Wie Godendorf bei Fürstenberg zu seinem Namen gekommen ist.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Godendorf, Fürstenberg
Das Dorf Godendorf bei Fürstenberg hat früher einen andern Namen gehabt, aber einen recht hässlichen, unanständigen, so dass ich ihn hier Anstands halber gar nicht nennen kann.

Als einst einer unserer Mecklenburgischen Herzöge durch dies Dorf fuhr, da fragte der leutselige hohe Herr ein junges, am Wege stehendes Mädchen: „In wat för'n Dörp bünn ick hiehr?"*) was so viel heißen sollte: wie der Name des Dorfes sei, worin er sich befinde.

Das gewitzte Mädchen, die des Landesfürsten Frage ganz richtig verstand, aber zu schamhaft war, ihres Dorfes hässlichen Namen zu nennen, tat als verstehe sie anders und erwiderte schnell gefasst: „In 'n gooden Dörp!"**)

Dem Herzog, der den wahren Namen des Dorfes wohl kannte und das Mädchen nur auf die Probe hatte stellen wollen, gefiel diese kluge Antwort so sehr, dass er befahl: das Dorf solle von nun an, statt seines alten hässlichen Namens, den Namen „Goodendörp" führen; woraus denn später Godendorf entstanden ist.

*) „In was für einem — in welchem — Dorfe bin ich hier?"
** „In einem guten Dorfe!”

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