Urkundensammlung zur Geschichte des Geschlechts von Maltzahn. Bd. IV

Vierter Band 14-76-1525 (-1554)
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist, Erscheinungsjahr: 1852
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landesgeschichte, Berend Maltzan, Maltzahn, Familiengeschichte, Persönlichkeit, 16. Jahrhundert, Deutsche Geschichte
Mit dem dritten Bande der maltzanschen Urkunden, welcher bis in das Jahr 1475 reicht, war das eigentliche Mittelalter und damit die eigentliche Urkundenzeit abgeschlossen. Seitdem werden die Geschichte und die in derselben wirkenden Charaktere klarer, zugleich aber werden auch die Akten so umfangreich, dass die Mitteilung derselben durch den Druck unmöglich wird. Es hätte also diese Urkunden-Sammlung mit dem dritten Bande, welchem schon die übersichtlichen Abhandlungen und die bis zur neueren Geschichte reichenden Stammbäume beigegeben sind, geschlossen werden können, wenn nicht der Wunsch sehr nahe gelegen hätte, noch das Leben zweier Männer darzustellen, welche in der deutschen Geschichte ungewöhnlich groß dastehen: es sind dies die beiden Ritter Berend II. (1474 — 1525) und Joachim II. (1492 — 1556), Vater und Sohn, die Stifter der noch blühenden reichs-freiherrlichen Linie Wolde-Penzlin, durch deren Opfer und Teilnahme diese Urkunden-Sammlung ans Licht getreten ist. Es ist daher jedem dieser beiden seltenen Männer noch ein Band Urkunden gewidmet.

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Der vorliegende vierte Band bewegt sich in der Geschichte des Ritters Berend II. auf Wolde und Penzlin (1474 —1525) und stellt sehr klar und ausgeprägt den Übergang von der Geschichte des Mittelalters zur neueren Geschichte dar; diese Sammlung ist schon deshalb von Wichtigkeit, weil es wenige ihres gleichen gibt, indem die Forscher selten Beruf gefühlt haben, einen der gewöhnlichen Ansicht nach unbedeutenden und verwirrten Zeitraum durch angestrengte Arbeiten zu erhellen. Und dennoch ist diese Periode der höchsten Beachtung wert, indem in dem Boden jener Zeit die Wurzeln des Baumes haften, dessen Stamm in der zunächst darauf folgenden Zeit gepflegt ward und unter dessen Schatten wir noch heute wohnen. In dieser Zeit steht der gewaltige Ritter Berend Maltzan auf Wolde als einer der hervorragendsten Männer in der norddeutschen Geschichte da, und es ist diese wohl schwerlich in einem andern Manne, als in ihm, so klar zu erkennen. Berend Maltzan erscheint noch als einer der größten Charaktere des Mittelalters, der in der einen Hälfte seines Lebens noch ganz auf dem Boden des alten Rechtszustandes steht, weshalb er auch wegen seiner unerschrockenen Haltung in der Verfechtung seines Rechts häufig der „böse Berend“ genannt wird, der aber in der andern Hälfte seines Lebens, als schon die Reformation sich zu regen begann, als hochverehrter, gewiegter, ja fast unentbehrlicher Rath der Fürsten von dem bedeutendsten Einflüsse auf die Ordnung neuer Zustände ward. Völlig unbeugsam in der Wahrung seines Rechts, großartig tapfer und aufopferungsfähig, einsichtsreich und voll gereifter Erfahrung, stand er, als ein bedeutender Repräsentant seines Geschlechts, mit großer Würde wie eine vereinzelte Eiche auf einem Felde, welches zu einer neuen Kultur urbar gemacht ward. Wir begegnen in jenen Zeiten in der Geschichte noch hin und wieder solchen großen Charakteren, vor denen aber Berend Maltzan das voraus hat, dass seine Wirksamkeit zugleich in den Geschäften des Friedens von sehr bedeutendem Gewicht war. Es ist leicht erklärlich, dass Berend Maltzan, da er sich auf einen ungewöhnlichen Standpunkt stellte, viel besprochen und auch schief beurteilt ward; es ist daher notwendig gewesen, nicht allein seinen Charakter und seine Handlungen, sondern auch mehrere wichtige Begebenheiten und Männer seiner Zeit einer sehr genauen und weit reichenden Forschung zu unterwerfen. Es ist dies namentlich in den eingeschalteten Abhandlungen zum J. 1476, S. 9 - 19, und zum J. 1491, S. 167 —179, geschehen, aus denen und den mitgeteilten Urkunden man eine unparteiische Beurteilung aller Zeitbegebenheiten schöpfen kann.

Die Sammlung des vierten Bandes gibt außerdem gewiss willkommene Mitteilungen über eine bisher ziemlich dunkle Zeit, in welcher sich Sprache, Sitten und Vorstellungen völlig umwandelten.

Die vollständige Mitteilung aller maltzanschen Urkunden ist mit dem dritten Bande geschlossen. Der vorliegende vierte Band enthält vorherrschend, jedoch vollständig, nur die Urkunden über die wichtigeren Ereignisse in dem Leben des Ritters Berend II. und seiner Brüder, so wie einige wichtige Urkunden über hervorragende Männer und Begebenheiten aus andern Häusern des Geschlechts bis zum Tode Berends; am Schlüsse sind noch einige interessante Aktenstücke hinzugefügt, welche die Geschichte bis zum J. 1554 fortführen. Fast die Hälfte des gesammelten Materials bis zum J. 1525 hat aber zurückgelegt werden müssen.

Der fünfte Band wird allein und ausschließlich das Leben des Ritters Joachim II., des ersten Reichsfreiherrn zu Wartenberg und Penzlin, so wie einige wichtige Urkunden aus der neuern Zeit enthalten und das ganze Werk einstweilen schließen.

Die zum Verständniss notwendigen Stammbäume und Nachrichten über die Quellen sind schon dem dritten Bande beigegeben. Zu demselben Bande sind auch bereits die Siegel Berends mitgeteilt.

Als Kunstbeilage erscheint hier eine Abbildung des ausgezeichnet schönen Leichensteines von dem Grabe des pommerschen Landmarschalls Joachim Maltzan auf Osten, aus der ausgestorbenen Linie Cummerow, welcher am 11. Dez. 1565, 84 Jahre alt, starb und in der Kirche der Stadt Demmin begraben ward. Dieses Bild ist zugleich ein teures Andenken an meinen unvergesslichen Freund Albrecht Maltzan, welcher mit mir auf einer Forschungsreise in Vorpommern diesen Stein entdeckte und die Zeichnung zum Druck noch selbst anfertigen ließ.

Zum Schlüsse fühle ich mich gedrungen, mit der aufrichtigsten Freude und dem herzlichsten Danke den treuen Freundesbeistand des Herrn Landrats von Maltzan auf Rothenmoor anzuerkennen, welcher noch am Sarge seines geliebten Sohnes, meines festen Freundes Albrecht, als dessen Erbe in der Freundschaft zu mir und in der Teilnahme an der Beförderung der vaterländischen Wissenschaft eintrat. Gott segne das Geschlecht.

Schwerin, am 31. Dezember 1852.
Dr. G. C. F. Lisch.

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Grab des Marschalls Joachim Maltzan auf Osten,† 1565, in der Kirche zu Demmin

Grab des Marschalls Joachim Maltzan auf Osten,† 1565, in der Kirche zu Demmin

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist