Gefäßen (Honigfütterung), worüber die Bienen dermaßen herfielen, dass sie fast handhoch übereinander saßen, weshalb ich dieselben bald bis auf 50, incl. einiger großer Pappbogen und umfangreicher Schüsseln, vermehrte. Versuchsweise stellte ich ein Gefäß mit Honig in die Mitte der Mehlbehälter, dasselbe wurde indes in den ersten Tagen gar nicht und später auch nur, wenn vorerst Mehl eingetragen war, berührt. Ich setzte diese Fütterungsart bis zum 5. Mai ununterbrochen fort, denn selbst bei +3° R, sobald nur die Sonne aufblickte, flogen die Bienen zu dem bekannten Platz. Das verwendete Quantum (grobes Roggenmehl) betrug 40 Pfd., wovon 16 Pfd, 8 1/2 Loth Kleie als Rückstand blieben, die Bienen also, einschließlich des etwaigen kleinen Verlustes, 23 Pfd, 23 1/2 Loth fortgetragen hatten.

In Zukunft werde ich die Mehlfütterung, wenn sie durch den späten Eintritt der Vegetation indiziert ist, in den Stöcken vornehmen, was namentlich in den Dzierzon’schen Kastenwohnungen sehr gut ausführbar, aber auch bei den gewöhnlichen Strohkörben vermittels Unterstellung kleiner Schüsselchen zu bewirken ist.

Die bisher in einem Notschauer untergebrachten Stöcke waren vor der ersten Ausflucht in das während des Winters erbaute Bienenhaus gestellt und hatten sich im Frühjahr bis auf 60 vermehrt. Leider war auch das Jahr 1855 ein sehr schlechtes Bienenjahr. Des ungünstigen Frühlings ist schon Erwähnung geschehen; er machte ein unablässiges Honigfutter bis nach Johannis erforderlich, und war, in Verbindung mit dem ihm folgenden nassen Sommer, Ursache, dass weder die Wiesen noch die Heide irgend eine erhebliche Ausbeute lieferten, so dass den Bienen eigentlich nur der einige Tage reichlich blühende Buchweizen blieb. Sie hatten daher, als ungewöhnlich früh kalte Nächte und Tage eintraten, nur wenig eingenommen, so dass ich genötigt war, meine 60 Stöcke auf 44 reduzieren, was ich durch Austreibung des Volks und Verteilung desselben auf die übrigen Stöcke bewirkte. Indes auch mehre von diesen besaßen nicht den erforderlichen Honig zum Durchwintern, weshalb ich zur Kandis-Fütterung meine Zuflucht nehmen musste. Ich lege diesen in den Dzierzon’schen Wohnungen über die Waben und stelle bei den Rothe’schen Strohkörben nach ausgezogenem Spund ein mit Kandis gefülltes Käppel auf. Auch den nicht bedürftigen Stöcken teile ich Kandis zu, damit dieselben ihren Honig schonen und im Fall eines ungünstigen Frühlings noch spät davon haben.

Meine Bienenwohnungen habe ich möglichst warm herrichten lassen, so dass ich auch einen strengen Winter nicht zu fürchten brauche. Die Dzierzon’schen haben doppelte Wände aus halbzölligen Brettern mit einem Zwischenraum von 2—3 Zoll, welcher mit Spreu oder Heckerling fest ausgefüllt wird; auch nehme ich im Herbst alle Waben der oberen so wie die leeren der unteren Etage heraus, schiebe die bewegliche Tür nahe an die verbliebenen Waben und fülle den Raum zwischen dieser und der äußeren Tür mit Heu aus. Ein Gleiches geschieht mit der ganzen oberen Etage, nachdem über die Deckbrettchen Papierbogen gelegt wurden, damit kein Heu etc., zwischen die Waben gelangt. Die Strohkörbe habe ich mindestens 4 Zoll stark flechten lassen und bedecke die bewohnten zum Winter mit sehr dickem gras- und moosreichen Rasen. Das Schauer schließe ich mit Rouleaux von Leinwand, damit Zugwind, Regen und Schnee abgehalten werden, auch dienen dieselben dazu, die Bienen vom Ausfluge zurückzuhalten, falls Sonnenschein bei schneebedeckter Erde sie dazu verlocken sollte.

Die Kosten der Einrichtung, Anschaffung und Unterhaltung betrugen nun bis Ende des Bienenjahres 1855 — 256 Rth. 36 1/2 ßl.; ein Ertrag hat bis jetzt nur aus dem Verkauf von 25 Pfd. Wachs, à 22 ßl. = 11 Rth. 22 ßl., stattgefunden, welches noch dazu fast zur Hälfte aus dem zugekauften Futterhonig gewonnen war, ein Resultat, das allerdings wenig zur Bienenzucht anzuregen geeignet scheint. Dennoch halte ich die allgemeinste Verbreitung derselben, u. A. auch in der arbeitenden Klasse - namentlich für solche Leute, welche wegen Alters und Körperschwäche sich nicht mehr in Lohn verdingen können — für vorteilhaft und wünschenswert. Einmal habe ich die Überzeugung, dass mein angelegtes Kapital — eine Reihe von Jahren, worunter einige günstige Bienenjahre, ineinander gerechnet — sich gut verzinsen werde; zum Andern können und werden die Kosten, welche auf die 60 Stöcke, die ich im Herbst besaß, repartiert, etwa 4 Rth, pro Stock betrugen, sich bei weitem geringer stellen, weil der kleine Bienenzüchter einen großen Teil der Arbeiten, welche ich sämtlich gegen bare Zahlung beschaffen ließ, selbst verrichten wird, und wenige Stöcke auch ohne Errichtung eines kostbaren Schauers (selbst in der Wand einer Stube oder Kammer, dass Flugloch nach Außen, die Tür nach Innen) untergebracht werden können.

Außer der Überschätzung der Kosten ist es hauptsächlich zweierlei, was unsere kleinen Leute abhält, sich Bienen anzuschaffen. Einmal herrscht vielfach die irrtümliche Meinung, es könnten in einer Gegend der Bienen zu viele und die daselbst vorhandene Bienenweide gewissermaßen überjagt werden, etwa wie ein Grasfeld mit Vieh; zum Andern fürchtet man das Ausrauben seiner wenigen jungen Stöcke durch die Bienen der alten größeren Besitzer.

Was das Erstere betrifft, so ist die Besorgnis vor der Überfüllung einer Gegend, welche sich überhaupt zur Bienenzucht eignet, also auch derjenigen, in welcher ich wohne, mit Bienen eine ganz unbegründete. Es kann eine Flur gedrängt mit Blumen überdeckt sein, wenn es nicht honigt, d. h. der Wärme- und Feuchtigkeitszustand der Luft der Erzeugung des Honigs günstig ist — es bekommt keine Biene etwas; honigt es aber, gleichviel ob, wie gewöhnlich, während einer oder einiger Stunden, oder selbst ganze Tage lang, dann vermögen die Bienen, und wären ihrer noch so viele, mit allem Fleiß den sich erzeugenden Honig nicht fortzutragen.

Leider macht die Furcht vor zu großer Ausbreitung der Bienenzucht viele alte Bienenwirte neidisch auf jede neue derartige Anlage und veranlasst sie, dem Ausrauben der neuen kleinen Stände nicht zu wehren, dasselbe wohl gar zu befördern, weshalb die als zweites Hindernis aufgeführte Besorgnis davor nicht ohne Grund ist. Gelingt es indes der bessern Einsicht, die erstere zu beseitigen, so ist damit die zweite zugleich zum größeren Teil gehoben. Außerdem dürfte dem Ausrauben durch gesetzliche Bestimmungen und Vereinigung der Bienenzüchter zu gegenseitigem Schutz entgegen zu wirken sein.
Guritz, Ende Dezember 1855.

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Bienenstand

Bienenstand

Fassen eines Schwarms

Fassen eines Schwarms

Fliegende Bienen Jagd

Fliegende Bienen Jagd

Imkerhut

Imkerhut

Wagen zur Bienenzucht

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