Was man über eine alte verstümmelte Steinfigur in der Kirche zu [Bad] Doberan erzählt.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Bad Doberan, Münster, Kirche
In der Doberaner Kirche wird dem Fremden, unter andern ähnlichen Raritäten oder sogenannten Reliquien, auch die Salzsäule von Loots Weib gezeigt, eine aus einer Art kalkhaltigem Sandstein roh gehauene Figur, welcher aber der Kopf, beide Arme und der untere Teil der Füße fehlen.

In katholischen Zeiten wurde diese alte Figur von der Geistlichkeit für die wirklichen Reste der genannten, in Stein verwandelten biblischen Person ausgegeben und als großes Heiligtum von den Gläubigen verehrt und angestaunt. Seitdem nun Luthers Lehre den Katholizismus aus unserm Lande vertrieben, geschieht Beides nicht mehr, sondern was früher fest behauptet wurde, lebt jetzt nur noch als Sage fort.

Außer dieser einen Sage, dass nämlich die beregte verstümmelte Steinfigur Loots verwandeltes Weib sei, existiert auch noch eine zweite, also lautend:

Vor Alters wurde einst ein in Bad Doberan dienendes Mädchen von ihrer Herrschaft zu Felde geschickt, um dort eine Arbeit zu verrichten. Man hatte ihr Käse und Brot als Essen mit gegeben. Diese war aber hiermit nicht zufrieden, sondern fluchte, auf dem Felde angelangt, laut darüber, dass sie so schlechte Nahrung von ihrer Herrschaft bekomme.

Andere Leute, die das Dienstmädchen beruhigen wollten, machten sie nur noch immer böser und wütender. Als sie nun aber endlich gar auch das Brot und den Käse verfluchte, da wurde sie zur Strafe für solchen Frevel in jenen Stein verwandelt, dessen Reste man noch heutigen Tages im Münster zu Bad Doberan sieht.

Der Stein wurde nämlich später von dem Felde in das Münster gebracht, und dort zur Warnung für andere Gottlose aufbewahrt.

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Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.