Was man sich von der zwischen Penzlin und Hohenzieritz gelegenen Ihsepuhrt erzählt.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von A. C. F. Krohn zu Penzlin, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Penzlin, Hohenzieritz, Rhedarier, Geistererscheinung, Aberglauben
Zwischen Penzlin und dem benachbarten Hohenzieritz befindet sich in dem Hohenzieritzer Gehölze ein ziemlich langer und sehr tiefer Hohlweg, um welchen sich, nach Penzlin zu, mehrere Gräben — sogenannte Landgräben — hintereinander ziehen. Dieser Hohlweg bildet den Eingang in das altberühmte Land der Rhedarier und führt schon seit alten Zeiten den Namen Ihsepuhrt.*)

*) Eiserne Pforte.

Mit solchen und ähnlichen Stellen hat das Volk von jeher gern Geistererscheinungen etc. in Verbindung gebracht, und erzählt man sich denn auch von der Ihsepuhrt, dass dort des Nachts um 12 Uhr zwölf weiße Männer mit einem schwarzen Sarge umgehen.

Ein alter Fuhrmann, der früher oft diesen Weg passiert ist, jetzt aber nicht mehr lebt, behauptete steif und fest, und hat's auch vielen Leuten erzählt, dass er an diesem Orte Folgendes erlebt habe:

Er kam nämlich, nachdem er sehr häufig diesen Weg gemacht hatte, auch einmal am hellen Tage mit einem leeren Wagen in diesem Hohlweg an. Plötzlich standen seine Pferde, und nichts vermochte weder sie, noch den Wagen vom Flecke zu bringen.

Der alte Mann hatte schon oft erzählen hören, es solle nicht ganz geheuer an dieser Stelle sein, obwohl er noch nie etwas bemerkt hatte. Darum dachte er auch gleich, es könne
dies ebenfalls nicht mit rechten Dingen zugehen. Er machte sich also nach vorne hin zu seinen Pferden und sah ihnen durch die Ohren; denn so soll man Manches sehen können, was man sonst nicht mit leiblichen Augen wahrnehmen kann. Und wirklich, da lag ein baumlanger, kohlschwarzer Kerl der Länge nach auf seinem Wagen hingestreckt und lachte recht höhnisch über ihn.

Ohne sich aber weiter zu besinnen, und ohne ein Wort zu sprechen, nahm der Fuhrmann seine Peitsche, schlug drei Kreuzknoten hinein und prügelte ganz unbarmherzig auf den Kerl los.

Das half! Der Wagen war auf der Stelle frei.

Die Pferde aber legten dermaßen ins Geschirr, dass er sie erst bei Penzlin zum Stehen brachte.

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