Wunderzeichen zu Pyritz.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Pyritz
In dem Jahre 1636 hat man zu Pyritz ein unerhörtes Wunderzeichen bemerkt, welches ohne Zweifel die damaligen schweren und bedrängten Zeiten angezeigt hat. Es war nämlich auf den Abend des 6. Juli der Mond zuerst ganz kohlschwarz anzusehen; darauf zeigte sich gerade in seiner Mitte ein kleiner heller Stern und hierauf zog sich unter ihm ein roter Bogen zusammen, wodurch der Mond selbst nun rot und feurig wurde. Nach einer Weile zog sich der rote Bogen auseinander, und jetzt sah man auf einmal gegen Mitternacht einen großen roten Löwen und gegen Mittag einen feurigen Menschen am Himmel stehen. Die drangen heftig gegen einander und stießen sich so hart, dass sie wieder zurückprallten. Plötzlich ward der feurige Mann zu einem Totenkopf; der verging nach Kurzem und es zeigte sich nun ein ganz kleines Menschenbild, welches eine Rute in der Hand hatte. Mit dieser winkte es dem Löwen, und legte sich darauf tot zu dessen Füßen nieder. Nachdem sich ferner der Löwe in einen Türkenkopf verwandelt hatte, vergingen die Bilder alle, und der Mond stand wieder schwarz, wie zu Anfang, und darüber erschien ein rotes Kreuz, welches aber an allen vier Ecken schwarz war. Als auch das Kreuz vergangen, entstand eine große feurige Röte, darin sah man viel Volks mit aufgehobenen Händen stehen. Auch dieses verschwand zuletzt, und der Mond bekam seine natürliche Farbe wieder. Dieses Zeichen haben viele Leute in Pyritz gesehen, und die Verständigen haben wohl gemerkt, was es zu bedeuten habe.

Micrälius, Alt. Pommerl. II. S. 241. 242.
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller