Wunderbare Erlebnisse eines Postillon zwischen Altstrelitz und Fürstenberg.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Altstrelitz, Neustrelitz, Postwagen, Fürstenberg, Groß-Tebbow,
Vor Jahren, als noch kein Mensch an die jetzige schöne Chaussee von Neu-Strelitz nach Berlin dachte, fuhr der Berliner Postwagen, mit vier starken Mecklenburgern bespannt, an einem Freitage in den Zwölfen ganz leer von dem Posthause zu Alt-Strelitz ab.

Als der Postillon, die alte ehemalige Landstraße nach Berlin verfolgend, beinahe bis Groß-Trebbow gekommen war, und sich noch immer auch nicht einmal ein Böcklein*) bei ihm angefunden hatte, da wurde es ihm ganz weh und weich ums Herz, und die Betrübnis lagerte sich so schwer auf ihn, wie der kalte Winternebel auf seinen Mantel. Vergebens arbeitete er sich mit der Peitsche ab; sie wollte nicht knallen und seinen gesunkenen Lebensmut anfeuern.

*) Bock oder blinder Passagier heißt ein solcher, der ohne auf dem Postamte eingeschrieben zu sein, gegen ein kleines Trinkgeld heimlich von dem Postillon mitgenommen wird.

Da hielten die Pferde endlich vor dem Kruge in Groß Trebbow an; heute war das rege Bedürfnis des guten Schwagers sich zu stärken gewiss berechtigt. Er ließ sich daher, weil alle guten Dinge drei sind, einen Rum, einen Kümmel und einen spanischen Bittern einschenken; dann schwang er sich wieder in den Sattel und versuchte einen Zuckeltrab.

Der tiefe Sand war gefroren, und hätte es sich leidlich gefahren, wenn die Wege nicht verschneit gewesen wären. So waren die Pferde aber nicht aus dem Schritt zu bringen und krochen langsam durch den schneebelasteten einförmigen Tannenwald dahin. Über den Postillon kam wieder die Einsamkeit und ihre Betrübnis. Er fühlte sich recht unglücklich und war es ihm, als stünde ihm heute noch etwas ganz Fürchterliches bevor.

Als er so etwa eine halbe Meile gefahren und nicht mehr weit von Drevin war, blickte er zur linken Seite, von welcher es ihn so kalt anblies. Er sah dort einen weißen Mann im tiefen Schnee stehen, der bittend die Hände erhob und in den Postwagen zu steigen begehrte.

Den Postillon durchrieselte es kalt und ohne weiter hinzuschauen, trieb er seine Pferde zur größeren Hast an.

Auf's Neue fuhr er eine ganze Strecke. Da trat, als er einmal wieder links blickte, ein ganz roter Mann an das Sattelpferd. Auch dieser verlangte, aber mit gebieterischer Gebärde, dass der Postillon still halten und ihn aufnehmen sollte.

Dem armen Schwager war es, als wenn ihn hundert Kugeln durchbohrten; aber die Pferde ruckten glücklicherweise von selbst an, und kamen nicht eher wieder aus dem Trabe, als bis in dem Grunde vor Düsterfuhrt. Dort standen sie plötzlich wie angewurzelt still. Ein schwarzer Mann stand drohend vor ihnen und schritt auf den Postwagen zu, um ihn zu öffnen.

Da nahte zur guten Stunde der Krüger von Düsterfuhrt und erzählte dem Postillon, wie lange er ihn schon vergebens erwartet und sich jetzt nur aufgemacht habe, um einmal nachzusehen, ob er auch mit dem Postwagen im tiefen Schnee stecken geblieben wäre.

Die schwarze Gestalt war plötzlich verschwunden.

Der Postillon fuhr langsam vorwärts, doch schmeckte ihm in Düsterfuhrt nicht mehr Speise noch Trank.

Als er zwei Stunden später nach Fürstenberg hineinfuhr und sich umblickte, gewahrte er hinter sich im Postwagen sitzend einen weißen, einen roten und einen schwarzen Mann. Und als er dort nun endlich vor dem Posthause stille hielt und der Schlag geöffnet wurde, da flatterten aus dem jetzt leeren Wagen drei Zettel heraus.

Auf dem einen stand geschrieben:
„So hoch ich bin, so hoch der Schnee!"

Auf dem andern:
„Bis an die Knöchel watet Ihr im Blute!"

Und auf dem dritten:
„Es naht Euch all der schwarze Tod!"

Diese Prophezeihungen: 1) großer Schneefall, 2) Krieg, 3) Pest, sollen auch später alle darnach wirklich eingetroffen sein.
Neustrelitz - Markt (2)

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Neustrelitz - Markt mit Rathaus

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Neustrelitz - Markt mit Stadt-Kirche

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Neustrelitz - Markt

Neustrelitz - Markt

Neustrelitz - Schloss u. Schlosskirche

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Neustrelitz - Schloss

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