Wie die Strohkark’sche Mühle zu ihrem Namen kam.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage,
Jetzt stehen von der alten strohkarkschen Mühle nur noch die Pfähle, auf welchen das Rad geruht, aber sie sind fast ganz abgefault und ragen nur etwa noch einen Fuß aus dem Wasser hervor.

Eine neue Mühle ist später von den schon genannten Bewohnern der in der Nähe liegenden Hütten, die fortan Strohkark*) hießen, etliche tausend Schritte unterhalb der alten, erbauet und die „neue Mühle" genannt worden. Aber auch diese ist schon lange nicht mehr. Der Name der Stätte jedoch, so wie viele Balken und Pfähle, die von den jetzigen Bewohnern Strohkirchens noch daselbst gefunden und verbraucht worden sind, zeugen für die Wahrheit dieser Sage.

*) Ob das jetzige Dorf Strohkirchen seinen Namen wirklich diesem Müller zu verdanken hat, lässt sich zwar nicht bestimmt sagen, ist aber sehr leicht möglich. Ebenso möglich ist es auch, dass derselbe dem Dorfe deshalb beigelegt worden ist, weil auf einem in dem jetzigen meybemschen Grundstücke gelegenen Kirchhofe eine mit Stroh gedeckte Kirche gestanden haben soll, was den noch jetzt im Dorfe lebenden Alten oft in ihrer Jugend erzählt worden ist.
Auch bei der alten Mühle steckt die Erde noch voll Balken und Bohlen, vielleicht auch noch voller Kostbarkeiten, die der alte Müller, bei seinem schleunigen Wegzug und beim Gedanken an Wiederkehren, daselbst, wer weiß wo und wie, versteckt hat. Hat doch dort der Bach, unter andern Kleinigkeiten, in dem letzten Viertel des vorigen Jahrhunderts noch eine bedeutende silberne Schale ans Ufer gespült, welche aber leider für 50Thlr. in die Hände eines Juden übergegangen sein soll.


Beweise für das Vorhandensein großer Schätze bei der alten Mühle will man sehr viele haben. So erzählt man, als vor etwa 20 Jahren der jetzige Inhaber dieser Stätte dort ein umgefallenes Pferd habe vergraben wollen, soll er, wegen der vielen, eng an einander liegenden Bohlen, nicht in die Erde hinein gekonnt haben. Er wäre somit gezwungen worden, auf einer andern Stelle, etliche Schritte von der vorigen, einen neuen Versuch mit dem Graben einer Grube zu machen, was auch gelungen sei. Da aber der Knecht, welcher mit dieser Arbeit beauftragt worden war, die Grube tief genug gehabt, habe er ein Geräusch unter jenen Bohlen gehört, ähnlich dem, welches entsteht, wenn Wasser in einem hohlen Raum auf Metallplatten fällt. Er habe zwar mit dem Spaten versucht, die Erde nach jener Richtung zu durchstechen, da sei ihm aber eine kleine Quelle entgegengestürzt, und der eigentümliche Klang, welcher wie das Spielen einer Spieluhr geklungen und welchen auch der schnell herbeigerufene Hauswirt vernommen habe, sei vorbei gewesen. Man habe aber nicht weiter nachgraben wollen, weil man gefürchtet, sich vor den Dorfbewohnern lächerlich zu machen.

Dass in der Nähe des Baches auf einer Stelle kein Backofen hat stehen wollen, sondern stets wieder eingefallen ist, nachdem man ihn etliche Male geheizt hatte, schiebt mau ebenfalls auf einen hier verborgenen Schatz. Ebenso soll in der Franzosenzeit ein aus Mollen stammender Soldat es deutlich gemacht haben, dass die Unfruchtbarkeit eines großen, nicht fern von dem Mühlenplatze stehenden Birnbaums nur allein von einem sich unter ihm befindenden Schatze herrühre. Derselbe soll auch versprochen haben, den Schatz heben zu helfen, allein er hat mit Napoleon nach Russland müssen und ist nicht wieder zurückgekehrt.

Alte Leute behaupten auch, Geldfeuer gesehen zu haben, woran die jungen aber nicht recht mehr glauben wollen.

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Raubritter überfallen einen Handelszug

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