Wanderungen und Lebensansichten des Buchbinder-Meisters Adam Henß, Stadtältesten und Landtags-Abgeordneten der Stadt Weimar

Autor: Henß, Adam (1780-1856) Buchbindermeister, Politiker, Publizist, Erscheinungsjahr: 1845
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Wanderungen, Lebensansichten, Sitten- und Kulturbild, Handwerk, Zünfte, Wanderschaft, Geschichte der Mainzer Buchbinder, Stadtältester, Landtagsabgeordneter
Vorrede und Einleitung.

Wenn Jemand die Frage stellen sollte: Was veranlasste den Verfasser zur Herausgabe seiner Biographie? so will ich ihm nicht allein das Recht dazu einzuräumen, sondern auch die Frage im Voraus beantworten.

Wenn ich am Abend meines Lebens zuweilen auf meine Vergangenheit zurückblickte, war der Gedanke, das Erlebte niederzuschreiben, ein sehr natürlicher, aber nicht bloß das äußerliche materielle Leben war es, was mich bei meinen Erinnerungen anzog, denn dieses erhält seine Richtung gar häufig von äußern Anlässen, und schwerlich dürfte Jemand behaupten, er habe sich seine Bahn selbstständig und unabhängig vorgezeichnet und verfolgt. Anders ist es mit dem inneren Leben und der gewonnenen geistigen Richtung eines Individuums; wenn dasselbe gleichwohl auch hier mannichfaltigen Einflüssen unterworfen ist, so ist ihm doch hier eine große moralische Freiheit gegeben und das Gewonnene ist daher meistens sein Eigentum.

Wie mir die Lebensansichten, welche ich im Alter hege, beigegangen sind, habe ich in Folgendem treu berichtet; ich habe über Gegenstände gesprochen, welche von wissenschaftlich gebildeten Männern vielfach abgehandelt worden sind, aber als Mann aus dem Volke wollte ich sie darstellen, wie ich sie auf meinem Standpunkte aufgefasst habe.

Früh verwaist, mit geringer Schulbildung zeitig in die Welt geschoben, nahm mich diese auch in die Schule und die Not war die harte Lehrmeisterin darin. Unter solchen Umständen der ungünstigsten Art musste ich unwillkürlich rat - und hilflos mit den Schreckbildern der Täuschung, die meine Jugend umgaben, kämpfen. Die Resultate, zu welchen ich gelangte, sind tausend Anderen auch geworden, ohne sie gleich peinlich, wie ich, erringen zu müssen; aber eben darum wird auch mein Beispiel beweisen, dass gerade das Übermaß der Entstellung des Höchsten zu dessen Erkenntnis führt.

Diese aus eigner Erfahrung geschöpfte Überzeugung ist es, die mir Trost gab, wenn ich beim Hinblick auf unsere trostlose Zeit gewahrte, wie Dunkelmänner aller Flaggen das klare Licht des Christentums mit Plunder und vermoderten Lappen umstellten und der Einfalt zuriefen: „Hier fallt nieder und betet an! das Licht dahinter ist Trug und Teufelswerk!"— und mein Beispiel, der Gang meiner Überzeugung ist die Geschichte von Tausenden aus dem Volke; sie soll einen Beitrag liefern zu dem Beweise, dass der Zwinger der Finsternis fundamentlos ist; davon wollte ich Zeugnis geben vor dem Richterstuhle der Kritik. Vielleicht habe ich mich hier und da zu lange bei diesem Gegenstande aufgehalten, aber eben derselbe gab meinem Leben seine Richtung.

Die langen Selbstzerwürfnisse, die meine Jugend peinigten, haben mir bei meiner Geistestätigkeit zur unwillkürlichen, fast mechanischen, Gewohnheit gemacht, dass sich mir bei jeder neuen Erscheinung im Leben die Fragen gleichsam aufdrängen: Was ist die Ursache derselben und was sind ihre Folgen, wohin kann es führen? Durch eine Reihe von Schlüssen, die von dem praktischen Leben ausgingen, gelangte ich allmählich zu den hier ausgesprochenen Ansichten über verschiedene Lebensverhältnisse; es ist mir selten leicht geworden, dahin zu gelangen, und meine endliche Überzeugung steht öfters der früheren Meinung entgegen. Möglich ist es, dass das Eine und das Andere hier und da als Irrtum erscheinen dürfte, man übersehe aber nicht, dass die verschiedenen Standpunkte der Theorie und des Lebens selten einerlei Bilder erblicken lassen, und dass vor dem Forum der Kritik selbst der Irrtum die Wahrheit fördert, und diese zu fördern, lag auch hier in meiner Absicht.

Hiermit habe ich sowohl die Gründe aufgestellt, die mich bewogen, das Gegenwärtige der Publizität zu übergeben, als auch den Standpunkt bezeichnet, von welchem aus das Urteil über dasselbe, wenn auch ein strenges, doch ein gerechtes sein wird! Wer sich erlaubt, über Andere zu urteilen, ist doppelt verpflichtet, auch die Urteile Anderer über sich ergehen zu lassen. —

So gehe denn hin mein Büchlein, und wirst du von harten Händen unsanft berührt — wohlan! dein Meister ist von Jugend an nie sanft berührt worden — warum sollte dein Schicksal ein besseres sein, als das seine? —
                        A. H.

                              Inhalt.

                              Vorrede und Einleitung
                              Das elterliche Haus.
Erstes Kapitel. Die Kinderjahre. 1780 — 1792
Zweites Kapitel. Die Lehrjahre. 1792 — 1795

                              Wanderschaft.
Drittes Kapitel. Süd-Deutschland bis Basel. 1795 — 1796
Viertes Kapitel. Basel bis Wien. 1796
Fünftes Kapitel. Ungarn bis Peterwardein. 1796 — 1797
Sechstes Kapitel. Rückreise aus Ungarn. 1797— 1798
Siebentes Kapitel. Wiederkehr auf das linke Rheinufer. 1793 — 1799
Achtes Kapitel. Übergang auf das rechte Rheinufer, Ostfriesland und Dänemark. 1799 — 1800
Neuntes Kapitel. Mecklenburg. 1800 — 1801
Zehntes Kapitel. Der Harz und der Rhein. 1802
Elftes Kapitel. Mitteldeutschland und Schiesten. 1802 — 1803
Zwölftes Kapitel. Das österreichische Polen. 1803
Dreizehntes Kapitel. Das preußische Polen. 1803
Vierzehntes Kapitel. Das russische Polen. 1803 — 1804
Fünfzehntes Kapitel. Rückkehr nach Preußen. 1804

                              Bürgerleben.
Sechzehntes Kapitel. Ankunft in Weimar, Schlacht bei Jena und die Kriegszeit. 1805 — 1813
Siebzehntes Kapitel. Eintritt in das bürgerliche Leben. 1813 — 1832
Achtzehntes Kapitel. Erster literarischer Versuch. 1828
Neunzehntes Kapitel. Eintritt in den Stadtrat. 1832 — 1840
Zwanzigstes Kapitel. Wahl zum Landtags-Abgeordneten. 1840 — 1844
Ein und zwanzigstes Kapitel. Schluss

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Mainz - Augustinerstraße

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Mainz - Bahnhof (2)

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Mainz - Bahnhof

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Mainz - Christuskirche

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Mainz - Der Dom

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Mainz - Dom und Gutenberg-Denkmal (2)

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Mainz - Garnisionskirche

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Mainz - Gesamtansicht mit Dom

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Mainz - Holzstraße und Holzturm

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Mainz - Kaiserstraße und Christuskirche (2)

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Mainz - Kaiserstraße und Christuskirche (4)

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