Volksmärchen - 05. Gerdmann un Alheid.

Aus: Ut oler Welt. Sagen, Volkslieder und Reime
Autor: Gesammelt von Wilhelm Busch, Erscheinungsjahr: 1910

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Enthaltene Themen: Volksmärchen, Sagen, Volkslieder und Reime, Plattdeutsch, Sammlung
Dar was äis en gante un en goos, un de gante häit Gerdmann un de goos häit Alheid, de beiden güngen in der harwesttit te hope henut up dat stoppelfeeld un föngen dar täo fräten an. Gerdmann, ans de kläukeste, bleef jümmer up den hogen rüggen van'n stücke, wo häi säen könne, wat rund ümme her passiren döe, de goos Alheid fratt awerst in der däipen fore hendal, dar stünnen de besten greunen spiere, denn dat wäit'n woll, dat et dar jümmer natt is, un wenn emeihet werd, säo kann'n ok mit der seessen nich orntliken heninraken. Et dure nich lange, säo maoke Gerdmann up äis sinen hals säo lang un keek sick ümme. Do sach häi, dat de voss ganz liseken längs in der fore herdal sleek un der goos jümmer nöger kam. Do wolle häi der goos beschäid seggen un räip:

„Alheid!
Sühst du nich, wat dar in der fore geit?“

De goos bleef awerst jümmer mit fräten värtüge un antwore nix ans:

„Tatterattatt, tatterattatt!
Ette wat, ette wat!“

un meene, Gerdmann schölle fräten un dat kören laten.

De voss, de sick mitterwile dal eduked harre, kam nu weer nöger un nöger. Do räip Gerdmann täon twäiten male:

„Alheid!
Sühst du nich, wat dar in der fore geit?“

Awerst Alheid keek sick nich ümme un antwore nix ans:

„Tatterattatt, tatterattatt!
Ette wat, ette wat!“

Dat schölle säo viäl häiten ans: kör hen, kör her! ek säie nix!

Mit dessen was de voss ganz dichte herbi ekuomen; un Gerdmann räip täon drüdden male:

„Alheid!
Sühst du nich, wat dar in der fore geit?“

Un de goos antwore weer :

„Tatterattatt, tatterattatt!
Ette wat, ette wat!“

In densülbigen ogenblicke sprung de voss täo un packe mine läiben goos bi'n hals. Do fong se an täo schräin un räip:

„Gerdmann, Gerdmann, help mi doch! Sühste nich, wo häi mi ritt, wo häi mi tüht?!“

„Recht di dat, recht di da — at!“ räip Gerdmann, breede sine flitke ut un streek aber dat feeld hen na sinen dörpe hentäo.

Dat, min junge, is de geschiente van den kläoken ganten Gerdmann un der dummen goos Alheid.


                        Gerdmann und Alheid
                              (hochdeutsch).

Gerdmann der Ganter und Alheid die Gans gingen mal in der Herbstzeit aufs Feld hinaus. Gerdmann, der vorsichtige, blieb auf dem hohen Rücken des Ackers, von wo er weit umher sehen konnte, während Alheid in der tiefen Furche fraß, weil da die grünsten Spiere standen. Als nun der Fuchs heran geschlichen kam, rief Gerdmann warnend:

„Alheid,
sühste nich, wat dar in der fore geit?“

Doch Alheid schnatterte sorglos:

„tatterrattat!
ette wat, ette wat.“

nzwischen schlich der Fuchs immer näher. Zweimal noch vergebens erhob Gerdmann seine warnende Stimme. Jetzt sprang der Fuchs zu und packte Alheid beim Halse. Da schrie sie kläglich:

„Gerdmann, Gerdmann, sühste nich,
wo häi mi ritt, wo häi mi tüht?“

Aber Gerdmann rief:

Recht di da — t, recht di da — t!“

breitete seine Fittiche aus und flog ins Dorf zurück.

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Pommerngänse

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