Urkundensammlung zur Geschichte des Geschlechts von Maltzahn. Bd. II

Zweiter Band. 1331-1431
Autor: Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist, Erscheinungsjahr: 1844
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landesgeschichte, Maltzan, Maltzahn, Familiengeschichte, Persönlichkeit, 16. Jahrhundert, Deutsche Geschichte, Mittelalter, Pommern
Der zweite Band der Urkunden zur Geschichte des Geschlechts Maltzan umfasst das Jahrhundert von 1331 bis 1431, bis zum Abtreten des Marschalls Heinrich, des Helden von Pritzwalk, und enthält die Geschichte der Ausbildung des Geschlechts, welche bis auf den heutigen Tag Grundlage seiner öffentlichen und häuslichen Verhältnisse geworden ist. In dieser Periode bildet sich der Ritterstand als ein bevorzugter, erblicher Stand aus und gründet seinen bedeutenden Einfluss, während auch alle andern Elemente des Staates durch eifersüchtiges Streben gegen einander sich heben, die Macht der Fürsten, der Geistlichkeit und der Städte. Die Erinnerung au die alte Heldenzeit ist fast verschwunden, die religiöse und dichterische Begeisterung ist erloschen, das friedliche Zusammenwirken gewichen; es handelt sich um die Gewinnung, Befestigung und Ordnung einer reellen Macht, und in diesem Streben treten auch die alten Geschlechter in vollkommener, neuer Gestalt wieder mit überwiegendem Einflüsse in die Geschichte.

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Es ist das Mannesalter des Mittelalters, voll Kampf und Ernst, so groß und kräftig, wie die spitzbogigen, eisenfesten Dome, welche diese Zeit schuf, das Jahrhundert des Bauens. In dieser Zeit bilden sich die Linien der Geschlechter, werden die großen Besitztümer gegründet und vermehrt und die erblichen Würden erworben: und alles dieses hat seinen Einfluss bis auf heute geltend gemacht. Es lässt sich nicht verkennen, dass die alten, aus der wendischen Zeit herüberreichenden, wahrscheinlichen Dynasten-Geschlechter einen viel bedeutenderen und einflussreicheren Grundbesitz erwarben, als die übrigen jüngeren Rittergeschlechter, welche mit dem Verlaufe des 13. Jahrhunderts in die Geschichte treten. Die Maltzan gründen in dieser Periode den festen Besitz der zum Teil bekannt und berühmt gewordenen Stammschlösser Osten, Cummerow, Wolde, Penzlin, Grubenhagen, Schorssow, Trechow, Rothenmoor (oder früher Tribeschendorf), von denen mehrere, mit großem Gebiete von Dörfern und Gütern, Städte und Marktflecken waren oder wurden, wie Penzlin, Cummerow und Grubenhagen, andere durch die Größe und Festigkeit der Burgen geschichtlich wurden, wie Wolde, Osten und Schorssow, von denen noch heute Ruinen stehen. Es fällt in diese Zeit auch die häufige Verpfändung ganzer kleinerer Landesteile an die alten Adelsgeschlechter, wie die Verpfändung der Länder Malchin, Stavenhagen und Penzlin an die Maltzan, aus welcher letzteren endlich der erbliche Besitz der Herrschaft Penzlin hervorging. Von diesen Besitzungen, welche übrigens Gesamtlehne waren, entstanden eben so viele Linien gleiches Namens, von denen mehrere, wie die alte trechowsche, die alte rothenmoorsche und die alte schorssowsche, schon mit dem Ablaufe dieser Periode aussterben, die übrigen aber bis auf die neuern Zeiten Zweige getrieben haben. Diese Linien und ihre Besitzungen waren denn wieder die Veranlassung zu erblichen Standeserhöhungen: die Maltzan erwarben in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts das Erbmarschallamt des Herzogtums Pommern-Stettin und des Fürstentums Werle.

Treten bei einem solchen, durch die allgemeine Lage der Dinge gebotenen Streben, in welchem mehr die Macht und Würde der ganzen Familie oder ihrer Linien ins Licht tritt, auch die einzelnen Persönlichkeiten nicht so scharf hervor, wie die epischen Gestalten des ersten Zeitraums, so haben doch viele Männer Einfluss genug auf unsere Geschichte, um mit Auszeichnung genannt zu werden, wie der Ritter Bernhard I. auf Osten, der erste pommersche Marschall, der Schwiegersohn des Grafen Otto von Fürstenberg und der Stammvater aller jetzt blühenden Linien, der Ritter Heinrich I. auf Schorssow, der erste werlesche Marschall, der Ritter Ulrich I. auf Grubenhagen, der Marschall Heinrich I. auf Wolde, der Archidiakonus Joachim von Deminin, der pommersche Kanzler und stralsundische Oberpfarrherr Bernd und andere; die Fehden des „Maltzan von Schorssow“, in welchen er selbst den Tod und seine Burg den Untergang fand, gehören wie der Schatten zu dem Lichte des fortschreitenden 14. Jahrhunderts. Die Wirksamkeit des Ritterstandes war in dieser Zeit der politischen Bildung schon mehr eine landständische und die einzelnen Personen treten als Räte der Fürsten und des Landes mehr in eine allgemeine Wirksamkeit. Der wahre Schauplatz des Wirkens des Geschlechts ist seit dieser Periode fortan fast ausschließlich der östliche Teil des mecklenburgischen und der westliche Teil des pommerschen Landes, also das Fürstentum Werle und das Herzogtum Vorpommern.

Die ergiebigste Quelle für die Geschichte dieser Periode blieb das großherzoglich-mecklenburgische Geheime und Haupt-Archiv zu Schwerin; jedoch lieferten auch die pommerschen Archive wesentlich wichtige und bedeutende Beiträge, für welche ich meinen aufopfernden Freunden, dem Herrn Professor Dr. Kosegarten zu Greifswald und dem Herrn Bagmihl zu Stettin, den wärmsten Dank auszudrücken nicht unterlassen kann. Mein Freund Masch zu Demern hat sich durch Rat und eine Korrektur auch um diesen Band wesentliche Verdienste erworben.

Als einen wichtigen Nachtrag zum ersten Bande muss ich jedoch eine Besondere Bemerkung hier hervorheben. Unter den Siegeln auf Tafel I. ist das Siegel des Ritters Friederich I, des mutmaßlichen Stifters der trechowschen Linie, mitgeteilt, welches sich vor allen andern maltzanschen Siegeln dadurch auszeichnet, dass es allein eine ganze Rebe und noch nicht den längs gespaltenen Schild mit einer halben Rebe und zwei Hasenköpfen führt. Das Siegel des Ritters Barthold I., wahrscheinlich seines Sohnes, welches an der Urkunde Nr. CXVII, vom 1. Juli 1316, hangen musste, war nicht zu erlangen. Vor kurzem brachte ein glücklicher oder unglücklicher Zufall dieses Siegel wieder ans Licht, als der Herr von Örtzen auf Roggow dem Vereine für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde eine große Menge mittelalterlicher Wachssiegel schenkte, welche aus einem Nachlasse der von örtzenschen Familie stammen, vor langen Zeiten durch Kauf in Rostock erworben wurden und offenbar von Urkunden im Archive der Stadt Rostock abgeschnitten sind. Unter diesen Siegeln, auf deren Pergamentpresseln zur größeren Beglaubigung die Jahreszahlen der Urkunden, an denen sie hingen, geschrieben stehen, finden sich mehrere Original-Siegel, welche an der erwähnten Urkunde Nr. CXVII hingen und unter diesen auch das sonst nicht vorkommende Siegel Bartholds Maltzan, wie es Tab. III, Fig. 1. abgebildet ist: auch Barthold Maltzan führte im Jahre 1316 nur eine ganze Rebe ohne Hasenköpfe im Schilde.

Auf dem Titel ist auch die Form des Namens Maltzahn in Maltzan verwandelt, da in Folge der bisherigen Urkundenforschungen auch die Beförderer dieses zweiten Bandes, welche, mit dem Hauptbeförderer des ersten Bandes, die Kosten der Herausgabe und des Druckes desselben tragen, die alte, allein geschichtliche Schreibart des Namens Maltzan wieder aufgenommen haben, um so mehr, als die ihnen zunächst stehende Linie der Grafen Maltzan in Schlesien nie von dieser Form abgewichen ist.

Schwerin am 11. Julius 1844.
G. C. F. Lisch.

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Grab der Ritter Heinrich und Ludolf Maltzahn in der Klosterkirche zu Dargun.

Grab der Ritter Heinrich und Ludolf Maltzahn in der Klosterkirche zu Dargun.

Grab des Ritters Berthold Maltzahn und seiner Gemahlin Adelheid in der Klosterkirche zu Rühn

Grab des Ritters Berthold Maltzahn und seiner Gemahlin Adelheid in der Klosterkirche zu Rühn

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Lisch, Georg Christian Friedrich (1801-1883) mecklenburgischer, Archivar, Altertumsforscher, Bibliothekar, Redakteur, Publizist

Siegel der von Maltzahn. 14. Jahrhundert (2)

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Siegel der von Maltzahn. 14. Jahrhundert

Siegel der von Maltzahn. 14. Jahrhundert