Was man von den Hünengräbern zu Mollenstorf unweit Penzlin erzählt

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Von A. C. F. Krohn zu Penzlin, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Hünengräber, Penzlin
Die nächste Umgegend von Penzlin ist ziemlich reich an Hünengräbern, Burgwällen, Burggräben und dergleichen. Der Zahn der Zeit und die immer fortschreitende Bodenkultur haben diese Denkmäler längst untergegangener Geschlechter noch nicht zu zerstören vermocht. Zu diesen Monumenten der Vorzeit gehören unter Andern der Grapenwerder bei Penzlin, der Räuberberg zwischen Rahnenfelde und Lavitz; ferner der Lapitzer Wall, der Ihsepurt, — ein Hohlweg zwischen Penzlin und Hohenzieritz, um welchen sich mehrere Gräben mit Wällen herumziehen, — im hohenzieritzer Holze ein Wendenkirchhof im Mariengehölze, und endlich zwei mächtige Hünengräber bei Mollenstorf, an der alten Landstraße von Waren nach Penzlin.

In diesen beiden Hünengräbern erblickt der gemeine Mann zwei Raubhöhlen der Wegelagerer aus alten Zeiten, und behauptet, dass in ihnen noch große Schätze verborgen sind, und dass von der einen vermeintlichen Raubhöhle zur andern unter dem Landwege durch ein gemauerter Gang führt.

In dieser Gegend soll es nicht recht geheuer sein. Einst fuhr ein Fuhrmann diese Straße. Es war Abends im Frühjahre; der herabströmende Regen verwandelte den Schnee und mit ihm den Weg in einen weichen Schlamm. Der Wagen war nur leer, aber dennoch hatten die Pferde zu tun, um ihn in dem tiefen Wege aus der Stelle zu schaffen. Als nun das Fuhrwerk ungefähr bei dem obenbezeichneten Orte ankommt, fällt plötzlich das eine Vorderrad ab. Der Fuhrmann steigt ab, findet aber zu seinem nicht geringen Erstaunen, dass die Mutter noch fest auf der Achse sitzt. Wie ist das Rad abgekommen? fragt er sich, und es wird ihm ganz unheimlich zu Mute. Er sucht aber seinen Schraubschlüssel hervor, bringt den Wagen wieder in Ordnung und fährt weiter.

Kaum haben die Pferde ein Paar Schritte getan, da liegt schon wieder der Wagen. Dasselbe Rad ist abgegangen, und — die Mutter sitzt fest auf der Achse. Er versucht das Rad so über- und aufzustoßen. Vergebliche Mühe. Er muss die Mutter wieder losschrauben.

Endlich kann er weiter fahren. Doch kaum ziehen die Pferde an, da liegt schon wieder der Wagen und — dasselbe Rad ist ab. Da überläuft es den Mann eiskalt. Er springt vom Wagen, um das Rad wieder aufzuschieben; denn auf offener Landstraße, im tiefsten Schmutze, im Regen und Unwetter kann er doch unmöglich übernachten.

Eben ist er mit dem Wagen in Ordnung, da gewahrt er nicht weit von sich plötzlich ein Licht und im Scheine desselben ein kleines, graues Männchen, das mit seiner heiseren Stimme recht höhnisch über ihn lacht.

Nun weiß der arme, geplagte Mann, was passiert. Er betet ein Vaterunser; knallt seinen Pferden mit der Peitsche um die Ohren und jagt nun, so schnell er zu Fuße nur folgen kann, nach Penzlin zu, wo er denn auch ohne weiteren Unfall mit einbrechender Nacht ankommt.

Das Rad ist ihm hernach nie wieder abgegangen.

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Mecklenburgs Volkssagen - Band 1

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