Wehnert, Johann Christian Martin (1766-1825) Professor, Theologe, Philosoph, Philologe

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt (Koppe), Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Mecklenburger, Nachruf, Persönlichkeit, Nekrolog 1825, Landesgeschichte, Schulgeschichte
Am 1sten Juli gelangte, nach langwieriger Krankheit an der Brustwassersucht, Johann Christian Martin Wehnert an das für ihn glückliche Ziel eines mühevollen Lebens, als Schulmann seit 1782. Er ist nicht nur der Senior aller Mecklenburg-Schwerinschen Schulmänner geworden, sondern hat auch als Rektor der ihm anvertraueten öffentlichen Lehranstalt, und als Direktor einer Privat-Erziehungs- und Pensions-Anstalt — die bald zu einem Flor und zu einer Frequenz gedieh, wie irgend eine im Vaterlande — des Guten sehr viel gewirkt, und sich in dem Munde der beträchtlichen Zahl seiner besseren Zöglinge das größte Lob, so wie in ihren Herzen das segensvollste Andenken bereitet.

Herrlich blühte unter ihm viele Jahre die ihm Übergebenen, zuletzt aber gänzlich heruntergekommene Schule, wie dies kein wahrheitsliebender, unterrichteter Mann in Abrede stellen kann noch wird, und sie ward als seine Schöpfung so teuer und wert in seinen Augen geachtet, dass er ihr die vorteilhaftesten und angenehmsten Stellungen im In- und Auslande mit seltenem Patriotismus und höchster Uneigennützigkeit zum Opfer brachte. Die Restauration mancher größeren Schule mit größeren Hilfsmitteln im Vaterlande, — erkaltende Unterstützung der seinigen, die ohne dies belebende Element dem Verfall unterliegen musste, — Hindernisse aller Art, die ihm da, wo er wohlverdienten Dank und tätigste Förderung erwarten konnte, entgegengesetzt wurden, — die in Mecklenburg immer allgemeiner werdende Sucht, das entschiedene Gute in der Nähe dem problematischen Guten in der Ferne unpatriotisch nachzusetzen, beförderte das Sinken seiner Schule immer mehr und mehr. Ihn, den dadurch — so wie durch recht viele harte häusliche Drangsale seit den letzten zwanzig Jahren, deren vorzüglichstes nur der Tod enden konnte — Entmutigten hierbei von aller Schuld freisprechen wollen, hieße an schuldiger Treue und Unparteilichkeit eines Nekrologisten arg freveln. Aber selbst als leiblicher Schwager des Verstorbenen verletze ich so wenig die eine wie die andere dieser Pflichten durch die Behauptung, dass er ein ganz vorzüglich brauchbarer Schulmann war, und als solcher sich große Verdienste erworben hat. Diese Behauptung wird von mir um so kühner gewagt, da Wahrheit und Zeitgenossen mich nicht der Lüge zeihen werden.

Ich gehe jetzt zu den Hauptdaten seines Lebens über. Zu Halle an der Saale ward er als ältester Sohn seinem Vater, Johann Christian, einem geachteten Bürger und Inhaber einer beträchtlichen Stärke-Fabrik, am 26sten Mai 1766 geboren. Dieser und seine fromme Mutter ließen sich seine Erziehung und geistige Bildung heiligste Pflicht sein. Nachdem er auf der Schule des vaterstädtschen Waisenhauses zur Akademie gründlich vorbereitet war, trieb er das Studium der Theologie, Philosophie und Philologie von Ostern 1772 bis dahin 4776 mit allem Eifer auf der Hochschule seines Geburtsorts. Diesen würde er nicht verlassen und sich dem Universitätsleben gewidmet haben, wenn er nicht wegen seiner ausgezeichneten Körperlänge mehrmalen aufs dringendste und beunruhigendste, ungeachtet sehr beträchtlicher Opfer seiner Eltern, für das Militär in Anspruch genommen wäre. Erwünscht kam ihm daher der Antrag zu einer Hauslehrerstelle bei dem Hoffaktor Hartum in Mirow, welche er Johannis des letztgedachten Jahres antrat, wegen des Todes seines einzigen Eleven aber schon Johannis 1777 mit der beim Stallmeister von Engel auf Vreesen, Amts Stavenhagen, wechselte. In dieses höchst achtbaren Mannes wahrhaft edler Familie, von der er immer mit höchster Verehrung und innigster Dankbarkeit sprach, verlebte er fünf ganz glückliche Jahre. Dann gelangte er durch gnädige Verwendung der Durchl. Mecklenburg-Strelitzschen Prinzessin Christiane, und durch den allerhöchsten Beifall, der seinen, vor dem unvergessbaren Herrscher Mecklenburg-Schwerins, Friedrich dem Frommen, zu Ludwigslust gehaltenen Predigten zu Teil ward, zum Rektorat der Parchimschen Stadtschule, wozu er unterm 28sten Juni 1782 gerufen war. Allerhöchste Zufriedenheit mit seiner Amtsführung begnadigte ihn in der zweiten Hälfte des J. 1766 mit dem Charakter eines Professors. Am 26sten Februar 1786 traf er zu Hamburg die erste eheliche Verbindung mit Mariane Auguste Nemnich, der einzigen Tochter des dortigen Oberkammerrats, deren Verlust am 26sten Dez. 1802 ihn um so tiefer beugen musste, da sie in Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin, Mutter und Hausfrau sich rühmlichst auszeichnete. Von den vier mit ihr erzeugten Söhnen hatte der älteste, Student in Rostock, ein Jüngling von sehr großen Erwartungen, besonders in philologischer Hinsicht, (s. mein Wissenschaftl. Jahrb. d. Herzogl. Meckl., Int. B 1. No. 1.) das Unglück, am 2ten August 1807 und in seinem 19. Lebensjahr beim Baden in Rittermannshagen zu ertrinken; der zweite lebt als Bürgermeister, Stadtrichter und Advokat in Brüel, der dritte als Königl. Preußischer Regierungsrat zu Potsdam, und der vierte, welcher sich der Theologie gewidmet hatte, starb 1817 an Auszehrung. ...

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Schwerin - Altes Schloss.

Schwerin - Altes Schloss.

Schwerin - Altstadt 1842.

Schwerin - Altstadt 1842.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Schwerin - Amtsstraße 1839.

Schwerin - Dom.

Schwerin - Dom.

Schwerin - Neustadt.

Schwerin - Neustadt.

Schwerin - Paulstadt.

Schwerin - Paulstadt.

Schwerin - Schloßgarten.

Schwerin - Schloßgarten.

Schwerin.

Schwerin.